Wirtschaft

Mittelstand erhält Hilfe für die digitale Zukunft

Der Mittelstand soll Digitalisierung als Chance begreifen.

Der Mittelstand soll Digitalisierung als Chance begreifen.

Siegen.   Südwestfalens Mittelstand soll Hilfe auf dem Weg in die digitale Zukunft bekommen. Dazu wurde nun ein eigenes Kompetenzzentrum gegründet.

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Das Kompetenzzentrum Mittelstand 4.0 in Siegen existiert zwar bereits seit einigen Monaten und hat bereits 35 Anfragen von südwestfälischen Firmen erhalten, doch die offizielle Eröffnung mit vielen Gästen wurde erst am Mittwoch bei der IHK Siegen gefeiert. Obwohl „Gäste“ und „feiern“ vielleicht nicht ganz die richtigen Worte sind: Die 160 Unternehmensvertreter im Publikum waren als Interessenten da und die Redner taten, was Aufgabe der vom Bundeswirtschaftsministerium geförderten Institution ist: Sie boten Hilfe auf dem Weg in die digitale Zukunft an.

Weil die vierte industrielle Revolution wie jede große Umwälzung auch Ängste erzeugt, haben die Träger des Zentrums, die Universitäten Siegen und Bochum, die Fachhochschule Südwestfalen und das Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik den Schlüsselfaktor Mitarbeiter ins Zentrum gestellt: „Die qualifizierte Fachkraft ist der Wettbewerbsvorteil unserer Mittelständler“, so der Siegener Wirtschaftsinformatik-Professor Volker Wulf, „deshalb kann es nicht nur um Automatisierung gehen, sondern um die Unterstützung von Veränderungsprozessen, die qualifizierte Arbeit erhält und schafft.“

Sorgen um Arbeitsplatzabbau

Aber was ist mit den Millionen Arbeitsplätzen, die der Digitalisierung zum Opfer fallen, wenn man Prognosen glaubt? „Panikmache“, urteilt IHK-Präsident Felix G. Hensel. „Das behaupten Ökonomen, die auf Statistiken schauen, statt in die Betriebe zu gehen“, meint Wulf. Und Knut Giesler, Bezirksleiter der IG Metall in NRW, zitiert eine Studie, nach der in NRW 200 000 Arbeitsplätze verloren gingen, wenn man sich nicht um die Digitalisierung kümmere, aber 300 000 entstünden, wenn man sie aktiv gestalte. Klar sei aber auch: „Es gibt keine Blaupause für alle Unternehmen. Das muss man auf jeden einzelnen Betrieb herunterbrechen.

Sogar auf jeden einzelnen Arbeitsplatz, betont Arndt G. Kirchhoff, Präsident der Arbeitgeberverbände NRW: „Wir schauen bei jeder Tätigkeit: W as passiert dort? Was fällt weg? Wo brauche ich Leute? Wen müssen wir umschulen? Wichtig ist, das man rechtzeitig damit anfängt.“ Und am Detail arbeitet: „Wir kommen nicht mit abstrakten Konzepten“, sagt Thomas Ludwig, Geschäftsführer des Kompetenzzentrums. „Wir gehen über Wochen in die Betriebe und erarbeiten Gestaltungsmöglichkeiten mit den Mitarbeitern.“

Gravierende Veränderungen durch Digitalisierung

Einen Erfahrungsvorsprung in Sachen Umbau hat Trilux in Arnsberg: vom Blechbieger für Lampen zum Anbieter elektronischer LED-Steuerungen. Die Veränderungen durch die Digitalisierung schätzt Vorstand Joachim Huxol als noch gravierender an: „Wir verkaufen keine Produkte mehr, sondern cloudgebundene Systemlösungen.“ Das eröffne große Chancen. Um sie zu nutzen müssten aber die Mitarbeiter gewonnen werden: „Das funktioniert nicht nur als Managementsache.“

Manche Jobs fielen weg, andere würden sich verändern und wachsen. Das Unternehmen sehe es als Aufgabe, die Mitarbeiter umzuqualifizieren, diese müssten sich einlassen auf lebenslanges Lernen: „auch die 50- und 55-Jährigen. Wir versprechen, keine Arbeitsplätze abzubauen und verlangen dafür: Ihr müsst euch auch verändern.“ Und wenn das nicht bei jedem gelinge? „Dann greift die soziale Verantwortung, die dem Mittelstand ins Buch geschrieben ist und wir finden Übergangslösungen.“

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