Olympia

"Stolze" Pechstein auch ohne Medaille zufrieden - Deutsche Eisschnellläufer gehen leer aus

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein schaut auf ihre siebten Olympischen Spiele zurück.

Eisschnellläuferin Claudia Pechstein schaut auf ihre siebten Olympischen Spiele zurück.

Foto: dpa

Pyeongchang.  Die deutschen Eisschnellläufer sind bei den Olympischen Winterspielen leer ausgegangen. Claudia Pechstein verpasste auch im Massenstart eine Medaille.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ihr wichtigster Plan war aufgegangen, deshalb lächelte Claudia Pechstein. Mit einem taktisch geschickten Zwischenspurt sicherte sie sich zwei Tage nach ihrem 46. Geburtstag ein paar Punkte für die Gesamtwertung beim Massenstart und zog ins Finale ein. Zufrieden blickte sie zurück. „Ich bin stolz darauf, dass ich in meinem Alter meine siebten Spiele absolviert habe“, sagte die Berlinerin, die zum Abschluss ihrer olympischen Wettkämpfe in Pyeongchang 13. wurde beim Erfolg der Japanerin Nana Takagi.

Mehr war in diesem Rennen nicht zu erwarten gewesen, in denen davor allerdings schon. Doch keine einzige Hoffnung erfüllte sich für die Athleten der Deutschen Eisschnelllauf-Gemeinschaft (DESG).

Die Bilanz des Verbandes liest sich sogar noch fataler, als sie es vor vier Jahren in Sotschi tat. Zum ersten Mal seit 50 Jahren blieb die DESG dort ohne Medaille. Nun gelangen nicht einmal mehr die Vierten und Fünften Plätze, die damals noch den Anschluss an die Weltspitze suggerierten. Ein Debakel sondergleichen erlebte der Verband in Südkorea.

Sportdirektor Robert Bartko war in Pyeongchang anzusehen, wie sich seine Laune mit jedem Wettkampftag verschlechterte. „Wir sind hier unseren Erwartungen nicht gerecht geworden“, sagt er. Große Vorsätze trugen ohnehin nur die drei Athleten mit sich, die außerhalb des Verbandssystems trainieren. Nico Ihle, Patrick Beckert und Pechstein brachten schließlich auch die besten Leistungen. Die direkt Bundestrainer Jan van Veen unterstellten Athleten fanden sich in den unteren Zeilen der Ergebnislisten wieder.

Trainingssteuerung nicht gelungen

Es ist nicht so, dass die DESG nicht versucht hätte, die Misere abzuwenden. Sportdirektor, Bundestrainer und auch die Präsidentin Stefanie Teeuwen kamen als Folge der Sotschi-Pleite in ihre Ämter. Doch außer der Beteuerungen des Veränderungswillens steht nun nichts Positives in der Bilanz. „Die Ursachen werden konkret und auch sehr konsequent analysiert werden müssen, alles kommt auf den Tisch“, so Bartko. Lösungen für die Probleme liegen offenbar aber nicht parat, zu ratlos zeigte sich die Führungsriege ob der Formkrise.

Acht Podestplätze in der Weltcupsaison deuten darauf hin, dass die Trainingssteuerung zum einen nicht gut genug gelungen ist. Auch die mentale Seite dürfte eine Rolle spielen. „Die Niederländer sind es gewöhnt, in wichtigen Momenten liefern zu müssen. Deshalb sind sie bei Olympia so stark“, sagt van Veen, selbst ein Niederländer, der den internen Konkurrenzdruck in seinem Heimatland bestens kennt. In Deutschland fehlt dieser Druck von innen völlig, wohl auch deshalb stellt sich Bartko vor van Veen. „Ich sehe nicht die Alleinschuld des Bundestrainers“, sagt er. Die Probleme sind vielschichtig und nicht kurzfristig zu lösen.

Es fehlt vor allem an Nachwuchs, in der Folge an qualitativ hochklassigen Trainingsgruppen. Genau deshalb gehen die Spitzenathleten ihre eigenen Wege. „Auch diese Strategien müssen wir hinterfragen“, kündigte Bartko an. Schnellen Erfolg, sagte er, werde es bei der DESG nicht geben. Neu gestartete Konzepte, mit denen der Trend gedreht werden soll, würden erst mit der Perspektive 2026 Ergebnisse bringen. Ob die gut genug sind für Medaillen, ist nicht sicher.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (2) Kommentar schreiben