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Anja Reschke steigt im NDR auf – wohl nicht zum letzten Mal

Anja Reschke.

Anja Reschke.

Foto: ARD/Oliver Blaum

Hamburg  Sie leitet künftig den Programmbereich Kultur und Dokumentation. Für Ihre Vor-Vorgängerin war dies das Sprungbrett in die Intendanz des RBB.

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An Top-Personalien dürfte beim NDR auch in den kommenden Wochen und Monaten kein Mangel herrschen. Es ist ja nicht so, dass allein Intendant Lutz Marmor nicht mehr für eine volle Amtszeit zur Verfügung steht. Laut Gremienmitgliedern müssen im Sender demnächst zwölf wichtige Führungspositionen neu besetzt werden.

Gesucht werden beispielsweise neue Chefs für die Verwaltungsdirektion und das Landesfunkhaus Mecklenburg-Vorpommern. Die bisherigen Amtsinhaberinnen Angela Böckler und Elke Haferkrug gehen in den Ruhestand. Auch ARD-aktuell („Tagesschau“, „Tagesthemen“) benötigt einen neuen Chefredakteur. Der alte, Kai Gniffke, wird Intendant des Südwestdeutschen Rundfunks (SWR).

Zwei wichtige Personalien will der NDR-Verwaltungsrat diesen Freitag auf den Weg bringen: Er wird voraussichtlich dem Rundfunkrat vorschlagen, Hörfunkdirektor Joachim Knuth zum Nachfolger von Intendant Marmor zu wählen. Zudem dürfte das Gremium die bisherige Innenpolitik-Chefin und „Panorama“-Moderatorin Anja Reschke zur Leiterin des Programmbereichs Kultur und Dokumentation machen. Sie folgt auf Katja Wildermuth, die als Programmdirektorin zum MDR gegangen ist.

Anja Reschke wurde schon als Kandidatin für Marmor-Nachfolge gehandelt

Die Personalien Reschke und Knuth könnten mehr miteinander zu tun haben, als es auf den ersten Blick scheint. Knuth ist ein erfahrener Journalist und Rundfunkmanager – aber auch schon 60 Jahre alt. Er ist nur fünf Jahre jünger als Intendant Marmor, der aus Altersgründen auf eine volle zweite Amtszeit verzichtet.

Der Hamburger steht nicht für den von vielen - nicht zuletzt wegen des digitalen Umbaus, der den NDR beschäftigt - erhofften Generationswechsel im Sender. Es ist folglich eher unwahrscheinlich, dass Knuth länger als bis Januar 2026 amtieren wird. Dann würde seine erste Amtszeit enden.

Der NDR wäre also gut beraten, bereits frühzeitig einen Nachfolger oder eine Nachfolgerin für ihn aufzubauen. Innenpolitik-Chefin Reschke war bereits im Zusammenhang mit der Nachfolge Marmors als Kandidatin gehandelt worden. Allerdings wäre dieser Karrieresprung dann wohl doch etwas groß gewesen. Als Chefin des wichtigen Programmbereichs Kultur und Dokumentation ständen der 46-Jährigen aber alle Wege offen. Ihre Vor-Vorgängerin Patricia Schlesinger wechselte von dort aus direkt in die RBB-Intendanz...

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Bleiben wir beim NDR: Dort sorgt ein Gedankenspiel des scheidenden Intendanten für Aufregung. Marmor erwägt, den Volontärsjahrgang 2020 ersatzlos zu streichen. Ein Jahrgang umfasst 18 Volontäre. Der NDR habe womöglich eher zu viel als zu wenig Journalisten, glaubt der Intendant. Er verweist darauf, dass in seiner Amtszeit, die zeitlich befristete Beschäftigung freier Journalisten abgeschafft wurde. Tatsächlich war für Freie früher allerspätestens nach 15 Jahren Arbeit für den NDR Schluss. Das ist seit ein paar Jahren nicht mehr so.

Aber hat der Sender wirklich zu viele Journalisten? Nicht wenige Mitarbeiter bestreiten das. Das Thema wurde am Mittwoch auf einer Personalversammlung diskutiert. Mancher findet, das nicht ausgerechnet beim Journalismus gespart werden müsse. Stattdessen könne man beispielsweise weniger Geld für die Unterhaltung ausgeben.

Der Sender will nun herausfinden, wie groß der Bedarf an Journalisten im Haus tatsächlich ist und dann über einen neuen Volontärsjahrgang entscheiden.

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