Stellenabbau

Arbeitsminister Heil kritisiert Vorgehen von Thyssenkrupp

Die Stellenabbau-Pläne von Thyssenkrupp stoßen auf Kritik in der Politik und bei der IG Metall.

Die Stellenabbau-Pläne von Thyssenkrupp stoßen auf Kritik in der Politik und bei der IG Metall.

Foto: Marcel Kusch / picture alliance/dpa

Essen.  Bundesarbeitsminister Heil kritisiert das Vorgehen des Thyssenkrupp-Vorstands beim Stellenabbau. Der Minister spricht von einem „Kahlschlag“.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) hat sich kritisch zu den Stellenabbauplänen beim Essener Traditionskonzern Thyssenkrupp geäußert. Er hoffe, „dass so viele Arbeitsplätze wie möglich erhalten bleiben“, sagte Heil unserer Redaktion. Die Art und Weise, wie Thyssenkrupp den Abbau von 11.000 Arbeitsplätzen kommuniziert habe, kritisierte der Minister scharf: „Einen Kahlschlag zu verkünden, ohne vorher mit den Sozialpartnern zu reden – das geht gar nicht.“

IG Metall-Vorstand Jürgen Kerner, der auch Vize-Aufsichtsratschef von Thyssenkrupp ist, hatte zuvor erklärt: „Die jetzt bekannt gegebenen Pläne für weiteren Stellenabbau sind nicht mit der Arbeitnehmerseite vereinbart.“

Thyssenkrupp reagiert mit dem größten Sparprogramm seiner Firmengeschichte auf immense Verluste im abgelaufenen Geschäftsjahr. Statt der bisher geplanten 6000 Stellen sollen insgesamt 11.000 Arbeitsplätze gestrichen werden, wie der Essener Konzern bei der Bilanzpressekonferenz mitteilte. Angesichts der schwierigen Lage zeigte sich Vorstandschefin Martina Merz entschlossen, auch harte Entscheidungen zu treffen, um die Kosten im Konzern zu senken. „Wir werden alles hinterfragen – auch bei den Kosten darf es keine Denkverbote mehr geben“, sagte die Managerin, die das Unternehmen seit etwas mehr als einem Jahr als Vorstandschefin führt.

Im Mai 2019 hatte der Thyssenkrupp-Vorstand bereits einen Abbau von 6000 Jobs angekündigt, davon sei der Wegfall von 3600 Stellen „realisiert“, so Personalvorstand Oliver Burkhard. Zusätzlich will der Thyssenkrupp nun 7400 Arbeitsplätze in den kommenden drei Jahren abbauen – insgesamt also 11.000 Stellen. „Wir befinden uns mitten im größten Restrukturierungsprozess seit Bestehen von Thyssenkrupp“, sagte Burkhard.

Deutschland besonders stark von Stellenabbau betroffen

Von den 11.000 Arbeitsplätzen, die der Konzern abbauen will, entfallen 7000 auf Deutschland, so Burkhard, 4000 auf Standorte außerhalb der Bundesrepublik. Etwa jede zweite der Stellen, die in Deutschland wegfallen sollen, befinde sich in NRW.

Im Zusammenhang mit möglicher staatlicher Hilfe für den Konzern unterstricht NRW-Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) seine ablehnende Haltung zu einer möglichen Landesbeteiligung. „Die von manchen ins Gespräch gebrachte Möglichkeit einer Staatsbeteiligung sehen wir nur über den Wirtschaftsstabilisierungsfonds des Bundes, wenn die Voraussetzungen dafür vorliegen“, sagte Pinkwart unserer Redaktion. „Um die nötigen Milliardeninvestitionen zum Umbau der Branche zu mobilisieren, stehen Instrumente der Innovationsförderung zur Verfügung.“

Düstere Bilanz von Thyssenkrupp

Die Bilanz von Thyssenkrupp mitten in der Corona-Krise fiel düster aus. Bei den sogenannten fortgeführten Aktivitäten, also ohne die lukrative Aufzugsparte, die das Unternehmen für mehr als 17 Milliarden Euro verkauft hat, verzeichnet das Unternehmen einen Fehlbetrag von 5,5 Milliarden Euro. Auch für das gerade angelaufene Geschäftsjahr erwartet Thyssenkrupp erneut rote Zahlen.

Die größte Einzelaktionärin des Konzerns, die Essener Krupp-Stiftung, gab Konzernchefin Merz Rückendeckung. „Das Unternehmen hat das Potenzial, wieder nachhaltig wettbewerbs- und damit dividendenfähig zu werden“, erklärte die Stiftung.

Der Finanzinvestor Cevian macht Druck. „Wettbewerber haben in der Corona-Krise massiv durchgegriffen und ziehen weiter davon. Es tut weh, das anzusehen, denn es müsste so nicht sein“, kritisierte Cevian-Partnerin Friederike Helfer, die auch Mitglied des Aufsichtsrats von Thyssenkrupp ist.

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