Metall-Tarifrunde

IG Metall setzt in der Corona-Krise auf die Vier-Tage-Woche

In der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie steht für die IG Metall das Thema Beschäftigungssicherung ganz oben auf der Tagesordnung.

In der Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie steht für die IG Metall das Thema Beschäftigungssicherung ganz oben auf der Tagesordnung.

Foto: Jens Büttner / dpa

Düsseldorf.  In der Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie steht das Thema Job-Sicherung im Fokus. Die IG Metall NRW fordert dafür eine Vier-Tage-Woche.

Die IG Metall will mit der Forderung nach einer Vier-Tage-Woche in die aktuelle Tarifrunde der Metall- und Elektroindustrie gehen. Damit wolle die Gewerkschaft Arbeitsplätze in der Corona-Krise sichern, sagte der Bezirksleiter der IG Metall in NRW, Knut Giesler. „Das Thema Beschäftigungssicherung steht für uns ganz oben auf der Tagesordnung“, betonte Giesler im Gespräch mit unserer Redaktion. Auf eine klassische Entgelt-Forderung mit dem Ruf nach einer prozentualen Steigerung verzichtete die Gewerkschaft zunächst.

Mit dem von der IG Metall angestrebten Modell könnten Betriebe in angespannter Lage die Arbeitszeit auf 32 Stunden in der Woche verkürzen – verteilt auf vier Tage. Derzeit gilt in der Branche die 35-Stunden-Woche. Wenn lediglich Teile eines Betriebs von Stellenabbau bedroht sind, sollte es nach Einschätzung der IG Metall auch möglich sein, die Arbeitszeit nur in diesen Bereichen zu verkürzen.

Die Lohneinbußen angesichts einer kürzeren Arbeitszeit sollten teilweise ausgeglichen werden, erklärte Giesler nach Gesprächen der Tarifkommission für die Metall- und Elektroindustrie in NRW. Er warnte vor einer Schwächung der Binnenkonjunktur und einer „Abwärtsspirale“, sollten die Gehälter flächendeckend und dauerhaft abgesenkt werden.

Branche mit großen Arbeitgebern wie Siemens, MAN, Ford und Daimler

In der Metall- und Elektroindustrie sind Gewerkschaftsangaben zufolge rund 700.000 Menschen in NRW beschäftigt, bundesweit rund vier Millionen. Neben vielen Mittelständlern gehören Konzerne wie Siemens, MAN, Miele, Thyssenkrupp Elevator, der Autozulieferer Hella sowie Ford in Köln und Daimler in Düsseldorf zu den großen Arbeitgebern der Branche.

Die Situation in den Betrieben sei unterschiedlich, berichtete Giesler. Daher plädiere die IG Metall für ein „Optionsmodell“, das den Betrieben mit der Möglichkeit der Vier-Tage-Woche Flexibilität bringe. Giesler spricht von einer „Brücke in die Zukunft“, die zusätzlich zum Instrument der Kurzarbeit erforderlich sei, um Jobs zu sichern. „Viel teurer wäre es, die Menschen zu entlassen und später wieder Beschäftigte einzustellen“, mahnte Giesler.

Es gebe Betriebe, „in denen es nach wie vor gut läuft“. Hier strebe die IG Metall eine Entgeltentwicklung an, mit der die Kaufkraft gestärkt und die Binnenkonjunktur belebt werde. An anderer Stelle müsse das Geld hingegen eingesetzt werden, um einen „Teilentgeltausgleich“ für die Vier-Tage-Woche zu finanzieren.

IG Metall spricht von Beitrag zur Krisenbewältigung

Die Gewerkschaft wolle erreichen, dass die Tarifrunde nicht nur einen Beitrag zur Krisenbewältigung leiste, sondern auch die Transformation in der Branche absichere. „Viele Beschäftigte werden in Zukunft andere Tätigkeiten ausüben als heute“, gab Giesler zu bedenken. „Dafür müssen sie qualifiziert werden.“ Mit dem Arbeitszeitmodell, das die IG Metall vorschlage, seien auch „vier Tage Arbeit und ein Tag Qualifizierung“ möglich.

Der IG Metall schwebt ein „Zukunftspaket“ vor – als Rahmen für betriebliche Verträge, in denen beispielsweise Investitionsziele, Schritte zur Weiterbildung oder ein Ausschluss betriebsbedingter Kündigungen festgelegt werden.

Dies müsse allerdings finanziert werden, wird in Gewerkschaftskreisen betont. Zur Frage, wie hoch das erforderliche Volumen ist, laufen innerhalb der IG Metall Beratungen. Die offizielle Forderung zur Tarifrunde veröffentlicht die Gewerkschaft voraussichtlich in einem Monat. Erste regionale Verhandlungen sind für den Dezember vorgesehen. Ab 29. Januar 2021 wären mit dem Ende der Friedenspflicht Warnstreiks möglich.

„Die wohl schwerste Rezession seit Gründung der Bundesrepublik“

Der Hauptgeschäftsführer des Arbeitgeberverbands Metall NRW, Luitwin Mallmann, verwies auf den Ernst der Lage in der Industrie. „Wir stecken in der wohl schwersten Rezession seit Gründung der Bundesrepublik Deutschland“, sagte Mallmann, „da passen allgemeine Lohnerhöhungen nun wirklich nicht ins Bild“. Es sei „folgerichtig“, wenn die IG Metall jetzt den Fokus auf die Sicherung der Arbeitsplätze richte. Zum Modell einer Vier-Tage-Woche mit Teillohnausgleich äußerte er sich kritisch. „Was die Arbeit ohne Gegenleistung teurer macht, leistet eher dem Abbau von Arbeitsplätzen Vorschub“, sagte Mallmann. Dass die IG Metall NRW keine bezifferte Forderung zu einer allgemeinen Entgelterhöhung formuliert habe, nehme er „mit Interesse zur Kenntnis“.

Die Arbeitgeber seien bereit, mit der Gewerkschaft über intelligente tarifliche Lösungen zu sprechen. „Wir teilen die Einschätzung der IG Metall, dass die Transformation in der Corona-Krise deutlich Fahrt aufgenommen hat“, so Mallmann. Insgesamt verstehe er die heutige Mitteilung der IG Metall als ein Angebot zur Zusammenarbeit in einer für die Branche nach wie vor bedrohlichen Situation.

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