Urlaubsgeld-Statistik

In der Pflege und in Callcentern gibt es kaum Urlaubsgeld

Für den Urlaub erhält nur jeder zweite einen Zuschuss vom Arbeitgeber.

Für den Urlaub erhält nur jeder zweite einen Zuschuss vom Arbeitgeber.

Foto: Hauke-Christian Dittrich, dpa

Essen.   In diesem Sommer erhält nur jeder zweite Beschäftigte Urlaubsgeld – in Industriebranchen wie Metall am häufigsten, in Gesundheitsberufen selten.

Längst nicht jeder Arbeitnehmer in Deutschland erhält für seinen Sommerurlaub Unterstützung von seinem Arbeitgeber. Urlaubsgeld gibt es in Westdeutschland nur für jeden zweiten Beschäftigten (49 Prozent), wie eine Umfrage der gewerkschaftsnahen Hans-Böckler-Stiftung ergab. Entscheidend ist die Branche: Während etwa in der Chemie- und Metallindustrie sowie in weiteren Fertigungsberufen zwei von drei Beschäftigten Urlaubsgeld erhalten, gehen in Hotels und Gaststätten (34 Prozent) sowie in den Gesundheits- und Sozialberufen (je 33 Prozent) die meisten leer aus. In der Callcenter-Branche darf sich gar nur jeder vierte Beschäftigte über einen Zuschuss zum Urlaub freuen.

In Callcentern erhält nur jeder Vierte Urlaubsgeld

Entscheidend ist laut dem Tarifarchiv des WSI-Instituts der Böckler-Stiftung vor allem, ob ein Betrieb nach Tarif zahlt. So erhielten Beschäftigte in tarifgebundenen Betrieben zu 69 Prozent und damit doppelt so oft ein Urlaubsgeld als in nicht tarifgebundenen. Weil in den klassischen Industriebranchen wie Chemie, Metall und Elektro die Belegschaften am stärksten gewerkschaftlich organisiert sind, wird hier am häufigsten und auch am meisten Urlaubsgeld gezahlt.

Und weil Frauen häufiger in schwach organisierten Branchen arbeiten, etwa in der Pflege oder in anderen Dienstleistungsberufen, verdienen sie nicht nur monatlich im Durchschnitt weniger als die Männer, sie erhalten auch seltener Urlaubsgeld (41 Prozent). „Beschäftigte in Unternehmen ohne Tarifbindung sind somit gleich doppelt im Nachteil: In aller Regel liegen schon die Grundgehälter unter dem entsprechenden Tarifniveau und zusätzlich fehlt ihnen ein tariflich verbriefter Anspruch auf Urlaubsgeld“, sagt Thorsten Schulten, Leiter des WSI-Tarifarchivs.

  • Im Öffentlichen Dienst gibt es kein tarifliches Urlaubsgeld, es geht mit dem Weihnachtsgeld in der Jahressonderzahlung auf, die im Dezember ausgezahlt wird. Im Tarifgebiet West liegt es je nach Entgeltgruppe bei 60 (E13/14), 80 (E9-12) oder 90 Prozent (E1-8) eines Monatsentgelts.
  • In der Stahlindustrie wird das Urlaubsgeld ebenfalls mit dem Weihnachtsgeld zusammengefasst – die Sonderzahlung beträgt 110 Prozent eines Monatseinkommens.
  • Auch Beschäftigte in Banken und in der Energiewirtschaft gehen im Sommer leer aus.

Wer dieses Jahr in den Genuss eines Urlaubsgeldes kommt, kann sich häufig auch über eine Erhöhung freuen. Laut Tarifarchiv haben elf der 22 untersuchten Branchen den Zuschuss zur Ferienkasse angehoben – zwischen 1,0 und 8,7 Prozent. Ausnahme ist die chemische Industrie, die das Urlaubsgeld von allerdings vergleichsweise niedrigem Niveau auf 1200 Euro fast verdoppelt hat.

Im Mittel nur 240 Euro Urlaubsgeld im Hotelgewerbe

Die Höhe schwankt enorm: In der Landwirtschaft (225 Euro) und im Hotel- und Gaststättengewerbe (240 Euro) erhalten die Beschäftigten mit Abstand am wenigsten, in der Holz- und Kunststoff verarbeitenden Industrie (2450 Euro), der Papierindustrie (2272 Euro) und der Metallindustrie (2235 Euro) am meisten. Dabei hat das Tarifarchiv die Durchschnittswerte der jeweils mittleren Vergütungsgruppe ermittelt.

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