Wirtschaftsförderer

Flughafen Dortmund soll per Schiene näher ans Ruhrgebiet

Der Dortmunder Flughafen soll verkehrlich besser an das Ruhrgebiet angebunden werden, schlagen die Wirtschaftsförderer vor.

Der Dortmunder Flughafen soll verkehrlich besser an das Ruhrgebiet angebunden werden, schlagen die Wirtschaftsförderer vor.

Foto: Hans Blossey

Essen.  Wirtschaftsförderer des Reviers fordern von der Ruhrkonferenz Hilfe bei der Brachflächen-Sanierung und der Anbindung des Flughafens Dortmund.

Sie haben lange gerungen und gefeilt: Mit sechs Kernforderungen gehen die 15 Wirtschaftsförderungsgesellschaften des Ruhrgebiets nun in die laufenden Gespräche der von der Landesregierung ins Leben gerufenen Ruhrkonferenz. Stellvertretend für die gesamte Region schlagen sie ein regionales Nutzungskonzept für die 15 weitgehend wegfallenden Steinkohle-Kraftwerksstandorte vor, wollen die rund 30 Technologie- und Gründerzentren im Revier modernisieren und den Flughafen Dortmund über die Schiene stärker an das westliche Ruhrgebiet anbinden.

„Bei Themen, in denen wir Expertise haben, machen wir Angebote und Vorschläge. Jetzt muss das Land über unsere Ideen befinden“, sagt Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Business Metropole Ruhr GmbH (BMR). „Die Ruhrkonferenz ist eine Form der politischen Steuerung. Die Landesregierung spricht mit dem Ruhrgebiet und beteiligt es. Das begrüßen wir.“

Dass sich die Wirtschaftsförderer vor allem bei der Bereitstellung von Gewerbeflächen Unterstützung des Landes erhoffen, verwundert nicht. Nach Berechnungen der BMR reichen die Vorräte nur noch fünf Jahre, um Revierfirmen die Expansion zu ermöglichen und neue Unternehmen in die Region zu locken. „Wir haben eine zigfache Überbuchung für viele attraktive Flächen. Wir können Investoren-Anfragen vor allem im Kern-Ruhrgebiet oft nicht mehr bedienen“, stellt Geschäftsführer Beck fest. Da Altlasten eine kurzfristige Nutzung vieler Industriebrachen unmöglich machen, rufen die Wirtschaftsförderer nach Unterstützung von EU, Bund und Land NRW. „Eine Sanierung der Flächen mit Altlasten ist allein durch Marktkräfte nicht zu stemmen. Die Kosten übersteigen die möglichen Erträge“, sagt Beck.

Eine spürbare Entschärfung der Flächennot erhoffen sich die Städte durch die Umnutzung von 15 Standorten, auf denen derzeit noch Steinkohlekraftwerke stehen. Sie sollen bis spätestens 2038 stillgelegt sein. Auch wenn sich Betreiber wie Steag und RWE dazu entschließen sollten, an einigen Standorten emissionsärmere Gaskraftwerke zu bauen, benötigten sie dafür „nur einen Bruchteil“ der bisherigen Flächen, heißt es in dem Papier der Wirtschaftsförderer. Sie beziffern das durch die Energiewende frei werdende Potenzial auf rund 900 Hektar. Sie schlagen vor, Eigentümer, Kommune, Region, Land und Bund an einen Tisch zu holen, um „Nachnutzungskonzepte“ zu erarbeiten. Auch ein „Erwerb des Eigentums an den Flächen“ steht im Raum. Aufgrund des „massiven Handlungsdrucks“ sollen die Arbeiten schon im zweiten Halbjahr beginnen.

Um andere Industriebrachen wieder mit Leben zu füllen, regen die Wirtschaftsförderer die Gründung eines Ankaufs- und Entwicklungsfonds für Kommunen und kommunale Entwicklungsgesellschaften an. Ihm sollen pro Jahr 100 Millionen Euro zur Verfügung stehen, um 100 Hektar Fläche zu revitalisieren. Über den Fonds, dessen Start für Anfang 2020 geplant ist, sollen auch Revierstädte, die sich in der Haushaltssicherung befinden, in die Lage versetzt werden, Eigentum an Brachen zu erwerben. Auf diese Weise, rechnen die Wirtschaftsförderer, könnten in den nächsten zehn bis 15 Jahren 1000 Hektar zusätzliche Gewerbeflächen an den Markt gebracht werden.

Mega-Thema Mobilität

Die Wirtschaftsförderer planen, bei der Ruhrkonferenz aber auch das Mega-Thema Mobilität in den Fokus nehmen. Ihr Ziel: Sie wollen den Flughafen Dortmund, der sich zuletzt auf einem wirtschaftlichen Erholungskurs befand, über die Schiene mit dem westlichen Ruhrgebiet verbinden und so die Erreichbarkeit des Airports im östlichen Revier verbessern. Eine Machbarkeitsstudie, deren Kosten auf rund 250.000 Euro geschätzt werden, soll die Wirtschaftlichkeit der geplanten Strecke untersuchen und Vorschläge für Finanzierungs- und Fördermodelle machen. Auch ein Hochbahn-Verkehr sei denkbar. Ergebnisse der Studie sollen schon im kommenden Jahr vorliegen. Der Flughafen Dortmund bedient 41 Ziele in 15 Ländern. Von ihm hängen nach Angaben der Wirtschaftsförderer 4600 Arbeitsplätze ab.

Modernisierung der 30 Technologiezentren

Unter der Überschrift „Innovationszentren Ruhr 2.0“ sollen die rund 30 Technologie- und Gründerzentren im Ruhrgebiet neue Impulse erhalten. Durch Investitionen in Köpfe und Infrastruktur wollen die Wirtschaftsförderer das Innovationstempo in der Region beschleunigen. Davon profitieren sollen Start-ups und mittelständische Unternehmen. Den Wirtschaftsförderern schwebt vor, dass sich die Technologiezentren in den Städten stärker spezialisieren. Auf der Agenda stehen aber auch die bauliche Ertüchtigung und die Verbesserung der digitalen Infrastruktur. Rasmus C. Beck, Geschäftsführer der Business Metropole Ruhr: „Die Technologie- und Gründerzentren im Ruhrgebiet sind alle voll vermietet. Es gibt aber oft kein differenziertes Profil. Wir wollen sie modernisieren und spezialisieren. Dadurch könnten sie eine noch größere Rolle spielen.“

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