Hagen/Lünen.

Enervie-Aktien: RWE braucht das Geld

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Hagen/Lünen. RWE braucht Kapital und hat einen konventionellen Kraftwerkspark, der sich aktuell kaum gewinnbringend betreiben lässt. Erst Anfang des Monats hat RWE-Chef Peter Terium daher den ersten Nettoverlust des Energieriesen seit 60 Jahren bekannt geben müssen: – 2,8 Milliarden Euro. Insgesamt braucht RWE wohl um die 7 Milliarden Euro zur Entschuldung, sagen Insider. Enervie hat mit seinen Kraftwerken die gleichen Probleme, ist damit für RWE kaum mehr interessant. Das sind offenbar die Auslöser für die Trennung der beiden Energieunternehmen – ein altes Erfolgsmodell der Zusammenarbeit geht zuende.

Vorkaufsrecht bleibt Theorie

Gestern sind die übrigen Enervie-Aktionäre – neben den Städten Hagen (42,66 %) und Lüdenscheid (24,12 %) weitere acht Kommunen oder städtische Tochtergesellschaften im Märkischen Kreis sowie die Städte Herdecke (EN-Kreis) und Schwerte (Kreis Unna) – offiziell über die Verkaufsabsicht informiert worden; dem Aufsichtsrat waren die RWE-Pläne seit Ende letzten Jahres bekannt. Die Mitaktionäre haben jetzt acht Wochen Zeit, von ihrem Vorkaufsrecht Gebrauch zu machen, um theoretisch Teile des RWE-Pakets zu übernehmen. Theoretisch. Denn ein Kauf setzt das Kapital dafür voraus, das den meisten Kommunen bitter schon an allen anderen Ecken und Kanten fehlt. Allein Plettenberg käme von seiner Finanzkraft noch für einen solchen Aktienkauf in Frage.

„Die Entscheidung darüber ist ein politischer Prozess“, wollte Bürgermeister Klaus Müller gestern auf Nachfrage dem Rat der Vier-Täler-Stadt nicht vorgreifen. Müller stellte allerdings ebenso offen fest: „Ich kann derzeit keine Möglichkeit erkennen, wie weitere Enervie-Anteile für Plettenberg gewinnbringend nutzbar wären.“

Auch aus den Rathäusern in Hagen und Lüdenscheid war eher Zurückhaltung zu hören. „Wir bedauern, RWE als Partner zu verlieren“, dankte Hagens OB Jörg Dehm lieber dem scheidenden Mitaktionär für die „gute Zusammenarbeit“.

Energie als Bei-Produkt

Der potenzielle Neu-Aktionär Remondis mochte sich gestern noch gar nicht äußern. „Marktspekulationen kommentieren wir nicht“, sagte Remondis-Sprecher Michael Schneider auf Nachfrage dieser Zeitung. Wohl auch, weil der Zuschlag noch aussteht und der Verkauf eben noch nicht perfekt ist. Und es nach Informationen dieser Zeitung auch einen zweiten Interessenten gab: die AVU (Aktiengesellschaft für Versorgungsunternehmen), den Strom- und Wasserversorger im südlichen Ennepe-Ruhr-Kreis mit Sitz in Gevelsberg.

So mancher Mitaktionär hätte wohl lieber die AVU als neuen Partner begrüßt: Die Versorgungsgebiete von Enervie und AVU grenzen aneinander und diese direkte Nachbarschaft hätte zu Kooperationsmöglichkeiten genutzt werden können. Jetzt kommt ein Recyclingunternehmen, bei dem Energie bislang als „Bei-Produkt“ anfällt: als Verbrennungswärme bei der Abfallbeseitigung oder als (Bio-)Gas aus Klärschlämmen.

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