Metallbranche

Anlagenbauer SMS verspricht die erste „grüne“ Bramme

Ein SMS-Mitarbeiter präsentiert zukunftsweisende Technik des Unternehmens auf dem beeindruckenden Messestand in Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Ein SMS-Mitarbeiter präsentiert zukunftsweisende Technik des Unternehmens auf dem beeindruckenden Messestand in Düsseldorf. Foto: Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Foto: Lars Heidrich / Lars Heidrich / FUNKE Foto Services

Düsseldorf/Hilchenbach.   Beim Thema CO2-freie Stahlproduktion führt kein Weg am Siegerländer Anlagenbauer SMS vorbei.

Die SMS Group, weltweit führender Anbieter im Maschinen- und Anlagenbau, profitiert von der Abschottungspolitik des US-Präsidenten Donald Trump. Hohe Schutzzölle auf Stahlimporte kommen dem Unternehmen mit Siegerländer Wurzeln derzeit zugute. „Nordamerika beschert uns eine Art Sonderkonjunktur“, erklärt Burkhard Dahmen am Mittwoch bei der Vorstellung der 2018er Geschäftszahlen auf der Weltleitmesse für Metallurgie, der Metec in Düsseldorf.

Service-App „mySMSgroup“

Gerade hat SMS den Zuschlag für den Bau eines neuen Werkes im Südwesten der USA bekommen, in dem im ersten Schritt jährlich 2,7 Millionen Tonnen Stahl mit der von SMS entwickelten hocheffizienten CSP-Technologie (alle Arbeitsschritte auf einer Maschine) produziert werden sollen. Nur ein Beispiel, denn Dahmen schätzt „das Auftragspotenzial in Nordamerika aktuell auf rund eine Milliarde Euro“ – man steht in Verhandlungen über den Bau von neuen Werken und Modernisierungen.

So schön das klingt, unter dem Strich war das Geschäftsjahr 2018 nicht berauschend. Angesichts ökopolitischer Hemmnisse – Sanktionen gegen Russland machen die Geschäfte dort nicht leichter; das Geschäft im Iran ist im Gegenzug zum US-Boom quasi tot – und disruptiver Veränderungen in der Branche, sind 2,8 Milliarden Euro Umsatz dennoch akzeptabel. Zumal die Auftragseingänge wieder deutlich gestiegen sind.

Die Aussichten als Technologieführer auch beim Thema Digitalisierung den Takt beim Großanlagenbau vorzugeben, scheinen gut zu sein. Das Team der Softwareentwickler wurde im vergangenen Jahr kurzerhand auf einhundert verdoppelt, die meisten von ihnen sitzen in der Landeshauptstadt, einige auch in Indien, den USA und China. Die Service-App „mySMSgroup“ befinde sich ständig in Weiterentwicklung und werde von Kunden gut angenommen.

Das CO2-freie Stahlwerk

Voll im Trend der Klimadebatte ist sicher das Thema CO2-freie Stahlproduktion, beim dem SMS mit dem Technologieführer Midrex-Technologies kooperiert. „Die erste grüne Bramme (Block aus gegossenem Metall, die Redaktion) wird auf einer SMS-Maschine gefertigt!“, versichert der neue Technikchef Hans Ferkel.

Ob dies dann beim Kunden Thyssenkrupp sein wird, der zu Beginn des Jahres die komplette Umstellung auf diese Technik bis 2050 verkündete, ließ Technikchef Ferkel offen. Er gab zwar interessanterweise dasselbe Jahr als Ziel für das erste CO2-freie Stahlwerk aus wie die Essener, aber SMS baut für fast alle großen Player – von ArcelorMittal, den Chinesen bis zu Tata Steel und eben den Amerikanern.

Es hakt beim „grünen Wasserstoff“

Gelingen soll der Verzicht auf Kohle bei der Produktion von Rohstahl unter Einsatz von „grünem“ Wasserstoff als Ersatz für Kohle oder Gas. „Technisch ist das heute schon möglich, es scheitert bislang aber am verfügbaren Wasserstoff, der mit Ökostrom hergestellt wird“, sagt der frühere VW- und Thyssenkrupp-Manager. Der Einsatz fossiler Brennstoffe zur Wasserstofferzeugung sei schließlich nicht zielführend, wenn es um Klimaschutz gehe.

Wie weit das Umweltbewusstsein in der Branche schon reicht, vermag der SMS-Vorstandsvorsitzende nicht zu sagen. Effiziente Filtertechnik werde vonseiten des Anlagenbauers zwar angeboten, aber da es die Anlagen nicht wirtschaftlicher macht, endet dann schon einmal das grüne Gewissen.

Projekt „Boxbay“

An dem Trend zu ressourcen- und klimaschonender Produktion geht aus Sicht von SMS aber kein Weg mehr vorbei.

SMS ist weiter breit aufgestellt und hat sich mit dem Vorzeigeprojekt „Boxbay“ in Dubai nun auch einen Namen bei Hafenbetreibern gemacht. Im Joint Venture mit dem Hafenbetreiber DP World entsteht gerade die modernste Hafenanlage der Welt im Emirat, für die SMS sein Know-how nutzt und eine radikal neue Hochregallösung für Container baut, die pünktlich zur Expo 2020 in Betrieb gehen soll. Vergangene Woche stellte das Unternehmen das Projekt bei einer Logistikmesse in Rotterdam vor und stieß auf rege Nachfrage.

Neuer Präsident der Weltleitmesse

Die herrscht in diesen Tagen auch am SMS-Stand auf der Düsseldorfer Metallurgie-Messe Metec. Ob es daran liegt, dass SMS-Chef Dahmen gerade zum Präsidenten der Weltleitmesse gewählt wurde oder schlicht an der Bedeutung in der Branche: Der Messestand dürfte nicht nur zu den größten gehören, sondern mit der perfekt inszenierten Nabelschau der Zukunftsprojekte wie dem selbstlernenden Stahlwerk auch zu den beeindruckendsten. Insofern nimmt man Finanzchef Torsten Heising die Prognose für das laufende Geschäftsjahr gerne ab: „Wir rechnen mit einem Umsatz von drei Milliarden Euro.“

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