Flexirente

Rentenversicherung erhält immer mehr freiwillige Beiträge

Freiwillige Zahlungen ermöglichen später eine höhere Rente.

Freiwillige Zahlungen ermöglichen später eine höhere Rente.

Foto: imago stock / imago/Westend61

Berlin  Wer zusätzlich einzahlt, kann jetzt seine Rente aufbessern: Die Summe der Zahlungen ist in drei Jahren um ein Vielfaches gestiegen.

Um später eine höhere Rente zu bekommen, stocken immer mehr Menschen ihre Rentenbeiträge durch freiwillige Zahlungen an die gesetzliche Rentenversicherung auf. Nach Angaben der Deutschen Rentenversicherung Bund hat sich die Summe der Zahlungen innerhalb von drei Jahren mehr als verachtfacht.

Grund ist eine Gesetzesänderung im Jahr 2017, die solche Extra-Zahlungen bereits ab einem Alter von 50 Jahren möglich macht.

Kamen im Jahr 2015 noch 24 Millionen Euro freiwillige Beitragszahlungen in die Kassen der Rentenversicherung Bund, waren es 2018 bereits 207 Millionen Euro. Bei allen Rentenversicherungsträgern zusammen wuchs die Summe von 31 Millionen Euro im Jahr 2015 auf 290 Millionen Euro im Jahr 2018.

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Rentenversicherung: Gesetz macht freiwillige Zahlungen möglich

„Der Anstieg der freiwillig gezahlten Beiträge wirkt sich nicht nur positiv auf die Finanzen der Rentenversicherung aus, es ist auch ein Zeichen für das hohe Vertrauen der Beitragszahler in die Sicherheit und Rentabilität der gesetzlichen Rente“, sagte Dagmar König, die Vorstandsvorsitzende der Rentenversicherung Bund, unserer Redaktion.

Die Möglichkeit der freiwilligen Beitragszahlung sei ein häufiges Thema bei den Beratungsgesprächen der Rentenversicherung, so König. Immer mehr Versicherte ließen sich persönlich, am Telefon oder per Mail zur Rente beraten.

Ursache für die starke Steigerung der freiwilligen Beiträge ist eine in Kraft getreten war. Mit dem sogenannten Flexirentengesetz wurde die Altersgrenze, ab der freiwillige Zahlungen in die Rentenkasse möglich sind, von 55 Jahren auf 50 Jahre gesenkt.

Hintergrund:

Geleistet werden können diese Zahlungen damit in der Zeit zwischen dem 50. Lebensjahr und dem Erreichen des regulären Renteneintrittsalters. Das bedeutet, dass auch Rentner, die schon vorher in den Ruhestand gegangen sind oder eine Teilrente beziehen, noch freiwillig in die Rentenkasse einzahlen können. Berücksichtigt werden die Beiträge dann aber erst nach Erreichen der Regelaltersgrenze.

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Mit freiwilligen Zahlungen Rentenanspruch erwerben

Wann und für wen sich freiwillige Beiträge lohnen, hängt immer von der individuellen Situation ab. Es gibt vor allem zwei Fälle, in denen Experten Extrazahlungen empfehlen. Erstens: Wer nur kurze Zeit berufstätig war, kann mithilfe von freiwillig gezahlten Beiträgen überhaupt einen Rentenanspruch erwerben. Die Beiträge helfen also, die Voraussetzungen für die gesetzliche Rente zu erfüllen.

So braucht man beispielsweise eine Mindestversicherungszeit von fünf Jahren, um Zahlungen aus der Rentenkasse zu erhalten. Diese Zeit kann man quasi nachträglich erwerben.

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Der zweite Fall, in denen sich freiwillige Beiträge lohnen, ist der Wunsch nach einer höheren Rente. Zusätzliche Beiträge können die Altersrente oder die Hinterbliebenenversorgung steigern.

Konkret: Wer vor dem offiziellen Rentenalter in den Ruhestand gehen will, kann mit freiwilligen Zahlungen die Abschläge, die sonst fällig würden, ausgleichen oder sogar ganz vermeiden. Für jeden Monat, den jemand vor der offiziellen Altersgrenze in Rente geht, werden die Altersbezüge ja um 0,3 Prozent gekürzt. Wer zuvor freiwillige Beiträge geleistet hat, kann das ausgleichen. Auch die regulär angetretene Altersrente lässt sich durch vorangegangene zusätzliche Beiträge erhöhen.

Hintergrund:

Flexirente: mindestens 83,70 Euro, höchstens 1246,20 Euro

Einzahlen können Arbeitnehmer monatlich mindestens 83,70 Euro und maximal 1246,20 Euro. Die Summen verändern sich jedes Jahr. Wer ein ganzes Jahr den Mindestbeitrag zahlt, kann nach Angaben der Rentenversicherung derzeit seine monatliche Rente um 4,45 Euro erhöhen. Mit dem Maximalbeitrag lässt sich dagegen eine um 66,20 Euro höhere Rente erzielen. Eingezahlt werden kann relativ flexibel und auch rückwirkend.

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Wie hoch die freiwilligen Zahlungen sein müssen, um eine bestimmte Wirkung zu erreichen, kann die Rentenversicherung individuell berechnen. In der Regel gilt: Je früher man in Rente gehen will und je höher das eigene Gehalt ist, desto teurer wird der Ausgleich der Rentenabschläge. Nach Berechnungen des Internetportals „Finanztip“ können die Summen, die dann fällig werden, leicht einen fünfstelligen Betrag erreichen.

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