Nachhaltigkeits-Serie

Warum der Apfel aus Neuseeland die bessere Wahl sein kann

Serie "Bin eben kurz die Welt retten" - Nachhaltig einkaufen

Dr. Melanie Speck, Co-Leiterin des Forschungsbereichs Produkt- und Konsumsysteme am Wuppertal Institut für Nachhaltigkeit, erklärt, wie man im Supermarkt nachhaltig handelt

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Hagen.  Nachhaltiges Einkaufen will gelernt sein. Expertin Dr. Melanie Speck vom Wuppertal Institut gibt unserem Reporter Hilfestellungen.

Die Erdbeeren riechen betörend. Die Ananas sieht toll aus. Blumenkohl, Rhabarber, Spargel, Bananen, Äpfel, Mangos, Möhren gibt‘s auch. Ware aus Deutschland, aber auch aus Südafrika, Chile, Italien, Spanien. Teilweise Bio-Ware. Was kaufen und was meiden? Schwierige Frage. Überraschende Antworten in unserem nächsten Teil der Nachhaltigkeits-Serie „Bin eben kurz die Welt retten“.

Ortstermin im Supermarkt meines Vertrauens. Dr. Melanie Speck, Co-Leiterin des Forschungsbereichs Produkt- und Konsumsysteme am Wuppertal Institut, begleitet mich. Ich kaufe ein, wie immer. Nicht nur Obst und Gemüse, sondern alles andere auch. Die schlimmsten Sünden nimmt mir die Expertin dann aus dem Einkaufswagen, erklärt mir, was daran verwerflich ist und schaut sich nach nachhaltigen Alternativen im Laden um.

Erste Haltestelle: Äpfel. Als angehender Bio-Experte nehme ich natürlich jene aus Deutschland und nicht die aus Neuseeland. „Würd‘ ich nicht machen“, sagt Melanie Speck. Bitte was? „Frische deutsche Äpfel gibt es bis Oktober, November, eventuell Dezember“, sagt die Expertin mit Blick auf die Ernte im Herbst. „Alle deutschen Äpfel, die man danach kauft, sind Lagerware.“

Die Bilanz der Gurke

Das bedeutet: Die Äpfel werden in großen Kühllagern bei ein bis vier Grad, hoher Luftfeuchtigkeit und niedrigem Sauerstoffgehalt aufbewahrt, um den Reifeprozess zu verlangsamen. Das alles kostet Strom. „Wenn die Äpfel dann mehr als vier oder fünf Monate dort gelagert werden, dann ist es ressourceneffizienter die Äpfel aus Neuseeland zu kaufen – auch wenn sie mit dem Schiff einen langen Transportweg hatten“, sagt Melanie Speck.

Nächster Versuch: Schlangengurke. Ich greife zum deutschen Produkt, konventionelle Landwirtschaft, aber dafür aus der Nachbarschaft. Alternative: die Bio-Gurke aus Spanien. Selbst die Expertin ist unschlüssig. „Die Frage wäre: Wie ist die Gurke vom Bauern nebenan hierher gekommen? Hat er einen Karton mit dem eigenen Auto hergefahren oder größere Mengen?“ Es geht also um die CO2-Bilanz der einzelnen Gurke. „Die Pestizidrückstände an der Bio-Gurke dürften geringer sein – und dennoch entscheide ich mich für die Gurke aus der Nachbarschaft, weil ich regionales Einkaufen gern unterstütze“, sagt Melanie Speck.

Ananas? Gestrichen!

Die Ananas wird mir gleich ganz gestrichen, auch die Möhren – angeboten werden welche aus Italien und Spanien – kommen weg. „Das ist Importware. Frisch gibt es Möhren zwar ab Mai oder Juni, aber noch nicht in jedem Supermarkt.“ Stattdessen gibt’s Spargel, Rhabarber und Erdbeeren. „Die haben Saison.“

Ab in die nächste Abteilung: Den Schokohaselnussjoghurt mögen die Kinder gern. Frau Speck nicht. Zu klein die Portionen (4x100 gr.), dann auch noch aus Plastik. Und auf die Inhaltsstoffe mancher Joghurts müsse man achten. „Je länger die Zutatenliste, desto schlechter.“ Daher: Das große Glas vom Bio-Anbieter. „Glas lässt sich sehr gut wiederverwerten.“

Aber bei Milch bin ich gut aufgestellt. Denke ich. Haltbare Bio-Milch, 1,5 Prozent Fett. Verbrauch: hoch. Ein warnender Blick der Expertin. „Wenn man sich ressourceneffizient ernähren will, sollte man nicht nur über die Reduktion von Fleisch nachdenken, sondern auch über den Verbrauch an Milch und Butter.“ Aber ist Milch nicht gesund? Gut für die Knochen? „Nein. Einen ähnlichen Effekt erreichen Sie mit calcium- und/oder magnesiumhaltigen Wasser.“ Wir lassen die Milch stehen, die Butter räume ich zurück ins Regal. „Butter lässt sich durch Frischkäse oder vegetarische Aufstriche ersetzen, bitte nicht durch Margarine. Butter ist das ressourcenintensivste Lebensmittel.“

Fleisch ist in Maßen erlaubt

Immerhin: Das Tiefkühlgemüse darf ich behalten. „Der Ressourcenverbrauch kann sich verdoppeln durch das Einfrieren und die Kühlkette. Aber gut ist: Durch das Schockgefrieren bleiben die Vitamine gut erhalten.“

Und was, wenn ich nun doch noch Fleisch essen will? „Es geht nicht darum, kein Fleisch mehr zu essen, sondern die Portionen zu verkleinern und darauf zu achten, um welches Fleisch es sich handelt“, sagt die Expertin: „Geflügelfleisch ist für eine nachhaltigere Ernährung die effizienteste Wahl. Am besten ein Bio-Artikel von der Fleischtheke. Aber dann kostet das Stück leider auch etwa viermal so viel.“

Saisonal einzukaufen spart Geld

Das ist ein Problem: Mein nachhaltiger Einkauf dürfte deutlich teurer werden als das, was ich mir zusammengestellt hatte. „Wir haben die Kosten einer Bio-Ernährung in mehreren Studien mit Großverbrauchern errechnet. Die Ausgaben steigen um 20 bis 30 Prozent. Allerdings: Wenn man vermehrt auf saisonale Produkte zurückgreift, liegt der Wert nur noch bei 10 Prozent. Sich in der Küche dem anzupassen, was verfügbar ist, spart Geld.“

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