Kettcar&co.

Kettler nach Neustart auf der Spielwarenmesse und der Ispo

Rund 80 Prozent des Umsatzes macht Kettler mit den Fitnessgeräten, erklärt Sportgerätechef Ulrich Kürschner, hier an einem Crosstrainer.

Rund 80 Prozent des Umsatzes macht Kettler mit den Fitnessgeräten, erklärt Sportgerätechef Ulrich Kürschner, hier an einem Crosstrainer.

Foto: Ralf Rottmann/Funke Foto Services

Ense.  Im Jahr eins nach überstandener Insolvenz hofft Kettler auf ein erfolgreiches Jahr 2017. In dieser Woche stehen zwei wichtige Messen an.

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Für die Kettler GmbH aus Ense stehen wichtige Tage an. Am 1. Februar beginnt die Spielwarenmesse in Nürnberg. Ein Muss für das Unternehmen, dessen Marke mit dem legendären Kettcar verbunden ist. Aber Kettler war immer mehr als das Tretspielzeugauto. Wenige Tage nach Nürnberg startet am Sonntag die Sportmesse Ispo in München. „Der Sportbereich ist unser Umsatz stärkstes Standbein“, sagt Ulrich Kürschner, Sportgerätechef bei Kettler.

In 3-D Strecken abstrampeln

Bei der Ispo wird Kettler sich unter anderem mit einer „Virtual Reality“-Innovation als Verbindung von Entertainment und Fitness präsentieren. Auf dem Trimmrad, das ja längst Ergometer heißt und zeitgemäß mit Tablethalterung versehen ist, können Nutzer eine 3-D-Brille aufsetzen und „ihre eigene“ Strecke abfahren. Das Rad reagiert dabei wie in der freien Natur, beispielsweise auf sandigem oder holprigem Untergrund. Die Digitalisierung hält bei Fitnessprodukten Einzug.

Tour de Familie

Kettler präsentiert sich heute modern und unterstützt seine Händler mit interessanten Aktionen: Von Januar bis März läuft eine „Tour de Familie“, bei der jeder innerhalb von vier Wochen auf einem Kettler Ergometer gefahrene Kilometer sich mit etwas Glück und bei entsprechendem Trainingsfleiß für die Urlaubskasse in barer Münze auszahlen könnte. Zum Gartenmöbel-Saisonstart Mitte März heißt es „Der Sommer deines Lebens“ – eine Aktion, um den Absatz wetterfester zu machen. Tatsächlich hängt der Verkauf in diesem Segment stark von der Zahl der Sonnenstunden ab.

Für den Hersteller von Freizeitartikeln für die gesamte Familie wären Lichtblicke 2017 enorm wichtig. Im Unternehmen in Ense-Parsit herrscht im Jahr eins nach der Insolvenz durchaus Aufbruchstimmung.

Ense-Parsit als Kreativzentrale

Kettler steht heute schlanker da als in der jüngeren Vergangenheit. Rund 800 Beschäftigte zählt die GmbH heute – es waren vor rund zehn Jahren doppelt so viele – bei rund 260 Millionen Euro Jahresumsatz. „Für ein Familienunternehmen ist der Abbau von Arbeitsplätzen schwierig“, sagt Unternehmenssprecherin Stefanie Risse rückblickend. 200 Mitarbeiter verloren im Zuge der Insolvenz ihre Beschäftigung. Bereits im November 2015 wurde die Fahrradfertigung im Saarland an die Einkaufsgemeinschaft ZEG verkauft. Alle 80 Kettler-Beschäftigten wurden von ZEG übernommen.

Parsit selbst ist heute reiner Verwaltungs- und Kreativsitz ohne Produktion. Die Halle, in der über Jahrzehnte an Kettcars geschraubt wurde, wird heute als Ausstellungsfläche genutzt, der Industriecharme wurde erhalten. Hier wird Händlern die aktuelle Produktpalette gezeigt, werden sie geschult.

Neue Anlagen in Sönnern

Alle Produktionswerke und ein Zentrallager konzentrieren sich nun in Werl. Darunter das eigene Rohrwerk, in dem nicht nur für Kettcar, Ergometer, Schaukel und Co., sondern, wegen der Auslastung, auch für Automobilzulieferer gefertigt wird. „Für uns ist Qualität Made in Germany sehr wichtig“, sagt Stefanie Risse. „Im Werk Sönnern wurde die Pulveranlage mit einem neuen Einbrennofen erweitert, was in der aktuellen Situation für uns ein immenses Investitionsvolumen bedeutet – aber unerlässlich und absolut sinnvoll ist“, erklärt Risse.

Kettler ist auch Importeur günstigerer Waren geworden. Die hochwertigen Kernprodukte werden aber nach wie vor im Kreis Soest produziert und die Qualität vor Ort kontrolliert. In Ense-Parsit kümmert sich ein Team von eigenen Entwicklern und Designern um Innovationen. Die sind überlebenswichtig, vor allem für den gesättigten deutschen Markt. Die größten Wachstumschancen sieht „Sportchef“ Kürschner aktuell im Ausland, und zwar mit den Fitnessgeräten. „In Deutschland haben wir mit unseren Geräten einen Marktanteil von 80 Prozent“, sagt Ulrich Kürschner. Entsprechend seien diese Produkte im Ausland absehbar besser zu verkaufen. Kettler pflegt Handelskontakte in immerhin 56 Länder.

Mit neuen Geschäftsführern auf Kurs

Traditionell sind die USA ein guter Absatzmarkt für Kettler. Von dort aus operiert auch Ludger Busche, einer der beiden neuen Geschäftsführer. Busche ist seit rund 40 Jahren im Unternehmen und hat sozusagen Kettler-DNS. Der zweite Mann an der Spitze ist Christian Krause. Der Düsseldorfer Unternehmensberater war im Insolvenzprozess bereits als Restrukturierungschef an Bord und ist geblieben, um das Traditionsunternehmen auf Zukunftskurs zu steuern – das jedenfalls wünschen sich viele Beschäftigte nach Jahren der Unsicherheit. Erfolgreiche Messetage könnten da schon helfen.

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