Aufzugsparte

Kartellrechtler zweifelt an Deal von Thyssenkrupp mit Kone

So soll Planungen zufolge künftig die US-Zentrale von Thyssenkrupp Elevator in Atlanta aussehen. Der finnische Konzern Kone strebt eine Übernahme der Thyssenkrupp-Aufzugsparte an.

So soll Planungen zufolge künftig die US-Zentrale von Thyssenkrupp Elevator in Atlanta aussehen. Der finnische Konzern Kone strebt eine Übernahme der Thyssenkrupp-Aufzugsparte an.

Foto: thyssenkrupp elevator AG / ThyssenKrupp Elevator AG

Essen.  Der finnische Konzern Kone schielt auf die Aufzugsparte von Thyssenkrupp. Der Essener Kartellrechtler Andreas Lotze sieht Fusionspläne skeptisch.

Wird die Thyssenkrupp-Aufzugsparte mit rund 53.000 Mitarbeitern vom finnischen Konzern Kone übernommen? Wie die Nachrichtenagentur Bloomberg unter Berufung auf informierte Kreisen berichtet, erwägt Kone ein gemeinsames Gebot mit dem Finanzinvestor CVC. Eine weitere mögliche Offerte werde von den CVC-Konkurrenten Blackstone und Carlyle geprüft. Andreas Lotze, Kartellrechtler der Essener Kanzlei Aulinger, ist mit Blick auf einen möglichen Deal von Thyssenkrupp mit Kone skeptisch. „Sollte es auf einen Zusammenschluss hinauslaufen, wäre eine aufwändige und lange Prüfung der Wettbewerbsbehörden gewiss. Dies widerspricht meiner Einschätzung zufolge dem Ziel von Thyssenkrupp, schnell Geld in die Kasse zu bekommen“, sagte Lotze unserer Redaktion. In unserem Interview analysiert der Kartellrechtsexperte auch andere Szenarien für Thyssenkrupp.

Herr Lotze, Thyssenkrupp braucht Geld und erwägt einen Verkauf der Aufzugsparte mit rund 53.000 Beschäftigten. Auch der finnische Thyssenkrupp-Konkurrent Kone ist interessiert. Was halten Sie von den Plänen?

Lotze: Ich bin aus kartellrechtlichen Gründen sehr skeptisch, dass ein solcher Deal machbar ist. Schon jetzt dominieren mit Otis, Schindler, Kone und Thyssenkrupp vier Konzerne den weltweiten Aufzugmarkt. Nach einem Zusammenschluss blieben nur noch drei Riesen übrig. Das ist ein Oligopol. Die negativen Auswirkungen auf den Wettbewerb wären bei einer Übernahme der Thyssenkrupp-Sparte durch Kone ganz gewiss erheblich. Die Kunden der Aufzugkonzerne müssten mit steigenden Preisen rechnen.

Kone-Chef Ehrnrooth hat von einer „idealen Verbindung“ gesprochen. Thyssenkrupp sei beispielsweise in den USA besser positioniert, Kone hingegen in Asien. Überzeugt Sie das?

Lotze: Nein, natürlich stellt sich die Frage nach dem Wettbewerb in den jeweiligen Märkten. Sollte es auf einen Zusammenschluss hinauslaufen, wäre eine aufwändige und lange Prüfung der Wettbewerbsbehörden gewiss. Dies widerspricht meiner Einschätzung zufolge dem Ziel von Thyssenkrupp, schnell Geld in die Kasse zu bekommen.

Erst vor wenigen Monaten ist Thyssenkrupp mit Plänen für eine Stahlfusion mit dem indischen Konzern Tata gescheitert. Sind die Fälle vergleichbar?

Lotze: Durchaus. Thyssenkrupp ist ein gebranntes Kind. Einen zweiten Fall Tata kann sich der Konzern nicht leisten. Schon bei der Fusion von Thyssen und Krupp vor zwanzig Jahren hat die Europäische Kommission auf

die hohe Marktkonzentration hingewiesen und Auflagen gemacht. Die Wettbewerbssituation in der Branche hat sich in der Zwischenzeit nicht verbessert – im Gegenteil. Auch dies spricht gegen eine Übernahme durch Kone.

Ließe sich eine lange wettbewerbsrechtliche Prüfung durch einen Verkauf der Thyssenkrupp-Aufzugsparte an Finanzinvestoren umgehen?

Lotze: Ja, denn Finanzinvestoren wären bisher nicht im großen Stil in der Aufzugbranche aktiv. Es bliebe auch nach einer Übernahme ein Markt mit vier großen Akteuren und entsprechendem Wettbewerb bestehen. Bei einem Verkauf an einen Finanzinvestor müsste Thyssenkrupp aber mit einem vergleichsweise niedrigeren Preis für die Aufzugsparte rechnen. Schließlich sind die strategischen Vorteile eines solchen Deals geringer, auch bestimmte Einsparpotenziale durch eine mögliche Zusammenlegung der Verwaltung fallen weg.

Auch ein Börsengang der Aufzugsparte von Thyssenkrupp gilt als möglich. Hier könnte der Essener Konzern sogar die Mehrheit behalten. Ist dies die schlüssigste Strategie?

Lotze: Ein Börsengang hätte den Vorteil, dass unmittelbar Geld in die Kasse kommt. Eine lange Prüfung der Wettbewerbsbehörden wäre nicht erforderlich. Allerdings dürfte das finanzielle Volumen einer solchen Transaktion deutlich niedriger ausfallen als etwa bei einem Komplettverkauf.

Können Sie nachvollziehen, dass sich Thyssenkrupp mit der Aufzugsparte möglicherweise ausgerechnet vom „besten Pferd im Stall“ trennen wird?

Lotze: Ein solcher Schritt ließe sich gewiss nur mit einem hohen Kapitalbedarf erklären. Wohlgemerkt: Thyssenkrupp verfügt in der Sparte Elevator über einen großen Innovationsvorsprung mit der Entwicklung des seillosen Aufzugs auf Basis der Transrapid-Technologie. Dass sich Konkurrenten wie Kone ein solches Produkt einverleiben möchten, ist nur allzu verständlich.

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