Diesel

ADAC rechnet im Herbst mit ersten Diesel-Nachrüstsystemen

Ein nachgerüsteter SCR-Katalysator ist am Unterboden eines umgerüsteten Opel Astra zu sehen.

Ein nachgerüsteter SCR-Katalysator ist am Unterboden eines umgerüsteten Opel Astra zu sehen.

Foto: Marijan Murat / dpa

Berlin  Der ADAC hat Nachrüstsysteme für Diesel-Fahrzeuge getestet. Problematisch wird es, wenn es kalt wird. Helfen könnten die Hersteller.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Ab diesem Herbst könnten Nachrüstsysteme für Diesel-Fahrzeuge auf den Markt kommen – damit rechnet zumindest der ADAC. Die nachgerüsteten Diesel-Fahrzeuge sollen deutlich weniger Stickoxide ausstoßen. Schon vor einem Jahr hatte der Automobilclub die Wirksamkeit von Hardware-Nachrüstungen mit einem Test belegt. In einer neuen Untersuchung untersuchte der ADAC nun die Langzeit-Effekte über 50.000 Kilometer.

Dabei entdeckte der Autofahrerclub noch einige Konstruktionsschwächen, insgesamt aber könne der Stickoxid-Ausstoß mit Nachrüstungen dauerhaft um bis zu 80 Prozent reduziert werden. Ein großes Manko konnte der ADAC aber ausfindig machen: Wenn es draußen kühler wird, reicht auch die Nachrüstung nicht aus, um die von der Bundesregierung vorgegebenen Grenzwerte einzuhalten.

ADAC: Autohersteller in der Pflicht

Aufgrund der neuen Untersuchung sieht der ADAC nun bei den Autoherstellern Handlungsbedarf. Sie müssten selbst ihren Teil dazu beitragen, um die Grenzwerte auch dann einzuhalten, wenn es draußen kühler werde. Sie seien jetzt in der Pflicht, sagte der Vorstandsvorsitzende des ADAC Württemberg, Dieter Roßkopf.

„Die gute Nachricht ist: 80 Prozent Minderung sind möglich“, sagte Reinhard Kolke, Leiter des ADAC-Technikzentrums im bayerischen Landsberg am Lech. In dem bayerischen Technikzentrum wurden die nachgerüsteten Fahrzeuge – ein Fiat Ducato, ein VW T5 und ein Opel Astra, jeweils mit nachgerüsteten sogenannten SCR-Katalysatoren verschiedener Nachrüst-Anbieter – getestet.

Es zeigte sich, dass es mithilfe der Nachrüstungen bei sommerlichen Temperaturen gelang,

den Stickoxid-Ausstoß unter den mittlerweile festgesetzten Grenzwert von 270 Milligramm pro Kilometer zu drücken.

Diesel-Fahrverbote – Aus diesen Gründen besteht Handlungsbedarf

Problematisch wird es bei Temperaturen unter fünf Grad

Diese Grenze hatte die Bundesregierung zum Jahreswechsel als eine von diversen Voraussetzungen für eine Zulassung von Nachrüstsystemen festgelegt. Dass sie erreicht werde, sei beachtlich, lobte der ADAC. Immerhin sei zum Start des Tests im Sommer 2008 den beteiligten Firmen noch gar nicht klar gewesen, welche Werte sie würden einhalten müssen.

Die Nachrüster hätten also ein großes Risiko auf sich genommen, sie seien „vom Zehn-Meter-Brett gesprungen“, sagte Roßkopf. Problematisch wird es, wenn die Außentemperaturen auf unter fünf Grad Celsius fallen. Dann erlaubt der Gesetzgeber zwar einen Grenzwert von 540 Milligramm. Allerdings konnten die getesteten Nachrüstsysteme diesen Wert nicht einhalten. Außerdem stieg der Energie- und somit auch der Spritverbrauch stärker als erlaubt an.

Hintergrund: Schadstoffe in der Luft fordern mehr Todesopfer als Rauchen

Urteil: BGH erkennt Schummel-Software von VW als Sachmangel an

Luftbelastung: Mindestens 35 Städte überschreiten Stickoxid-Grenzwerte

Software-Updates wären laut ADAC nötig

Als Grund nannte Kolke, dass die Emissionen der Fahrzeuge durch die Reduzierung der Abgasreinigung bei niedrigeren Temperaturen massiv in die Höhe schnellten.

Um das Problem zu lösen, müssten die Autohersteller mit Software-Updates reagieren, forderte Kolke. Zudem müssten sie mit den Anbietern der Nachrüstlösungen zusammenarbeiten. Die ersten Systeme auf dem Markt würden letztlich die sein, die von den jeweiligen Autoherstellern unterstützt würden, so Kolke.

„Die Hardware-Nachrüstung ist machbar und kann auch dauerhaft funktionieren“, sagte Baden-Württembergs Verkehrsminister Winfried Hermann (Grüne), dessen Haus den Test unterstützt und mitfinanziert hatte. Auch er forderte, die Autoindustrie in die Pflicht zu nehmen, um die Systeme noch wirksamer zu machen. „Spätestens im Herbst müssen die Nachrüstsätze vorliegen“, sagte der Grünen-Politiker. Sonst drohten weiteren Autos Fahrverbote.

E-Mobilität: Nur acht Mitarbeiter im Ministerium zuständig

Hintergrund: Viele Diesel-PWK blieben trotz Software-Update schmutzig

Autohersteller unterstützen Nachrüstungen sehr unterschiedlich

Lange hatten sich sich die Hersteller und auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) gegen Hardware-Nachrüstungen gesträubt. Im vergangenen Jahr konnte dann aber doch noch ein Kompromiss für die Finanzierung erteilt werden – der aber je nach Hersteller sehr unterschiedlich ausfällt.

Das bieten Autohersteller Kunden für Nachrüstungen an:

Daimler etwa hält zwar prinzipiell Software-Updates und Anreize für den Kauf modernerer Autos für sinnvoller, hat aber zugesagt, bis zu 3000 Euro für Hardware-Nachrüstungen zu erstatten. Das könnte für Kunden sehr lohnend sein, denn die getesteten Nachrüstsysteme kosten zwischen 1500 und 3000 Euro.

VW will auch zahlen, rät aber von Nachrüstungen ab.

BMW beteiligt sich nicht und verweist darauf, dass seine Motoren nicht manipuliert und rechtlich in Ordnung seien.

Sich darauf zu verlassen, dass weitere Fahrverbote vom Tisch seien, hält Roßkopf für keine gute Idee. Sie sollen künftig in der Regel erst ab einer Belastung von 50 Mikrogramm Stickoxid pro Kubikmeter Luft als verhältnismäßig gelten. Der Grenzwert liegt bei 40 Mikrogramm. „Man sollte nicht vergessen, dass wir Teil der EU sind“, sagte Roßkopf. Und dort gehe der Trend eindeutig eher zu noch schärferen Grenzwerten. Daher hatten zuletzt unter anderem drei EU-Kommissare Bundesverkehrsminister Scheuer für seine Forderung nach einer Neubewertung der Grenzwerte gerügt. (dpa/tki)

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben