Bayer/Monsanto

Bayer: Monsanto sorgt für mehr Gewinn, aber auch mehr Klagen

Bayer erwartet eine turbulente Hauptversammlung.

Bayer erwartet eine turbulente Hauptversammlung.

Foto: Wolfgang Rattay, rtr

Leverkusen.   Vor der Hauptversammlung beschert Monsanto Bayer einen Gewinnsprung. Doch die Glyphosat-Klägerzahl steigt auf 13.400. Baumann in der Kritik.

Klagewelle in den USA, zehntausendfach drohender Schadenersatz wegen des umstrittenen Unkrautmittels Glyphosat, Verfall des Aktienkurses – auf Bayer-Chef Werner Baumann wartet eine ungemütliche Hauptversammlung am Freitag. Er muss sich vor allem für die Rekordübernahme des US-Saatgutriesen Monsanto und deren bisher unabsehbare Folgen für den Konzern rechtfertigen. Vor dem Aktionärstreffen erhielt sowohl Baumann als auch seine Kritikerfront je ein gutes neues Argument.

Baumann kann auf frische Zahlen verweisen, nach denen Monsanto dem Leverkusener Chemie- und Pharmakonzern Umsatz und Gewinn kräftig anschiebt. Im ersten Quartal 2019 sprang der Umsatz vor allem wegen des Zukaufs um 42,4 Prozent auf 13 Milliarden Euro nach oben. Um diesen und weitere Sondereffekte bereinigt betrug das Plus immerhin noch 4,1 Prozent. Auch der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) kletterte um satte 44,6 Prozent auf 4,2 Milliarden Euro. Netto verdiente das Dax-Schwergewicht wegen des laufenden Konzernumbaus mit 1,24 Milliarden Euro ein gutes Drittel weniger als vor Jahresfrist.

Am Tag vor der Hauptversammlung gab Bayer jedoch auch eine weniger ermutigende Zahl im Zusammenhang mit dem 59 Milliarden Euro teuren Neuerwerb in den Staaten bekannt – die Masse der Kläger in den USA ist inzwischen auf 13.400 gestiegen. Das sind 2200 mehr als noch im Januar. Offenbar hat die Niederlage von Monsanto im März vor einem Geschworenengericht weitere mutmaßlich Betroffene ermutigt, ebenfalls vor Gericht um Schadenersatz wegen Gesundheitsschäden nach der Verwendung von Glyphosat zu kämpfen. Das auf Glyphosat basierende Monsanto-Mittel Roundup machte eine Jury in San Francisco mitverantwortlich für die Krebserkrankung des Klägers.

Bayer geht in Berufung und betont unter Verweis auf zahlreiche Studien, Glyphosat sei nicht gesundheitsschädlich. Auch habe die Niederlage in San Francisco „keinen Einfluss auf zukünftige Fälle“, hieß es im März. Das klang freilich nicht viel anders als im vergangenen August nach der ersten Niederlage, die mit 78 Millionen Dollar Schadenersatz dotiert war. Aus Sorge vor weiteren hohen Zahlungen liefen die Anleger seither in Scharen davon.

Die verbliebenen werden Konzernchef Baumann und den Aufsichtsratsvorsitzenden Werner Wenning am Freitag mit kritischen Fragen überziehen und fragen, wie sie diese Krise meistern wollen. Große Investmentfonds haben bereits vorab durchblicken lassen, dass sie gegen eine Entlastung des Managements stimmen wollen.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben