Konjunktur in

Exportkrise der Industrie in Westfalen-Mitte

Die Exporte sind Laut Konjunkturumfrage des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte bei vielen Firmen eingebrochen.

Die Exporte sind Laut Konjunkturumfrage des Unternehmensverbandes Westfalen-Mitte bei vielen Firmen eingebrochen.

Foto: Christian Charisius / dpa

Arnsberg.  Der Unternehmensverband Westfalen-Mitte präsentiert alarmierende Ergebnisse einer aktuellen Konjunkturumfrage.

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Egbert Neuhaus will die Situation um Himmels Willen nicht mit der Krise 2008/2009 vergleichen. Aber die Zahlen der jüngsten Konjunkturumfrage im Unternehmensverband Westfalen-Mitte (UVWM) sind für den Vorsitzenden des Industrieverbandes glasklar: Für weite Teile der Industrie im Hochsauerland und den Kreisen Soest und Unna und hat sich die Lage im Vergleich zum Vorjahr mächtig eingetrübt.

38 Prozent der Unternehmen, die an der Umfrage teilnahmen, beurteilen ihre Geschäftslage als schlecht! Fast die Hälfte der Befragten beurteilt die aktuelle Auftragslage aus dem Ausland ebenfalls als schlecht. „Das ist ein krasser Wert“, urteilt Egbert Neuhaus mit Blick auf das Vorjahr. Da waren gerade einmal fünf Prozent nicht zufrieden.

Zurückzuführen sei dieser Absturz zum einen auf insgesamt nachlassende Dynamik sowie Handelshemmnisse wie den von den USA befeuerten Zollstreit und den Brexit. Aber das sei nicht alles: Hinzu kämen strukturelle Probleme in der Automobilbranche, die sich auf die ausgeprägte Zuliefererindustrie in der Region auswirkten. „Automotive ist besonders betroffen. Da werden auch Arbeitsplätze wegfallen. Insgesamt ist es eine unheilvolle Gemengelage“, findet Neuhaus. Aber noch einmal: Mit der Krise der Jahre 2008/2009 sei die aktuelle Situation nicht zu vergleichen, auch wenn bereits zahlreiche Betriebe Kurzarbeit eingeführt hätten.

Laut Umfrageergebnis hat es in den vergangenen sechs Monaten bereits Arbeitsplatzabbau gegeben, größtenteils seien befristete Arbeitsverhältnisse nicht verlängert worden. Mehr als jedes fünfte Unternehmen plane aktuell in der ersten Jahreshälfte Personal zu reduzieren, obwohl die Fachkräftesicherung eines der zentralen Themen in Südwestfalen ist, weil der demografische Wandel sich hier von allen Landesteilen in Nordrhein-Westfalen bereits am stärksten bemerkbar macht.

Mit Blick auf die im Frühjahr beginnenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie sei es aus Verbandssicht deshalb notwendig, Elemente der Beschäftigungssicherung zu verhandeln.

Schwierige Tarifrunde

Ein Abschluss wie vor zwei Jahren werde von vielen Unternehmern nicht noch einmal akzeptiert werden. „Wir haben uns 2018 erpressbar gemacht“, blickt Verbandsgeschäftsführer Volker Verch zurück. Wenn es erneut einen unsensiblen Abschluss gebe, dürften einige Unternehmen aus der Tarifbindung aussteigen.

Gerade kleinere und mittelgroße Betriebe hatten erhebliche Probleme mit den Ansprüchen ihrer Belegschaft, die sie aus dem Tarifabschluss ableiteten – vom sogenannten „T-Zug“-Modell. Ein tarifliches Zusatzgeld mit einer Freizeit-Variante. Schichtarbeitern sollte es ermöglichen, statt des Geldes freie Tage zu nehmen, um Kinder zu betreuen oder Angehörige zu pflegen.

Eine sichere Prognose, wie sich das Jahr 2020 unabhängig von den Tarifverhandlungen für die Unternehmen entwickeln wird, mag der Industrieverbandsvorsitzende nicht abgeben. Allerdings bekräftigt Neuhaus die Forderung an die Bundesregierung, sich von der sklavischen Umklammerung der „Schwarzen Null“ zu verabschieden und öffentliche Investitionen in Milliardenhöhe auf den Weg zu bringen. Der Unternehmer spielt auf den Vorschlag des Instituts der Deutschen Wirtschaft an, das, ähnlich wie der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB), einen Investitionsfonds in Höhe von 450 Milliarden Euro auf zehn Jahre vorschlägt. „Wenn die Große Koalition noch eines wirklich leisten könnte, dann die Vereinfachung der Genehmigung von Projekten zur Modernisierung der Infrastruktur“, fordert Neuhaus. Das angesprochene Investitionsprogramm könnte nach IW-Berechnungen wie ein Konjunkturprogramm wirken – dafür wäre jetzt kein schlechter Zeitpunkt.

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