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Digitale Welt: Wie sich mit Metaverse Geld verdienen lässt

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Facebook wird Meta - neue Internet-Welt oder taktisches Manöver?

Facebook wird Meta - neue Internet-Welt oder taktisches Manöver?

Der US-Internetkonzern Facebook heißt künftig Meta. Damit will Konzerngründer Mark Zuckerberg ein sogenanntes Metaversum in den Vordergrund stellen, eine kollektiv nutzbare virtuelle Welt. Kritiker vermuten hinter der Umbenennung ein Manöver, um von den Problemen des Internetriesen abzulenken.

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Berlin.  Facebook-Konzern Meta erlebt starken Aktieneinbruch. Dennoch setzen Unternehmen auf die digitale Welt Metaverse. Was dahinter steckt.

Paris Hilton hat es zu Silvester krachen lassen. Satte Bässe, knallige Outfits, eine hüpfende Menge und viel Glitzer. Während rund um den Globus aufgrund der Corona-Pandemie Silvesterfeiern ins Wasser fielen, folgten zig Fans des It-Girls dem Aufruf zur Party. Und mittendrin die millionenschwere Hotelerbin. Mittendrin, aber nicht hautnah dabei. Denn das 40-jährige US-Model befand sich während des Silvesterabends auf Hochzeitsreise auf den Malediven – und teilte Videos vom Sofa aus.

Die Fanparty fand virtuell statt, in einer digitalen Parallelwelt auf der Spieleplattform „Roblox“. Dort hat Hilton eine „Paris World“ geschaffen, eine Insel, auf der Fans den digitalen Nachbau ihrer Villa in Beverly Hills begutachten, zur digitalen Luxusyacht schwimmen oder Kirmesattraktionen besuchen können, die Hilton anlässlich ihrer Hochzeit mit dem US-Autor Carter Reum errichten ließ. Auch ganz reales Geld konnten Fans ausgeben – für virtuelle Kleidung oder eine Fahrt auf dem digitalen Jetski.

Facebook-Konzern plant digitale Welt Metaverse

Paris Hilton ist kein Einzelfall. Digitale Parallelwelten, sogenannte Metaversen, sind gefragt wie nie – und eine immer lukrativere Einnahmequelle. Die italienische Luxus-Modemarke Gucci verkaufte in der Roblox-Welt eine limitierte virtuelle Version ihrer „Dionysus“-Tasche. Diese wurde für 4115 Dollar (3620 Euro) gehandelt – für 715 Dollar mehr als das physische Original.

Immer mehr Unternehmen und Stars wittern Profit in den digitalen Parallelwelten. Im Sommer 2021 veranstaltete US-Sängerin Ariana Grande eine dreitägige Livetour in der Welt des Online-Spiels „Fort­nite“. Fans konnten virtuelle T-Shirts erstehen. Und als der Sportartikelhersteller Adidas im Dezember eine Kollektion von 30.000 Non-Fungible-Token (NFT, digitale Eigentumszertifikate für virtuelle Objekte) feilbot, waren diese binnen kurzer Zeit vergriffen – und spülten Adidas Coins der Kryptowährung Ether im Wert von mehr als 20 Millionen Euro in die Kasse.

Meta: Warum sich Facebook umbenannt hat

Aber wohl kein zweites Unternehmen setzt so entschlossen auf die Zukunft der virtuellen Welten wie Facebook, das sich Ende Oktober sogar in Meta umbenannt hat. Als Gründer Mark Zuckerberg seine Vision vorstellte, begab er sich in die digitale Parallelwelt. Aus einer virtuellen Villa heraus, beim Kartenspielen aus dem Weltraum und mit schwebender 3D-Graffitikunst, erläuterte der Multimilliardär seine Fantasie: „Wir glauben, dass das Metaverse der Nachfolger des mobilen Internets sein wird.“

Was Zuckerberg verspricht, klingt nach einer Revolution. Im Metaversum kann man sich mit Freunden treffen, mittels virtueller Realität den Büroalltag im Homeoffice nachstellen und mit Kolleginnen und Kollegen interagieren, die weit weg sitzen. Zum Feierabend kann man es sich im virtuellen Zuhause mit See- oder Waldblick gemütlich machen, einen Film streamen oder ein E-Book lesen.

