Bahnprojekt

Darum kämpft Scheuer für den „Deutschland-Takt“ bei der Bahn

Die Deutsche Bahn gilt als chronisch unpünktlich. Wir zeigen vier Fakten rund um die Pünktlichkeit auf den deutschen Schienen.

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Berlin.  Verkehrsminister Scheuer kämpft für den „Deutschland-Takt“. Es geht um Milliarden um die Deutsche Bahn. Und eine grundlegende Reform.

Der Deutschland-Takt, mit dem die Bahn ihre Passagierzahlen bis ins Jahr 2030 verdoppeln soll, erfordert milliardenschwere Investitionen in die Infrastruktur. Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) wirbt daher bei den Abgeordneten der schwarz-roten Regierungskoalition um Unterstützung für das Projekt.

„Den Deutschland-Takt können wir nur gemeinsam umsetzen. Er wird erhebliche Mehrinvestitionen in die Schieneninfrastruktur erfordern“, schreibt er in einem Brief, der unserer Redaktion vorliegt. „Ich bitte Sie deshalb um Ihre Unterstützung für dieses größte Reformprojekt im deutschen Schienenverkehr seit der Bahnreform.“

Scheuers Deutschland-Takt für Bahn: Kunden sollen jede Verbesserung spüren

Scheuer sorgt sich dabei offenbar um die Akzeptanz der milliardenschweren Infrastrukturprojekte. Er setzt bei jedem Ausbauschritt darauf, dass die Fahrgäste die Verbesserungen wahrnehmen.

„Die Kundinnen und Kunden der Bahnen sollen unmittelbar erkennen, dass die Ausbaumaßnahmen für sie ganz konkrete Verbesserungen im Fahrplan bringen“, schreibt der Minister: mehr Verbindungen, bessere Anschlüsse, kürzere Fahrzeiten und mehr Kapazitäten für einen umweltfreundlichen Güterverkehr. Ein „intensiver Bürgerdialog“ soll alle Planungen für den Aus- und Neubau von Bahnstrecken begleiten.

Finaler Plan soll Anfang 2020 vorliegen

Derzeit erarbeiten Gutachter den dritten und finalen Entwurf des Zielfahrplans für den Deutschland-Takt. Dieser soll Anfang 2020 vorliegen, kündigt Scheuer an. In der abschließenden Planungsrunde gehe es um die Frage, ob mit den neuen Angeboten die gewünschte Verdoppelung der Fahrgastzahlen eintritt. „Andernfalls wird der Zielfahrplan entsprechend angepasst“, so Scheuer. Länder, Unternehmen und Verbände will er dabei einbeziehen.

Bereits im Dezember 2021 werde die erste Stufe des Deutschland-Takts starten. Zum Fahrplanwechsel will die Deutsche Bahn im Halbstundentakt zwischen Berlin und Hamburg fahren. Ausgehend von dieser Verbindung soll der Deutschland-Takt in den ersten Regionen starten, schreibt Scheuer.

Bahn soll auf mehr Strecken Tempo 300 fahren

Für die weiteren Schritte bis 2030 ist ein massiver Ausbau der Bahnstrecken erforderlich, laut Scheuer über die Maßnahmen des Vordringlichen Bedarfs des Bundesverkehrswegeplans hinaus: „Es muss so schnell wie nötig gefahren werden können, um die optimale Einbindung in die Taktknoten zu erreichen.“ Damit die Fernzüge möglichst viele Anschlüsse erreichen, müssen mehrere Strecken für Tempo 300 ausgebaut werden.

Nur so ließen sich Fahrzeiten von 30 Minuten zwischen Frankfurt und Mannheim, Würzburg und Nürnberg, Hannover und Bielefeld sowie Bielefeld und Hamm erreichen. Zwischen Hannover und Berlin liegt das Ziel bei 90 Minuten. Die Deutsche Bahn hatte sich mit der aktuellen Generation des Schnellzugs ICE gerade vom besonders schnellen Fahren verabschiedet – der ICE 4 schafft maximal 250 Stundenkilometer.

Starke Konkurrenz zu Inlandsflügen

Insbesondere von schnelleren Zügen zwischen der Hauptstadt und dem Ruhrgebiet im 30-Minuten-Takt erhofft sich der Verkehrsminister einen Schub für die Bahn. So soll die Fahrzeit zwischen Berlin und Köln auf 3:40 Stunden sinken. Scheuer: „Nach den Erfahrungen aus der Verbindung Berlin-München sind wir sicher, dass so die Marktposition der Schiene gegenüber dem Luftverkehr deutlich gesteigert wird und viele Reisende auf die klimaschonende Bahn umsteigen.“

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Mehr Fernzüge auch für den Osten

Ergänzend sieht das Konzept ein „Flächennetz Fernverkehr“ vor, das mit bis zu 200 Stundenkilometer schnellen Zügen bedient werden soll. Damit erhalten nach den Plänen Scheuers wieder mehr Städte Anschluss an den Fernverkehr. Anbieter von Fern- und Regionalzügen sollen dabei kooperieren. Nach bisher veröffentlichten Plänen profitiert davon vor allem der Osten.

Gab es Ungereimtheiten mit Beratern? Die Bahn zieht erste Konsequenzen. Auch bei einem anderen Thema soll umgedacht werden: Die Bahn spritzt massig Glyphosat – und sucht Alternativen.

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