Bahnverkehr

Ermittler werten Gullydeckel-Attacke auf Zug als Mordversuch

Ein Gullydeckel durchschlug die Frontscheibe des Zuges, nur durch sein „instinktiv richtiges“ Handeln wurde der Zugführer nicht schwerer verletzt oder gar getötet.

Ein Gullydeckel durchschlug die Frontscheibe des Zuges, nur durch sein „instinktiv richtiges“ Handeln wurde der Zugführer nicht schwerer verletzt oder gar getötet.

Foto: Lars-Peter Dickel

Bad Berleburg/Hilchenbach.   Nach der Gullydeckel-Attacke auf einen Regionalzug laufen die Ermittlungen auf Hochtouren. Hinweise auf ein Terrormotiv gibt es keine.

Im Fall der Gullydeckel-Attacke auf einen Regionalzug bei Bad Berleburg haben die Ermittler keine Hinweise auf einen Terroranschlag. „Für einen Terroranschlag gibt es nach aktuellem Stand der Ermittlungen keine Hinweise“, sagte ein Sprecher der Polizei am Montag. Da von einer Brücke mehrere Gullydeckel an einer Strickkonstruktion über der Bahnstrecke zwischen Erndtebrück nach Bad Berleburg hingen, sei es aber planmäßiges Handeln gewesen. Deshalb sei eine Mordkommission eingerichtet worden. „Wir schließen momentan nichts aus“, erklärte der Polizeisprecher weiter. Am Tatort würden an diesem Montag noch einmal mehrere Beamte nach Spuren suchen.

Unbekannte Täter hatten in der Nacht zum Samstag mehrere gusseisener Gullydeckel von der Straßenüberführung am Steinchen/Vorderstöppel bei Raumland über die Eisenbahnstrecke der Rothaarbahn RB93 heruntergelassen.

Gullydeckel durchschlugen Frontscheibe von Zug

Die Deckel durchschlugen die Frontscheibe eines Zuges der Hessischen Landesbahn (HLB). Der 49-jährige Zugführer habe in dem Moment „instinktiv richtig“ gehandelt und sei deshalb nur leicht verletzt worden. Die Behörden sprachen von einem Mordversuch. Wegen einer geplanten Leerfahrt waren keine Fahrgäste an Bord der Bahn.

„Er hat eine Notbremsung durchgeführt und sich nach hinten weggeduckt, so dass ihn weder Glassplitter noch Gullydeckel getroffen haben. Sonst wäre er jetzt tot“, sagte eine Sprecherin des Bahnunternehmens Hessischen Landesbahn der „Bild“-Zeitung.

Gullydeckel hingen an Seilen von der Brücke

Die schweren Gullydeckel hingen an schwarz-rot-goldenen Seilen bzw. einer Kette. Aufgrund des Tathergangs ist ein planvolles Vorgehen mehrerer Täter sehr wahrscheinlich. Deshalb hat die Mordkommission Hagen die Ermittlungen aufgenommen. Diese dehnte die Suche nach Zeugen in Bad Berleburg am Sonntag räumlich aus, weil ein weiteres mögliches Tatwerkzeug weit abseits der Bahnstrecke gefunden wurde.

Anschlag auf Rothaarbahn

Unbekannte haben Gullydeckel von einer Brücke in Bad Berleburg gehängt. Zug wird an der Frontscheibe getroffen. Eine Mordkommission ermittelt. Video: Lars Peter Dickel
Anschlag auf Rothaarbahn

Laut Polizei und Staatsanwaltschaft deuten ersten Ermittlungsergebnisse darauf hin, dass in der Nacht von Donnerstag auf Freitag, 12. April, vier Gullydeckel aus der Kreisstraße 31 in Hilchenbach zwischen den Ortsteilen Allenbach und Grund gestohlen und bei der Tat in Bad Berleburg verwendet worden sind.

Weiterer Fund am Schulzentrum

Wie Polizei und Staatsanwaltschaft am Sonntag in einer weiteren Mitteilung veröffentlichten, wurde am Samstagnachmittag ein weiteres potenzielles Tatwerkzeug gefunden. Dieser Gully-Deckel lag im Bereich des Berleburger Schulzentrums am Stöppelsweg auf einer Wiesenfläche, also mehrere hundert Meter Luftlinie vom Ort des Anschlages entfernt.

Nach einer ersten Untersuchung dieses Gegenstandes wurde festgestellt, dass dieser Gullydeckel ebenfalls in der Nacht auf Freitag, 12. April, im Bereich der Kreisstraße 31 in Hilchenbach-Grund entwendet worden ist. (mit dpa)

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