Hagen. Nach dem Ende der Friedenspflicht starteten in der Nacht zu Donnerstag um Punkt Mitternacht die ersten Warnstreikaktionen in NRW.

Nach zwei ergebnislosen Tarifverhandlungsrunden in der nordwestdeutschen und ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie haben Beschäftigte in Nordrhein-Westfalen mit dem Ende der sogenannten Friedenspflicht in der Nacht zum 1. Dezember erste Warnsignale an die Arbeitgeber gesetzt. In Duisburg starteten Beschäftigte bereits am Donnerstagabend einen Fackelmarsch von den Hüttenwerken Krupp Mannesman. In Salzgitter, Georgsmarienhütte und Finnentrop gab es um Punkt Mitternacht Aktionen. Am frühen Morgen versammelten sich unter anderem in Hagen rund 60 Beschäftigte der Deutschen Edelstahlwerke (DEW) vor dem Werkstor, um die Forderungen der IG Metall zu bekräftigen. Dort sprach der Erste Bevollmächtigte Jens Mütze zur Belegschaft.

Forderungen für 80.000 Beschäftigte

Die Gewerkschaft fordert für die rund 80.000 Beschäftigten der nordwestdeutschen und ostdeutschen Eisen- und Stahlindustrie eine Erhöhung der Monatsentgelte um 8,5 Prozent bei einer Laufzeit von zwölf Monaten sowie eine 32-Stunden-Woche bei vollem Lohnausgleich.

Die Arbeitgeber hatten in der ersten Verhandlung eine Entgelterhöhung von 3,1 Prozent für 15 Monate angeboten. Eine Arbeitszeitverkürzung hält die Arbeitgeberseite für indiskutabel. Die Gewerkschaft hält dem entgegen, dass in der Praxis in einigen Betrieben, beispielsweise am Standort Duisburg, bereits mit weniger als 35 Wochenstunden geplant werde. Um langfristig auch für jüngere Arbeitnehmer attraktiv zu sein, ältere Arbeitnehmer im Beruf zu halten und Produktionsschwankungen auszugleichen, ohne Jobs abzubauen, ist aus Sicht der IG Metall eine Diskussion über flexiblere Arbeitszeitmodelle dringend notwendig.

1655 Stahlarbeiter beteiligten sich

Nach Angaben der IG Metall haben sich zum Auftakt Insgesamt 1655 Beschäftigte aus 15 Betrieben an Aktionen und Warnstreiks der Stahlindustrie beteiligt. Die größte Veranstaltung fand demnach um Mitternacht in Salzgitter statt, wo IG Metall-Vorstand Hans-Jürgen Urban sprach: „Wer Fachkräfte halten will, der darf die Menschen nicht kaputt machen. Gesund bis zur Rente, muss die Devise lauten. Wer in Schicht im Stahlwerk schuftet, braucht ausreichend Erholung. Drei Stunden weniger Arbeitszeit sind geboten, auch mit Blick auf den Umbau zu grünem Stahl: Wir wollen, dass auch mit weniger Arbeit eines Tages alle Beschäftigten eine Zukunft in den Stahlwerken haben. Stunden kürzen statt Stellen und Geld, muss es deshalb heißen.“ 8,5 Prozent mehr Lohn und Gehalt machten laut Urban lediglich 0,8 Prozent höhere Kosten aus, seien aber aufgrund der Inflation der vergangenen Monate gerechtfertigt und notwendig.

Die nächsten Warnstreiks sind für Montagmorgen von der IG Metall NRW angekündigt.