Börsenhandel

Die Deutsche Börse baut um – Commerzbank steigt aus Dax ab

Foto: Boris Roessler / dpa

Frankfurt/Main  Ab Montag gelten an der Deutschen Börse neue Index-Regeln. Gründungsmitglied Commerzbank muss seinen Platz im Dax für Wirecard räumen.

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Es ist mehr als sinnbildlich: Die klein geschrumpfte und teilverstaatlichte Commerzbank muss aus dem Deutschen Aktienindex Dax absteigen. Und ausgerechnet ein vergleichsweise junges Unternehmen aus der Finanzbranche ersetzt das Gründungsmitglied des wichtigsten Börsenindex: Wirecard.

Seit Jahresbeginn ist der Aktienkurs des Zahlungsabwicklers um mehr als 80 Prozent gestiegen. Und das ist nur die jüngste Börsenrallye des Papiers. In den vergangenen fünf Jahren hat sich der Wert des Unternehmens aus der Nähe von München fast verachtfacht. Commerzbank-Aktien dagegen haben allein in diesem Jahr fast ein Viertel ihres Wertes verloren.

Wirecard überholte sogar die Deutsche Bank

Kriterien, ob und wann ein Unternehmen in einen der Indizes an der Börse aufgenommen wird, gibt es mehrere. In erster Linie spielt der Börsenwert eine Rolle, also der Wert aller im Umlauf befindlichen Aktien.

Der Börsenwert von Wirecard dagegen ist in der Vergangenheit immer weiter gestiegen – und hat nicht zuletzt sogar vor wenigen Wochen den Branchenprimus Deutsche Bank überholt. Außerdem ist die Zahl der frei handelbaren Wertpapiere wichtig. Je mehr Aktien frei handelbar sind, desto einfacher lassen sich fast zu jeder Zeit Käufer und Verkäufer an der Börse finden.

Erste größere Veränderungen seit 15 Jahren

Der Vorteil für Unternehmen, die es – wie nun Wirecard – unter die 30 wichtigsten Deutschlands schaffen: Sie stehen mehr im Rampenlicht. Auch kann ein Aufstieg dem Aktienkurs helfen. Denn Fonds, die Indizes wie den Dax abbilden, müssen die Veränderungen mitmachen, sie müssen entsprechend Aktien eines Absteigers verkaufen und die eines Aufsteigers kaufen. Weil viele so handeln, wird der Kurs des Aufsteigers tendenziell steigen.

Die Ablösung der Commerzbank durch Wirecard im Dax ist die augenscheinlichste Veränderung der wichtigsten Indizes an der Frankfurter Börse. Daneben gibt es in diesem Monat aber auch noch andere Veränderungen, die ersten größeren seit 2003. Sie betreffen vor allem den MDax der mittelgroßen Börsenwerte, den es seit 1996 gibt, und den SDax der kleineren Werte, der seit 1999 ermittelt wird.

Angleichung an Standards internationaler Börsen

Im MDax fanden sich bisher 50 Börsenunternehmen, im SDax waren es ebenfalls noch einmal 50 Firmen. Ab jetzt erhöht sich die Anzahl der MDax-Unternehmen auf 60, im SDax steigt die Zahl sogar auf 70. „Wir haben gemeinsam mit verschiedenen Marktteilnehmern die Planung der Veränderungen in den Indizes über einen längeren Zeitraum abgestimmt“, sagte ein Sprecher der Deutschen Börse zu den Veränderungen.

Dabei war es eines der Ziele, den Markt besser zu präsentieren, mit anderen Worten: Je mehr Börsenunternehmen in einem der betreffenden Indizes, desto besser bilden sie die Landschaft der Börsenunternehmen – und damit auch der deutschen Wirtschaft – ab. Zudem gleichen sich die Indizes mit den Änderungen auch den Standards anderer internationaler Börsen an.

Denn dort ist es oftmals möglich, dass Unternehmen gleichzeitig in Spezialindizes – wie beispielsweise dem Technologie-Index Nasdaq in den USA – und einem der großen allgemeinen Indizes, etwa dem S&P 500, vertreten sind. So wird es künftig auch an der Deutschen Börse gehandhabt.

Mit den Änderungen werden insgesamt 13 der alten Mitglieder des Technologieindex TecDax im MDax zu finden sein: Qiagen, Siemens Healthineers, United Internet, Sartorius, Morphosys, Freenet, Siltronic, Evotec, Telefonica Deutschland, 1&1 Drillisch, Software AG, Nemetschek und Bechtle. Zudem steigt der Immobilienkonzern Alstria in den MDax auf. Und die Commerzbank kommt aus dem Dax hinzu. Insgesamt sind 15 Unternehmen neu im MDax, fünf steigen in den SDax ab.

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