Kaltwalzindustrie

Bilstein-Gruppe in Hagen will 240 Jobs abbauen

Im vergangenen Jahr hat Bilstein am Standort Hohenlimburg noch ein hohere zweistelliger Millionenbetrag in eine neues Walzgerüst samt dazugehöriger Schneidanlagen (Foto) investiert, um – wie in den USA - Breiten von bis zu 1350 Millimeter walzen zu können.

Im vergangenen Jahr hat Bilstein am Standort Hohenlimburg noch ein hohere zweistelliger Millionenbetrag in eine neues Walzgerüst samt dazugehöriger Schneidanlagen (Foto) investiert, um – wie in den USA - Breiten von bis zu 1350 Millimeter walzen zu können.

Foto: Jens Helmecke / WP- Jens Helmecke

Hagen.  Deutschlands zweitgrößtes Kaltwalzunternehmen, die Bilstein Gruppe will 240 Arbeitsplätze abbauen. Kurzarbeit allein reiche nicht mehr aus.

Die Bilstein-Gruppe plant den Abbau von bis zu 240 der rund 1500 Arbeitsplätze am Standort Hagen-Hohenlimburg. Als Gründe nennt das stark vom Automobilbau abhängige Kaltwalzunternehmen die Auswirkungen der Corona-Pandemie mit dem zwischenzeitlichen Stillstand der Autoproduktion sowie die strukturellen Veränderungen in der Branche, weg vom konventionellen Antrieb mit Verbrennungsmotoren.

Bereits Gespräche mit Beschäftigten geführt

Allerdings betrifft der geplante Personalabbau im Wesentlichen nicht die Produktion, sondern die Verwaltung und die Dienstleistungsbereiche der drei deutschen Gesellschaften in Hagen, heißt es vom Unternehmen. Mit der Entscheidung dürfte man sich einigermaßen schwer getan haben. Einen personellen Einschnitt in dieser Größenordnung hat es beim Traditionsunternehmen bisher noch nie gegeben. Dass es personelle Einschnitte beim zweitgrößten deutschen Kaltwalzunternehmen geben würde, hatte sich bereits seit Monaten abgezeichnet. Entsprechend wurden offenbar bereits Gespräche mit Beschäftigten aus dem Verwaltungs- und Dienstleistungsbereich bei Bildstein Service und Hugo Vogelsang geführt. Der Personalabbau soll so sozialverträglich wie möglich durchgeführt werden. Für einen größeren Teil der 240 Beschäftigten stünden sogar bereits konkrete Austrittsdaten zum Beispiel durch Altersteilzeit oder befristete Arbeitsverträge fest.

Keine Werksschließungen beabsichtigt

Die Geschäftsführung um den Geschäftsführenden Gesellschafter Marc T. Oehler werde jetzt umgehend Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern aufnehmen und im Dialog mit den Betriebsräten weitere sozialverträgliche Lösungen suchen, erklärt Bilstein. „Wir werden der langen Tradition unseres Unternehmens so weit wie möglich treu bleiben und niemanden sprichwörtlich im Regen stehen lassen. Es gibt Spielraum, um harte Schnitte zu minimieren, aber natürlich werden die Gespräche teilweise auch schmerzhaft sein. Dessen sind wir uns bewusst und werden hier intensiv den Kontakt zu den Mitarbeitern suchen“, erklärt Bilstein-Chef Oehler.

Der Vermutung, Bilstein überlege wie einige Kunden Werke zu schließen, tritt Oehler entgegen: „Glücklicherweise sind wir nicht gezwungen, über Werkschließungen nachzudenken. Mit dem Instrument der Kurzarbeit konnten wir die massiven Rückgänge der letzten Monate überbrücken“, kommentiert Oehler Gerüchte zu Werkschließungen in Hagen-Hohenlimburg. Aktuell sei die Auftragslage bei Bilstein und Hugo Vogelsang wieder besser, wenn auch weit unter dem normalen Niveau der letzten 10 Jahre.

Weiter Kurzarbeit nutzen

Es sei allerdings derzeit völlig unklar, ob diese positive Entwicklung nicht wieder durch eine erneute Ausweitung der Corona-Pandemie in sich zusammenfalle. Bilstein werde so lange wie möglich auch das Instrument Kurzarbeit weiter einsetzen. Insgesamt sei kaum abzuschätzen, auf welchem Niveau sich die Märkte in den nächsten Jahren wieder einpendelten.

Der aktuell geplante Stellenabbau ist aus Sicht des Bilstein-Chefs Oehler konsequent und notwendig: „Es ist eine logische Fortsetzung unserer Investitions- und Internationalisierungsstrategie der letzten Jahre. In Verbindung mit unseren High-end-Anlagen gerade in Hagen-Hohenlimburg schaffen wir durchschlanke und effiziente Strukturen – gerade auch im Overhead – die Grundlage für den nachhaltigen Erfolg der gesamten Unternehmensgruppe“.

Im vergangenen Jahr hatte Bilstein in Hohenlimburg einen hohen zweistelligen Millionenbetrag in ein hochmodernes, digital gesteuertes Walzgerüst und anschließende Anlagen investiert. Diese Entscheidung fiel noch bevor sich die Krise in der Autobranche gänzlich zeigte.

Vor einem Monat erst hatte das Kaltwalzunternehmen C.D. Wälzholz ebenfalls den Abbau von rund 150 Arbeitsplätzen angekündigt. CDW, ebenfalls mit Sitz in Hagen, ist vor Bilstein das größte deutsche Kaltwalzunternehmen.

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