Einzelhandel

Elektronikhändler Conrad nutzt Roboter für den Verkauf

Das Gesicht des neuen humanoiden Verkaufsroboters von Conrad Electronic.

Das Gesicht des neuen humanoiden Verkaufsroboters von Conrad Electronic.

Foto: Christoph Soeder / dpa

Berlin.  Viele Kunden brauchen bei der Auswahl des Elektronikhändlers Conrad wohl fachkundige Hilfe. Die bietet ab jetzt sogar ein Roboter.

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Alex kann freundlich mit seinen großen Kulleraugen blinzeln oder Kunden höflich heranwinken. Beweglich ist der blauweiß verkleidete Roboter auch. Sein rechter Arm greift weit hinter seinem Rücken eine Packung mit Batterien und legt sie auf ein kleines Fließband, das die Akkus zum wartenden Käufer transportiert.

„Alle haben den Roboter am Ende lieb“, sagt der Chef der Elektronik-Handelskette Conrad, Jürgen Groth. Der neue Verkäufer aus Stahl und Chips soll die Berliner fortan rund um die Uhr an sieben Tagen in der Woche mit den nötigsten elektronischen Kleinteilen versorgen. Im Minilager hinter seinem Rücken lagern die Teile, die Verbraucher auch am Abend oder am Wochenende schnell brauchen können: Batterien, Powerbanks, Adapter oder Einwegkameras. Bestellt und bezahlt wird über ein Display.

Groth hätte dafür wohl auch einen einfachen Automaten installieren können. Doch der Familienunternehmer aus dem bayerischen Hirschau will sich als Technologieführer beweisen. „Der Einzelhandel muss sich zurückbesinnen“, sagt er und meint damit dessen Stärken gegenüber dem Geschäft im Internet. Die Waren seien verfügbar, und in den Läden würden Kunden noch von Menschen beraten.

Conrad beschäftigt Roboter in mehreren Filialen

In anderen Filialen der Kette sind auch schon Roboter im Einsatz. Sie weisen den Kunden allerdings lediglich im Laden den Weg zur gesuchten Produktgruppe. Alex hingegen ist schon zum Verkäufer weiterentwickelt worden. Offenkundig nehmen Kunden den Humanoiden mit menschlichen Zügen mittlerweile an.

Zwölf Mimiken kann dieser darstellen, zum Beispiel zwinkern, sich schlafend stellen oder einen leicht verwirrten Gesichtsausdruck aufsetzen. Filialleiter Jochen Mädler betont, dass es hier nicht um den Ersatz von echten Verkäufern gehe. Es werde in den Läden auch künftig immer Ansprechpartner aus Fleisch und Blut geben, sagt Mädler.

Die Brüder und Schwestern von Alex arbeiten in den Autofabriken. Dort setzen sie Schweißpunkte oder heben Karosserieteile auf das Band. Den elektronischen Werksarbeitern fehlt dabei allerdings das fröhliche Grinsen.

Dieser Roboter öffnet Türen und macht Zuschauern Angst
Dieser Roboter öffnet Türen und macht Zuschauern Angst

Aus dieser Branche bringt der Entwickler des Verkaufsbots seine Kenntnisse mit. Roboter-Pionier Matthias Krinke führt die Firma pi4_robotics mit 50 Beschäftigten in Berlin. Die nächsten Schritte bei der Digitalisierung des Einzelhandels hat er schon im Kopf. Im kommenden Jahr sollen „click-and-collect-Einkäufe“ möglich werden. Die Kunden bestellen ihre Waren im Internet, fahren dann zur nächsten Filiale, wo ein Roboter ihnen die gekauften Produkte aushändigt.

Wie könnte die Zukunft von Robotern in Geschäften aussehen?

Über die zukünftige Rolle von Robotern im Einzelhandel hat sich der Ingenieur schon Gedanken gemacht. „Das ist die Wiederbelebung des Tante-Emma-Ladens“, hofft Krinke. Die nächsten Generationen könnten die Kunden mit Namen begrüßen und mit all dem aushelfen, was im Haushalt gerade fehlt. Der große Trend beim Einkauf sei die Personalisierung von Produkten, zum Beispiel beim Schuhkauf. „Einer will ihn rot, der andere blau, der dritte den Namen seiner Tochter aufgedruckt sehen“, erläutert er denkbare Optionen für die Kunden.

„Noch stehen wir am Anfang von künstlicher Intelligenz (KI) im Einzelhandel“, erläutert Stephan Tromp, Chef des Einzelhandelsverbands (HDE). Ein Großteil der Technologien befinde sich noch in der Erprobungsphase. „Vereinfachung, Individualisierung und Beschleunigung werden das Einkaufserlebnis der Kunden bestimmen“, glaubt Tromp. Roboter, die Kunden beraten und den Weg weisen oder den Verbrauchern Kaufempfehlungen geben, gehören zu den Werkzeugen der Zukunft.

Doch Roboter sind nur ein Teil der Zukunft. Mit dem Einsatz der KI im Handel erhofft sich Tromp auch mehr Akzeptanz der Technologien in der Bevölkerung. „Das nimmt Ängste und schafft Verständnis für die Vorteile des technischen Umbruchs“, sagt der Verbandschef. Neben dem Einsatz von Robotern ist es vor allem die Sprachsteuerung, von der er sich eine wachsende Bedeutung im Handel erhofft.

Operiert von einem Roboter: Deutschlands erstes Smart Hospital
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Allerdings warnt Tromp auch vor einer möglichen Marktmacht von Alexa oder Siri, den Spracherkennungssystemen von Amazon und Apple. Diese dürften keine Vorauswahl treffen, wo ein Kunde einkaufen geht, warnt er. Die Politik müsse dafür klare Spielregeln schaffen.

Manche der neuen Technologien in Supermarkt oder Baumarkt werden von Verbraucherschützern genau beobachtet. Denn sie bergen auch die Gefahr, dass Kunden mehr aus der Tasche gezogen wird als nötig. Insbesondere die digitalen Preisschilder könnten solche Sorgen begründen. Die Preise in einem Geschäft werden hier nicht mehr von Hand ausgetauscht, sondern per zentralem Knopfdruck geändert.

Die schlimmste Vorstellung, dass es im Supermarkt Preissprünge gibt wie an den Tankstellen, hat sich allerdings bisher nicht bewahrheitet. Noch kostet das Bier kurz vor einem Länderspiel genauso viel wie am Morgen. „Für die Verbraucher könnte es irgendwann kritischer werden“, glaubt der Sprecher der Verbraucherzentrale Nordrhein-Westfalen, Georg Tryba. Allerdings habe es bisher noch keine Beschwerden gegeben.

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