Elektro-Mobilität

IGBCE sieht Autozulieferer durch Energiewende in Gefahr

In Wolfsburg will VW künftig auch Elektroautos bauen.  Dafür wäre weniger Personal nötig.

In Wolfsburg will VW künftig auch Elektroautos bauen. Dafür wäre weniger Personal nötig.

Foto: Getty Images

Haltern am See.   Umstieg auf Elektroantrieb koste Arbeitsplätze. Gewerkschaftschef Vassiliadis fordert Zukunftspakt mit mehr Fördermitteln für Innovationen

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Die Industriegewerkschaft Bergbau Chemie Energie verlangt von der Bundesregierung Hilfen für Automobil-Zulieferer, damit diese beim Umstieg auf Elektroantriebe nicht unter die Räder kommen. Die Politik müsse mit den Sozialpartnern einen „Zukunftspakt“ für sie schmieden, forderte Gewerkschaftschef Michael Vassiliadis beim Strategiegespräch vor Journalisten in Haltern am See.

Er arbeitet dafür mit der IG Metall zusammen, bei der die meisten Beschäftigten der deutschen Vorzeigebranche organisiert sind. Die IG BCE vertritt rund 200 000 Beschäftigte, die etwa in der Chemie- und der Kautschukindustrie oder bei Kunststoffverarbeitern Komponenten für die Autobauer herstellen. „Die gesamte Wertschöpfungskette wird in den kommenden Jahren auf links gedreht“, sagte Vassiliadis – durch die weit simpler aufgebauten Elektromotoren, aber auch durch die Digitalisierung und auf diesem Feld „neue, finanzstarke Wettbewerber der IT-Branche“.

Bis 2025 könnte jeder vierte Neuwagen elektrisch sein

Spätestens in der übernächsten Fahrzeuggeneration werde der Wandel vollzogen, „bis 2025 könnte jeder vierte Neuwagen elektrisch fahren“, glaubt der IG BCE-Chef. Deshalb drohe der Strukturwandel kein sanfter zu werden, sondern vor allem bei den Zulieferern viele Arbeitsplätze zu gefährden. „Elektrofahrzeuge brauchen weder Katalysatoren noch Benzinschläuche noch Kunststoff-Gleichrichter.“ Deshalb verband Vassiliadis sein Lob dafür, dass die Bundesregierung sich für Jobgarantien bei Opel einsetze, mit der Ankündigung: „Ein solches Engagement werden wir aber auch einfordern, wenn Zulieferer in Not geraten sollten.“

Verkehrsminister Groschek will Elektro-Busse fördern Als Schlüssel, Massenentlassungen abzuwenden, sieht Vassiliadis die Förderung von Innovationen. Zwei von drei Neuentwicklungen kämen in der Autoindustrie von den Zulieferern. Sie entwickelten widerstandsarme Reifen, leichte und trotzdem stabile Kunststoffe sowie Speziallacke – alles, um den Verbrauch zu senken. Leichtbaustoffe seien auch für E-Autos von entscheidender Bedeutung.

Der Gewerkschaftschef fordert mehr Fördermittel für diese Bereiche, weil Deutschland seine Technologieführerschaft in manchen Bereichen verloren hat. In der Batterie-Entwicklung liegen derzeit asiatische Hersteller vorn, bei Leichtbaustoffen aus Carbon die Amerikaner.

Gegen einen vorschnellen Braunkohle-Ausstieg

Neben dem deutschen Zukunftspakt für die Automobilbranche fordert Vassiliadis zudem aus Brüssel einen „Zukunftsfonds für Europas Leitindustrien“, womit er vor allem die Strom- und die Autoindustrie meint. Die EU müsse sie stärker in ihrem Strukturwandel unterstützten – mit Investitionsbeihilfen für Unternehmen, die ihre Geschäftsfelder neu ausrichten. Bisher zielten EU-Programme vor allem auf den Agrarmarkt und die Angleichung regionaler Unterschiede. Für die Akzeptanz des Binnenmarktes wäre es aber wichtiger, Europas Schlüsselindustrien voranbringen. Mit Blick auf kommende Wahlen in den Niederlanden und Frankreich sagte Vassiliadis, von solchen Signalen könne Europa „in diesen Zeiten, in denen Protektionisten und Populisten die europäische Idee zerstören wollen, nicht genug haben“.

Mit Blick auf die Bundestagswahl im Herbst betonte Vassiliadis zudem die Bedeutung konventioneller Kraftwerke für ein stabiles Stromnetz. Ein schnellerer Ausstieg aus der Braunkohle, den die Grünen fordern, gefährde die Versorgungssicherheit und treibe den Strompreis weiter hoch. Die Ökostromumlage habe die Bürger bereits mehr Geld gekostet als alle Kohlesubventionen in 60 Jahren. Um Geringverdiener zu entlasten, die besonders unter hohen Stromkosten litten, fordert die IG BCE, die Energiewende aus Steuern statt der Umlage zu finanzieren.

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