Bahn-Verkehr

Hochwasser in NRW: Nie wurde die Bahn-Struktur so zerstört

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Zurzeit kein Bahnverkehr möglich: Die Hochwasser-Katastrophe in Teilen NRWs und von Rheinland-Pfalz hat mehrere Bahnstrecken verwüstet. Das Foto zeigt eine Bahnstrecke bei Kall in der Eifel, Zwischen Essen und Wuppertal wurde eine S-Bahnstrecke ebenso schwer beschädigt.

Zurzeit kein Bahnverkehr möglich: Die Hochwasser-Katastrophe in Teilen NRWs und von Rheinland-Pfalz hat mehrere Bahnstrecken verwüstet. Das Foto zeigt eine Bahnstrecke bei Kall in der Eifel, Zwischen Essen und Wuppertal wurde eine S-Bahnstrecke ebenso schwer beschädigt.

Foto: Deutsche Bahn AG / DB AG

Düsseldorf.  Das Hochwasser in NRW hat auch die Bahn-Struktur hart getroffen. 50 Brücken und 180 Bahnübergänge sind durch das Unwetter beschädigt worden.

Das Hochwasser in NRW und Rheinland-Pfalz hat die Bahn massiv getroffen: „In dieser Dimension wurde unsere Infrastruktur noch nie auf einen Schlag zerstört", sagte DB Netz-Vorstand Dr. Volker Hentschel nun bei in einer ersten Bilanz. "Wir stehen vor einem gewaltigen Kraftakt.“ Besonders gravierend sind die Schäden an über 50 Brücken. Außerdem haben die Wasserfluten Stationen und Haltepunkte sowie die Technik stark in Mitleidenschaft gezogen: 180 Bahnübergänge, knapp 40 Stellwerke, mehr als 1.000 Oberleitungs- und Signalmasten, Energieanlagen sowie Aufzüge und Beleuchtungsanlagen in den Bahnhöfen sind betroffen.

Seit Freitagnachmittag allerdings können Bahnfahrer zwischen Köln und Düsseldorf alle ICE- und IC-Züge mit Nahverkehrstickets nutzen. Die Freigabe gilt bis einschließlich 5. August, wie der Zweckverband Nahverkehr Rheinland (NVR) am Freitag in Köln mitteilte.

Schäden von über 1,3 Milliarden Euro

Etwa eine Woche nach den schweren Unwettern in NRW und Rheinland-Pfalz wird das Ausmaß der Schäden an der Infrastruktur allemählich klare: Hang- und Dammrutsche aber auch Gleisunter- und -überspülungen haben zu massiven Zerstörungen geführt. „Nach erster Einschätzung gehen wir davon aus, dass die Wassermassen in unserem Netz und an den Bahnhöfen Schäden von rund 1,3 Milliarden Euro verursacht haben“, so Hentschel weiter. Die DB arbeite mit Hochdruck daran, möglichst viele Strecken wieder befahrbar zu machen.

Die Arbeiten folgten dabei einem klaren Prinzip: Schnell zu realisierende Reparaturen und Baumaßnahmen mit hohem Nutzen für die Fahrgäste und den Bahnverkehr haben Priorität, so Hentschel. Die Teams der Bahn arbeiteten dabei faktisch rund um die Uhr. Ziel sei es, etwa 80 Prozent der beschädigten Infrastruktur bis Jahresende wieder auf Vordermann zu bringen. Einige Strecken seien aber weiterhin überschwemmt oder komplett verschwunden. "Dies alles wieder herzurichten wird Monate, wenn nicht Jahre dauern“, so Hentschel

Für Strecken und Anlagen, die von den Wassermassen völlig zerstört wurden, sei ein längerer Planungs- und Bauzeitraum erforderlich. Gemeinsam mit Gemeinden, Wissenschaftlern, Ländern und dem Bund müssten mitunter völlig neue Verkehrskonzepte unter Berücksichtigung der jeweiligen landschaftlichen Gegebenheiten und der erwartbaren weiteren klimatischen Veränderungen entwickelt werden.

Unwetter in NRW: Sieben regionale Bahnstrecken sind gesperrt

Gut 600 Kilometer Strecke in den Hochwassergebieten von Ahr bis ins Sauerland sind schwer beschädigt. Auf der Ahrtal-Bahn in Rheinland-Pfalz rissen die Fluten sieben Brücken ab, auf 24 Kilometern wurden Gleise weggespült, berichtet die Bahnsprecherin. Und auf der Linie S9 zwischen Essen und Wuppertal müssen auf zehn Kilometern Strecke nicht nur Gleise ersetzt werden, sondern der gesamte Unterbau samt Leitungen und Kabeln. Eine Fotostrecke finden Sie hier.

Auf bisher nicht absehbare Zeit sind daher mehrere Regionalzugstrecken gesperrt, berichtet die Bahn:

  • Eschweiler - Stolberg
  • Essen - Hattingen
  • Essen - Wuppertal
  • Hagen - Lüdenscheid
  • Geilenkirchen - Aachen
  • Erftstadt - Bad Münstereifel
  • Remagen - Ahrweiler

Zudem kommt es zu Verspätungen und Halt- oder Zugausfällen in den Bereichen Bochum/Dortmund, Wuppertal, Hagen, im Bereich Solingen/Opladen und im Raum Bonn, berichtet die Bahn. Dort seien „erste Reparaturen erfolgt“, teilt das Unternehmen mit. Weitere Arbeiten seien jedoch nötig. Kurzfristig aber könne es zu Sperrungen kommen. Zudem gebe es reichlich Stellen, in denen Züge langsam fahren müssen und damit nicht mehr den Fahrplan einhalten können.

Verspätungen wegen Hochwasserschäden? VRR lenkt bei Strafzahlungen ein

Die Störung auf der Haupt-Verbindung zwischen Aachen und Köln - die unter anderem den RE 1 (RRX) zwischen Aachen und Hamm betrifft - werde laut Bahn noch mindestens mehrere Wochen bestehen, ebenso auf der Verbindung zwischen Aachen und Mönchengladbach und zwischen Bochum und Hattingen. Viele der Schäden würden „behelfsmäßig repariert“, damit Züge wenigstens wieder fahren können, erklärte die Sprecherin.

Statt Zügen fahren auf vielen der gesperrten Strecken Busse als Ersatz. Aber auch viele Straßen und Straßenbrücken sind nach dem Hochwasser derzeit unpassierbar.

Beim Verkehrsverbund Rhein-Ruhr (VRR) macht man Bahnunternehmen Druck, Fahrgästen trotz allem ein möglichst gutes Angebot zu machen: „Nicht erbrachte Verkehrsleistungen (werden; Red) aus den jeweiligen vertraglichen Regelungen in den Verkehrsverträgen heraus pönalisiert“ - das heißt, Bahnunternehmen müssen dem VRR Strafe zahlen, wenn ihr Angebot zu schlecht ist. Doch der VRR deutet an, hier nicht in voller Härte zu agieren: „Bei den Pünktlichkeitsquoten und Verspätungsregelungen werden wir auch abweichend von den Verträgen agieren“, sagt eine Sprecherin auf Nachfragen. Dies bedeute, „ein Zug, der Verspätungen hatte, aber das Angebot in dieser Situation teilweise für die Fahrgäste aufrecht erhalten hat, wird nicht pönalisiert.“

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