Grohe verlegt Zentrale nach Düsseldorf

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Hemer/Düsseldorf. Die Geschäfte des Armaturenherstellers Grohe werden künftig aus Düsseldorf geführt, aber weiter am Stammsitz Hemer verwaltet. Vorstandschef Haines kündigte gestern für Januar 2008 den Umzug der Unternehmenszentrale in die Landeshauptstad

Rund 50 Mitarbeiter, inklusive Vorstand, werden am Rhein das "weltweite Hauptquartier" von Grohe bilden, teilte Haines mit. Standortalternativen würden derzeit geprüft. Der Ortswechsel von Hemer in die "tolle, attraktive und lebenswerte Stadt" Düsseldorf soll nach Haines' Worten die "Attraktivität für internationale Management-Talente" erhöhen. Ein Umzug steht auch mehreren hundert Mitarbeitern der Grohe-Verwaltung bevor, die bisher auf vier Standorte in Menden und zwei Hemer verteilt ist.

Um die Wege zu verkürzen und die Effizienz zu steigern, sollen ihre Aufgaben Anfang 2008 am bisherigen Hauptsitz in Hemer zentralisiert werden, erklärte Haines, der Grohe dann aus einem rund 90 Kilometer entfernten Büro leiten wird. "Eine gute Nachricht für Düsseldorf, für unsere zukünftige Talent-Rekrutierung und für den Standort Hemer", sagte der Manager und befand: "Alle haben hiermit gewonnen."

"Sehr, sehr zufrieden" zeigte sich Haines mit der wirtschaftlichen Entwicklung von Grohe. Der Umsatz legte 2006 um 12 Prozent auf gut 939,2 Millionen Euro zu, wobei sich auch das operative Ergebnis um 11 Prozent auf 171,2 Mio. Euro (vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen) verbesserte, wie der Vorstandschef berichtete. Unterm Strich schreibt Grohe aber weiter rote Zahlen, wie Haines einräumte, ohne diese zu beziffern oder näher zu erklären. Die Eigentümer Texas Pacific und Credit Suisse kassieren zwar keine Dividende, inwieweit Grohe aber womöglich noch Lasten aus der Übernahme durch die Finanzinvestoren tragen muss, blieb unklar.

Sogar in Deutschland seien die Erlöse nach siebenjähriger Flaute wieder deutlich (+6 Prozent) gestiegen, so Haines. Der Trend kräftigen profitablen Wachstums setzte sich bei Grohe auch im 1. Quartal fort. Und das trotz Preiserhöhungen nach der Explosion der Rohstoffkosten (Messing), wie Haines betonte. "Wir haben eine sehr gesunde Wachstumsbasis in allen Regionen und Produktbereichen. Dem Unternehmen geht's gut", bilanzierte Haines.

Mit unverhohlener Genugtuung zitierte er aus einem Gutachten des Bundesfinanzministeriums, in dem Grohe als "Beispiel für erfolgreiche Restrukturierung eines mittelständischen Unternehmens" genannt und dem Management bescheinigt wird, "nachhaltig Werte geschaffen zu haben". Vor zwei Jahren noch hatte die Grohe-Spitze mit einer Entlassungswelle in Deutschland breite öffentliche Empörung ausgelöst und in der "Heuschrecken"-Debatte Schlagzeilen gemacht. Kurz nach der Übernahme durch die Texas Pacific und Credit Suisse, beschloss der damals neue Vorstandschef Haines, die plötzlich festgestellte Schieflage bei Grohe mit Produktionsverlagerungen ins Ausland zu lösen. 743 Mitarbeitern wurde am Ende gekündigt. Vergangenheit, so Haines: "Die Restrukturierung ist abgeschlossen."

Weitgehend jedenfalls: So soll die Zahl der Zulieferer - bereits von 7500 auf 3000 mehr als halbiert - weiter auf 1000 gesenkt weden. Zudem werden die deutschen Werke in Hemer, Lahr und Porta-Westfalica bis Ende 2008 für 25 Mio. Euro modernisiert, um die Produktivität zu verbessern, kündigte Haines an. Der Weg vom Rohstoff zur fertigen Armatur solle von 14 auf 3 bis 4 Tage verkürzt werden. "Lean" (schlank) ist ein Lieblingswort des Briten Haines: Schlanke Strukturen in allen Bereichen sind sein Ziel für Grohe. Als Vorbild dient ihm der Autobauer Toyota.

Grohe beschäftigte zuletzt weltweit 5200 Mitarbeiter, davon 3200 in Deutschland.

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