Logistik

Europaletten sind knapp und teuer

Jürgen Rademacher, Geschäftsführer des gleichnamigen Arnsberger Palettenherstellers, sieht Engpässe aufgrund hoher Nachfrage aus der boomenden Wirtschaft und immer knapper werdender Holzangebote in Europa.

Foto: Rademacher

Jürgen Rademacher, Geschäftsführer des gleichnamigen Arnsberger Palettenherstellers, sieht Engpässe aufgrund hoher Nachfrage aus der boomenden Wirtschaft und immer knapper werdender Holzangebote in Europa. Foto: Rademacher

Arnsberg.   Auf Europaletten lastet ein großer Teil des Warenverkehrs. Doch die hölzernen Gestelle werden selten. Das liegt nicht nur am teuren Holz.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Transportpaletten für die Wirtschaft werden langsam knapp. Die gute wirtschaftliche Lage, der andauernde Exportboom und der knapper werdende Rohstoff Holz führen zu Engpässen. „Ausverkauft sind wir noch nicht“, sagt Jürgen Rademacher, Chef des mittelständischen Unternehmens Rademacher Paletten mit Sitz in Arnsberg.

Bereits im Herbst letzten Jahres habe man in Arnsberg die Entwicklung kommen sehen und reagiert. „Die starke Nachfrage fangen wir mit Zusatzschichten ab. Und wir haben gehamstert.“

Chinesen kaufen Osteuropa leer

Allerdings werde sich die Lage am Markt „in den nächsten sechs bis acht Wochen dramatisch verschärfen“, vermutet der Unternehmer, der Mitglied im Vorstand des Bundesverbandes HPE ist. Den Grund sieht Rademacher darin, das geeignetes Holz immer knapper werde.

Im Hinblick auf Südwestfalen liege das auch an der Witterung. Es fehle der Frost, so dass derzeit kaum Holz aus dem Wald geholt werden könne und auch aktuell wenig geschlagen würde. „Ein riesen Problem.“

Zum zweiten gebe es weltwirtschaftlich Verschiebungen auf dem Holzmarkt. Die Kanadier verkauften derzeit Bauholz überwiegend in die USA statt nach China. Die Chinesen wiederum bedienten sich in Osteuropa, wo auch heimische Palettenproduzenten einkaufen.

Zudem gebe es beispielsweise große Holzbauprojekte in Russland. Alles in allem führt auch die gesteigerte Nachfrage zu gestiegenen Holz- und damit auch Palettenpreisen. Neun euro, rund zehn Prozent mehr als vor einem Jahr kostet eine Europalette heute.

Dass die „Euros“ seit ein, zwei Jahren auch als Baumaterial für Terrassenmöbel schwer in Mode gekommen sind, spiele bei dem derzeitigen Engpass weniger eine Rolle. In Europa werden jährlich rund 80 Millionen Europaletten angefertigt, in Arnsberg sind es täglich 8 000 bis 9 000 Stück.

Rademacher spürt die Nachfrage deutlich. Offenbar haben Mitbewerber weniger vorgesorgt, so dass er eine Reihe neuer Kunden gewinnen könnte. „Das machen wir nicht, damit wir unsere Stammkunden aus dem südwestfälischen Mittelstand weiter bedienen können.“

Kunden mit Verständnis

Dass die Palettenpreise bei dieser Entwicklung gestiegen sind, nehmen die Kunden offenbar hin. „Die meisten haben Verständnis“, ist Wolfgang Schultes Erfahrung. Der Geschäftsführende Gesellschafter der Hubert Schulte GmbH in Sundern-Hellefeld. „Der Markt ist gerade bei Europaletten und Einwegpaletten leergefegt“, ist Schultes Erfahrung.

Die Hellefelder stellen aber überwiegend Spezialanfertigungen her, so dass das Kerngeschäft nicht betroffen ist. Beim Holzeinkauf setzt Schulte auf gute Verbindungen in die Sägewerke in Skandinavien und Russland, wo langsam gewachsenes Nadelholz eingekauft wird, „aber auch auf Betriebe um die Ecke im Sauerland“.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Auch interessant
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben
    Aus der Rubrik