Facebook-Konzern: Mit dem Avatar ins Metaversum

Und natürlich Geld zahlen, wenn man sich sein digitales Zuhause aufhübscht oder der Avatar zum Friseur muss. Mit seinen vernetzten digitalen Räumen stecke das Metaversum „voller Möglichkeiten jenseits der physischen Welt“, sagte Tino Krause, Meta-Deutschlandchef, unserer Redaktion. Für Meta könnte es zudem die Lösung eines Problems sein. Denn der Konzern, der neben Facebook Marken wie Instagram oder Whatsapp beheimatet, ist enorm abhängig von Werbeerlösen.

Und hier erlebte Facebook in dieser Woche eine böse Bruchlandung: Weil Meta kaum neue Nutzer im vergangenen Quartal gewinnen konnte, büßte der Konzert jetzt rund ein Viertel seines Börsenwertes ein – rund 220 Milliarden Dollar lösten sich in Luft auf. Würde es Meta gelingen, die Vorherrschaft in einer digitalen Parallelwelt zu erklimmen, würden sich für Meta einige neue Verkaufskanäle eröffnen.

Microsoft will wie Facebook Milliarden in ein Metaversum investieren

Der weltweit größte Kryptofonds Grayscale Invest schätzt das Umsatzpotenzial virtueller Welten auf eine Billion US-Dollar – und wenn es nach Zuckerberg ginge, wäre Meta dabei eine Art Türsteher. Nur ist Meta nicht alleine. Die Spielewelten „Fortnite“ und „Roblox“ haben bereits bewiesen, dass Nutzerinnen und Nutzer bereit sind, reales Geld für digitale Ausrüstung zu bezahlen. Allein Fortnite bescherte dem US-Unternehmen Epic Games binnen zwei Jahren mehr als neun Milliarden US-Dollar Umsatz. Und es gibt scharfe Konkurrenz: So entwickelt etwa der Chiphersteller Nvidia sein eigenes Metaversum.

Vor allem aber Microsoft setzt zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen mit Meta an. Gerade erst hat der Softwareriese angekündigt, für 70 Milliarden Dollar den Spielehersteller Activision Blizzard schlucken zu wollen. „Videospiele sind die dynamischste und aufregendste Unterhaltungsform und werden eine Schlüsselrolle bei der Entwicklung von Metaverse-Plattformen übernehmen“, erklärte Microsoft-Chef Satya Nadella.

Metaversum: Microsoft-Chef sieht nächste Welle des Internets

Der 54-Jährige sieht das Meta­versum als „nächste Welle des Internets“. Entsprechend offensiv prescht der Konzern vor. Seine Milliardengewinne will Microsoft in Videospiele und den Aufbau des Metaversums investieren. „Das Metaverse bietet eine Chance, die analoge und die digitale Welt zu kombinieren“, sagte Microsoft-Deutschland-Chefin Marianne Janik unserer Redaktion. Zugleich dämpft sie die Erwartungen: „Es ist keine Revolution.“ Ein Avatar werde den persönlichen Kontakt nicht ersetzen können.

Neu ist die Idee der Parallelwelt nicht. Den Begriff des Metaversums prägte erstmals der US-Schriftsteller Neal Stephenson in seinem 1982 erschienenen Buch „Snow Crash“. Anfang der 2000er gab es mit dem Videospiel „Second Life“ bereits den Versuch, eine digitale Parallelwelt zu schaffen. Von den einst 60 Millionen Nutzern ist heute nur noch ein Bruchteil anzutreffen.

Wird es dem Metaverse genauso ergehen? „Technisch sind wir sehr viel weiter als damals“, sagt Sebastian Klöß, Bereichsleiter für Konsumententechnologie sowie virtuelle und erweiterte Realitäten im Digitalbranchenverband Bitkom. Das Metaverse sei eine fast logische Weiterentwicklung des Internets. „Die Mischung von virtuell und real wird weitergehen.“

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