Diesel-Affäre

In diesen Bundesländern fahren die meisten VW-Skandal-Autos

Die Motoren EA189 des Volkswagen-Konzerns sind mit einer illegalen Abschaltvorrichtung versehen.

Die Motoren EA189 des Volkswagen-Konzerns sind mit einer illegalen Abschaltvorrichtung versehen.

Foto: imago stock&people / imago/Steve Bauerschmidt

Berlin.  In Braunschweig läuft die Musterfeststellungsklage gegen Volkswagen. So viele „Schummelmotoren“ sind in den Bundesländern unterwegs.

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Rund 440.000 Volkswagen-Kunden hoffen derzeit auf Entschädigungen für ihre Dieselautos, in deren Motoren Volkswagen seine als „Schummelsoftware“ bekanntgewordene Abschalteinrichtung einbaute.

Sie haben sich der Musterfeststellungsklage des Verbraucherzentrale Bundesverbands (vzbv) angeschlossen, die derzeit vor dem Oberlandesgericht Braunschweig verhandelt wird. Rund 100.000 weitere Dieselfahrer verklagen VW per Einzelklage.

Die große Mehrheit – 1,9 Millionen VW-Kunden – klagen dagegen nicht gegen den Konzern – obwohl der Fall mit dem Ende des Jahres verjährt. Vor drei Jahren schrieb Volkswagen die Halter der betreffenden Fahrzeuge offiziell an – daher gilt das Jahr als Grundlage für die Berechnung der Verjährung.

Doch in welchen Bundesländern sind eigentlich die meisten Autos mit dem „Schummelmotor“ unterwegs? Die Berliner Anwaltskanzlei Gansel Rechtsanwälte hat mit den Zulassungen des Kraftfahrt-Bundesamtes und den offiziellen Volkswagen-Zahlen kalkuliert, in welchen Bundesländern wie viele Volkswagen-Fahrzeuge mit dem Abgasmotor EA189 unterwegs sind. Die Zahlen liegen unserer Redaktion exklusiv vor.

VW-Diesel-Affäre: Hier sind die meisten „Schummelmotoren“ zugelassen

Allein in Nordrhein-Westfalen ist fast jeder fünfte „Schummelmotor“ verbaut. Insgesamt sind in NRW 510.744 Autos mit dem Motor EA189 zugelassen.

Dahinter folgen Bayern (463.383), Baden-Württemberg (354.236) und Niedersachsen (319.006). Am seltensten wird der mit einer illegalen Abschalteinrichtung versehene Motor in Hamburg (43.560), im Saarland (24.750) und in Bremen (15.258) gefahren.

In den ostdeutschen Bundesländern sind die meisten Autos mit eingebautem EA189 in Sachsen zugelassen (130.939), gefolgt von Brandenburg (76.326) und Thüringen (72.909).

Nicht nur Volkswagen-Fahrzeuge sind betroffen

Betroffene Motoren sind nicht nur in Autos von Volkswagen verbaut. Auch die Volkswagen-Töchter Audi, Seat und Skoda nutzten in einigen Modellen den EA189. Alle Antworten zu allen Fragen rund um den Diesel-Skandal und den Mammutprozess.

Der EA189 war mit einer Software gekoppelt, die erkennt, wenn ein Auto auf Abgas-Prüfständen getestet wird. Sobald die Software eine solche Prüfung bemerkt, werden die Einstellungen so geändert, dass die vorgegebenen Richtwerte erreicht werden. So kommen VW-Kunden jetzt noch an ihr Geld.

Waren VW-Geschäftsberichte fehlerhaft?

Beim Verfahren des Verbraucherzentrale Bundesverbands gegen Volkswagen ging es am Montag nur schleppend voran. Verhandelt wurde über die Frage, ob Volkswagen fehlerhafte Bilanzen für die Jahre 2008 bis 2015 vorgelegt hat. Die Kläger begründen diese Ansicht damit, weil finanzielle Risiken verschwiegen worden seien und sie unter anderem keine Rückstellungen enthielten.

Meinung: Beschämende Haltung für Volkswagen nach Dieselskandal

Urteil: BGH erkennt Schummel-Software von VW als Sachmangel an

Richter Christian Jäde legte sich nicht fest, kam aber zu der vorläufigen Auffassung, dass mehrere Ziele der Kläger wegen zu unkonkreter Formulierung unzulässig seien. Auch bezeichnete er es als unwahrscheinlich, dass VW für die Jahre 2008 bis 2013 Risikorückstellungen hätte bilden müssen. Für das Jahr 2014 hält er dies für „fraglich“.

Die Verhandlung vor dem Oberlandesgericht Braunschweig läuft seit über einem Jahr. Insgesamt gibt es annähernd 2000 vergleichbare Fälle, die Summe der Forderungen beläuft sich auf rund neun Milliarden Euro. Davon wurden Forderungen von rund fünf Milliarden vom Landgericht ausgesetzt. Diese Kläger müssen im Falle eines Urteils zugunsten der Deka ihre Ansprüche dort durchsetzen. Weitere Forderungen von rund vier Milliarden Euro werden noch vom Landgericht geprüft. (mit dpa/rtr)

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