Klimaschutz

Kohlenimporteure sticheln gegen Fridays For Future

Franz-Josef Wodopia vom Verein der Kohlenimporteure beklagt, dass Klimaaktivisten „hofiert werden“.

Franz-Josef Wodopia vom Verein der Kohlenimporteure beklagt, dass Klimaaktivisten „hofiert werden“.

Foto: Volker HartmanN

Die Bewegung Fridays For Future kämpft gegen die Kohle. Franz-Josef Wodopia vom Verein der Kohlenimporteure beklagt, Aktivisten würden „hofiert“.

Klimaschützer wie die Aktivisten von Fridays For Future kämpfen gegen die Kohle. Franz-Josef Wodopia, Geschäftsführer des Vereins der Kohlenimporteure, beklagt, Aktivisten würden „hofiert, obwohl sie meinungsgetrieben sind und meist nur ein einziges Ziel im Auge haben“. Zum Verein der Kohlenimporteure gehören unter anderem Energiekonzerne wie die Steag, Uniper, Trianel und Vattenfall.

Herr Wodopia, Ende 2018 ist die Förderung von Steinkohle in Deutschland beendet worden. Die Kraftwerke und Hochöfen werden jetzt ausschließlich mit Importkohle versorgt. Verzeichnen die Kohlenimporteure einen Aufschwung?

Wodopia: Davon ist wenig zu spüren. In den ersten vier Monaten des laufenden Jahres ging die Stromerzeugung aus Steinkohle um fast 23 Prozent zurück. Im März lag der Rückgang sogar bei fast 60 Prozent im Vergleich zum Vorjahresmonat. Dazu trugen die milde Witterung, gesunkene Gaspreise und ein Anstieg des CO2-Preises bei. Auch die Stahlerzeugung in Deutschland ist rückläufig.

Wie entwickelt sich die Steinkohle-Nachfrage weltweit?

Wodopia: Die Nachfrage nach Steinkohle für Kraftwerke und die Stahlindustrie wächst weltweit, insbesondere in Asien. Die Produktion stieg im vergangenen Jahr um 2,8 Prozent auf 7,1 Milliarden Tonnen und liegt damit wieder über dem Spitzenwert von 2015. In China und in Indien erhöhte sich die Produktion deutlich. Diese Länder verbrauchen ihre Steinkohle vollständig selbst und sind sogar zusätzlich auf Importe angewiesen. Auch Russland und Indonesien förderten zuletzt mehr Kohle. In Südostasien ist angesichts neu gebauter Kohlekraftwerke die Nachfrage groß.

Wird die Kohle in Deutschland schneller als erwartet von den erneuerbaren Energien verdrängt?

Wodopia: Derzeit sieht es ganz danach aus. Im Moment beobachten wir aber die Auswirkungen des starken Zubaus der Erneuerbaren in der Vergangenheit. Ich bin skeptisch, ob sich die Entwicklung so fortsetzen wird. Einer Umfrage des Allensbach-Instituts zufolge sorgen sich rund 60 Prozent der Deutschen um das Klima, zugleich behindern sie aber den Klimaschutz. Nur noch jeder zweite der befragten Bürger würde in der eigenen Region den Bau von Windrädern unterstützen. Da die Versorgungssicherheit für die Bürger ganz oben auf der Prioritätenliste steht, dämmert ihnen allmählich, dass der Kohleausstieg gefährlich werden könnte. Nur ein Drittel glaubt noch, dass ein Kohleausstieg im Jahr 2038 problemlos möglich wäre.

Wie haben sich die Kohlepreise auf dem Weltmarkt verändert – und welche Auswirkungen gibt es für Stromverbraucher und Stahlerzeuger in Deutschland?

Wodopia: Durch den starken Wettbewerb am Weltmarkt sind der Steinkohlen- und der Gaspreis zuletzt gesunken. Der Preis für Kraftwerkskohle hat sich gegenüber Herbst 2018 halbiert, der Preis für Flüssiggas ist in einigen Weltregionen noch stärker gefallen – gute Zeiten für Verbraucher also, sofern nicht staatliche Aufschläge die Vorteile wieder aufzehren.

In Deutschland gehen zunehmend Kohlekraftwerke vom Netz. Der Stahlkonzern Thyssenkrupp will im Jahr 2050 klimaneutral sein. Stirbt die Branche der Kohlenimporteure aus?

Wodopia: Kohlenimporte werden noch lange gebraucht, auch wenn die Mengen rückläufig sind. Wenn wir den Atomausstieg auch an Tagen mit wenig Wind und vielen Wolken gut überstehen wollen und die Netzfrequenz stabil sein soll, sind große Turbinen erforderlich, die sich sicher drehen. Ohne den Einsatz von Kohle wird das auch in vielen Jahren nicht funktionieren.

Klimaschützer wie die Aktivisten von Fridays For Future kämpfen gegen die Kohle. Treibt Sie der schlechte Ruf der Kohleindustrie um?

Wodopia: Unser Ruf ist so schlecht wie die Berichterstattung über uns. Aktivisten werden dagegen hofiert, obwohl sie meinungsgetrieben sind und meist nur ein einziges Ziel im Auge haben. Den gesellschaftlichen und wirtschaftlichen Kontext sehen sie hingegen häufig nicht. Die jungen Aktivisten könnten zuallererst in ihren einigen Familien etwas bewirken. Ein „Greta-Effekt“ war bei der Wahl des Urlaubsziels allerdings nicht spürbar, im Gegenteil. Die Lufthansa hat ja gerade von einem deutlichen Passagierplus berichtet.

Die Kohle im Ausland wird zum Teil unter prekären Bedingungen gewonnen. Was können deutsche Importeure für einen besseren Arbeitsschutz in den Abbauregionen tun?

Wodopia: Sogenannten Armutsbergbau gibt es leider immer noch. Wenn Kohle im Ausland zum Teil immer noch unter prekären Bedingungen gewonnen wird, so bleibt sie aber in aller Regel in den jeweiligen Ländern. Richtig ist auch, dass in China bereits große Fortschritte im Arbeitsschutz gemacht worden sind. Unsichere Bergwerke wurden rigoros stillgelegt und moderne, leistungsfähige Bergwerke neu gebaut. Wir stellen fest, dass die Steinkohle, die für den Export über den Weltseeverkehr gedacht ist und so nach Deutschland kommt, nach modernen Maßstäben gewonnen wird.

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