Boombranche Spiele-Entwicklung

Entwickler-Branche boomt - Smartphone-Spiele immer beliebter

Ein Screenshot des Smartphone-Spiels „Fluffy“ von GameDuell aus Berlin.

Ein Screenshot des Smartphone-Spiels „Fluffy“ von GameDuell aus Berlin.

Foto: WAZ

Essen.   Bereits 150 Betriebe der Kreativwirtschaft in Deutschland tüfteln Spiele für Handy, Smartphone, Tablet und Computer aus. Sie tragen Namen wie „GameDuell“ oder „Games Factory“ und haben ihren Sitz zumeist in den Metropolen wie Berlin. Auch im Ruhrgebiet lässt sich die Boombranche aufspüren.

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Der Billardtisch und die Tischtennisplatte stehen unbenutzt im ehemaligen TV-Studio von Sat 1 am Berliner Hausvogteiplatz. Statt selbst zu spielen entwickeln die Angestellten von GameDuell in diesem Moment lieber Spiele für andere oder erholen sich auf der eigenen Terrasse in der Sonne von der Arbeit am Computer.

Über mangelnde Angebote ihrer Firma zur Regeneration können sich die 200 Beschäftigten nicht beklagen. „Der Wettbewerb um die wenigen hoch spezialisierten Experten in Technologie, Entwicklung, Game-Design und Marketing ist enorm“, erläutert Sprecher Axel Schmidt die Fürsorge. Weltweit heuert GameDuel­l mittlerweile Experten in Internettechnologien oder kreative Entwickler an.

Mit selbst entwickelten Spielen wie Fluffy oder Klassikern wie Skat wächst das Unternehmen kräftig weiter. Allein in diesem Jahr sollen noch einmal 100 Fachleute eingestellt werden. Die ganze Branche bewegt sich auf einem anhaltenden Wachstumspfad, weil mit der Verbreitung von Smartphones immer häufiger in Wartezimmern oder Bussen zum Zeitvertreib gespielt wird. Die Hersteller verzeichnen dabei einen Trendwechsel. Waren früher aufwendige Fantasy-Spiele in der Rangliste ganz oben, sind es heute leicht zu verstehende und einfache Programme. Die Unterhaltung am PC, Tablet oder Smartphone ist längst keine Männersache mehr. „Bei unseren Casual Arcade Games sehen wir je nach Plattform einen Anteil weiblicher Spieler von 70 bis 80 Prozent“, sagt Schmidt. Die Kunden kommen aus allen Schichten und Altersklassen.

Allein die Deutschen gaben nach Berechnungen des Bundesverbands Interaktive Unterhaltungssoftware (BIU) im vergangenen Jahr fast zwei Milliarden Euro für mehr als 73 Millionen Computerspiele aus. Zwischen den Anbietern hat sich ein heftiger Wettbewerb entwickelt. Branchenkenner erwarten einen weiteren Konzen­trationsprozess, dem vor allem kleinere Entwicklungsfirmen zum Opfer fallen.

Manche Spiele gibt's umsonst, die Extras kosten dann Geld

Das Geld wird mit ganz unterschiedlichen Geschäftsmodellen verdient. Der klassische Vertrieb über den Verkauf einer CD oder den Download im Internet wird durch neue Modelle ergänzt. Der Verkauf von Apps bringt ebenso wie Werbeeinblendungen bei Spielbeginn Geld ein. Groß im Kommen ist die zunächst kostenlose Einstiegsvariante eines Spiels. Zusätzliche Waffen oder andere Hilfen kosten dann kleine Beträge.

Branchenriesen wie GameDuell sind längst weltweit aktiv. Nach eigenen Angaben klicken monatlich 500 Millionen Surfer die Webseite an. 80 Millionen haben sich als Spieler registriert. Der Boom hat längst auch Politiker und Hochschulen auf den Plan gerufen. Denn die Branche schafft hochqualifizierte Jobs. Derzeit geht BIU von rund 10 000 Beschäftigten in 150 Unternehmen aus.

Games-Desgin kann man sogar studieren

Die Berliner Hochschule für Technik und Wirtschaft bietet einen eigenen Studiengang zum Games-Designer an. Für die 40 Plätze pro Semester bewerben sich zehn Mal so viele Interessenten. Die Hauptstadt gilt als eine der Hochburgen des Indus­triezweigs.

Auch im Ruhrgebiet gibt es eine Initiative, die die Spieleentwicklung voranbringen soll. In der Mülheimer Games Factory bekommen sie nicht nur günstige Büros, mit der Game Developement Initiative Ruhr auch tatkräftige Unterstützung beim Anzapfen von Fördertöpfen. „Denn ohne eine solche Unterstützung läuft in Deutschland sehr wenig“, sagt Thomas Müller von der Wirtschaftsförderung Mülheim. „In Deutschland sind Risikokapitalgeber leider immer noch sehr zurückhaltend, was das Thema Games betrifft.“

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