Hartmetall-Hersteller

Essener Traditionsbetrieb Widia droht die Schließung

Ein Widia-Plakat aus den 30er-Jahren: Das Essener Unternehmen hat eine lange Tradition.

Ein Widia-Plakat aus den 30er-Jahren: Das Essener Unternehmen hat eine lange Tradition.

Foto: HO

Der traditionsreiche Essener Hartmetallhersteller Widia steht vor dem Aus. Der US-Mutterkonzern will das Ruhrgebietswerk schließen.

Essen. Dem traditionsreichen Essener Metallhersteller Widia droht die Schließung. Der Betriebsrat sei vom Management darüber informiert worden, dass der amerikanische Mutterkonzern Kennametal die Schließung der Werke in Essen, Lichtenau und Irwin (Pennsylvania) sowie des Logistik-Zentrums in Neunkirchen im Saarland plane, heißt es in einem Flugblatt der Arbeitnehmervertreter. In Essen sind den Angaben zufolge knapp 400 Beschäftigte betroffen, in Lichtenau gehe es um 130 und in Neunkirchen um 90 Mitarbeiter.

„Wir sind von der Entscheidung völlig überrascht worden“, sagte der langjährige Widia-Betriebsratschef Wolfgang Freye am Donnerstag unserer Redaktion. „Die Belegschaft ist heute Mittag informiert worden.“

Noch kein genauer Zeitplan für die Schließung

Ein Zeitplan für die Schließung sei dem Betriebsrat vom Management auch auf Nachfrage nicht genannt worden. Einer Pressemitteilung des US-Mutterkonzerns für den Börsenplatz Wallstreet sei jedoch zu entnehmen, dass der Betrieb in Essen noch in diesem Geschäftsjahr eingestellt werden sollte, also bis Juni 2020.

Das Widia-Werk in Essen gehörte einst zum Stahlkonzern Krupp. Das Unternehmen Widia („Wie Diamanten“) ist auf die Herstellung von Hartmetall spezialisiert. Die Basis ist ein Patent aus dem Jahr 1927. Derzeit stellt Widia sogenannte Wendeschneidplatten zum Fräsen her. Die Produkte kommen unter anderem in der Automobilindustrie zum Einsatz.

Verlagerung zu Niedriglohn-Standorten im Gespräch

Nach Angaben des Betriebsrats plant der Mutterkonzern, die Produktion in Niedriglohnwerke im chinesischen Tianjing sowie ins US-amerikanische Solon zu verlagern.

„Wir werden für den Erhalt des Werks kämpfen“, kündigte der neue Widia-Betriebsratsvorsitzende Peter Wunderlich an. Er ist erst seit wenigen Tagen Freyes Nachfolger. Dem Kennametal-Konzern gehe es gut, betonte er. Sowohl die Umsätze als auch die Gewinne seien im gerade beendeten Geschäftsjahr weiter gestiegen. „Auch das Werk Essen läuft gut.“ Der Standort habe sich in den vergangenen Jahren im Konzern „eine Spitzenstellung als Problemlöser in der Schneidkörperfertigung“ erarbeitet.

„Entscheidung ist am Schreibtisch in den USA gefallen“

„Die Entscheidung ist am Schreibtisch in den USA gefallen“, sagte Freye. „Unsere Produkte zu verlagern, halten wir für völlig unmöglich.“ Bei den in Essen und Lichtenau gefertigten Produkten handele es sich um hochkomplexe Werkzeuge, in deren Fertigung jahrelange Erfahrung einfließe.

„Der Betriebsrat akzeptiert die Planungen zur Schließung des Werkes und zur Verlagerung der Produktion nicht und wird sie nicht kampflos hinnehmen“, heißt es im Flugblatt des Betriebsrats. Es gehe um die berufliche „Existenz von mehreren hundert Menschen“.

Widia gehört zu den letzten Traditionswerken der Metallindustrie in Essen. „Es kann nicht angehen, dass die 92-jährige Geschichte der Hartmetall-Produktion in Essen durch eine Entscheidung von Managern beendet wird, die wahrscheinlich kaum wissen, wo Essen liegt“, mahnte der Betriebsrat. „Wir sind gegen Entlassungen und Werksschließungen von gesunden Produktionsstätten, die nur dazu dienen, Profite und Aktienkurse nach oben zu treiben.“

Die Betriebsräte rechneten damit, in der kommenden Woche über die Konzepte der Unternehmensleitung näher informiert zu werden. Ziel der Arbeitnehmervertreter sei es, ein Alternativkonzept zu erarbeiten, um die Konzernleitung vom Erhalt des Essener Werks zu überzeugen.

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