Firmen-Fusion

Lieferando schluckt Lieferheld – Das steckt hinter dem Deal

Fahrer von Lieferando.de in Berlin: Der Kampf um Platz eins unter den Online-Bringdienstvermittlern ist entschieden.

Fahrer von Lieferando.de in Berlin: Der Kampf um Platz eins unter den Online-Bringdienstvermittlern ist entschieden.

Foto: Sean Gallup / Getty Images

Berlin  Die Takeaway-Gruppe, zu der auch Lieferando gehört, kauft das Deutschland-Geschäft von Delivery Hero. Aktionäre feiern die Übernahme.

Noch im November haben sich Lieferando und Lieferheld wahre Werbeschlachten geliefert, um Kunden auf sich aufmerksam zu machen. Die Online-Bringdienstvermittler wetteiferten im Fernsehen, im Netz und an Plakatwänden darum, wer die Nummer eins in Deutschland ist – was den beiden Unternehmen dahinter Verluste brachte.

Jetzt steht der Sieger fest: Die niederländische Takeaway-Gruppe (Lieferando) schluckt Lieferheld – und kauft die Schwestermarken pizza.de und Foodora gleich mit. Das komplette Deutschland-Geschäft von Delivery Hero lässt sich Takeaway 930 Millionen Euro kosten. Die Niederländer werden damit zum unangefochtenen Marktführer in Deutschland, dem größten europäischen Markt.

Nur die Nummer 1 verdient Geld

Im Kern ist das Geschäftsmodell der Vermittler sehr einfach: Sie bündeln im Internet eine Übersicht von Restaurants, die Essen liefern. Der Kunde kann dort auswählen und bestellen. Der Vermittler übernimmt die Bestellabwicklung und verlangt dafür eine Gebühr vom Restaurant, welches das Essen in der Regel selbst an den Kunden liefert. Bezahlt wird beim Fahrer bar oder beim Bestellen per Karte. In den vergangenen Jahren haben die Vermittler auch eigene Zustellflotten aufgebaut.

Der deutsche Markt hat ein geschätztes Potenzial von 6,8 Milliarden Euro Umsatz. Die Wachstumsraten der Vermittler liegen schon mal deutlich über 40 Prozent pro Jahr. Der Wettbewerb war deshalb groß, die Marketingausgaben entsprechend hoch. Denn auf Dauer verdient nur Geld, wer die unangefochtene Nummer eins ist.

47 Millionen Bestellungen jährlich

Für Deutschland ist das von 2019 an Lieferando, die Marke von Takeaway. Zumindest wenn die Takeaway-Aktionäre zustimmen. Zusammengenommen vermitteln die beiden Geschäfte Essen im Wert von 932 Millionen Euro. Gründer und Firmenchef Jitse Groen sieht zudem gewaltige Wachstumschancen.

Zunächst einmal verdoppeln die Niederländer die Zahl der Bestellungen, die sie abwickeln, auf 47 Millionen jährlich. Auf lange Sicht wollen sie die Abläufe vereinfachen und alle Internetportale auf Lieferando verschmelzen. Die Kosten sollen um mehr als 60 Millionen Euro sinken, vor allem weil die Marketingausgaben schrumpfen.

Deutschland nicht mehr der wichtigste Markt

Lieferando hat wie Lieferheld, ­pizza.de und Foodora seinen Sitz in Berlin. Takeaway bezahlt den Zukauf mit rund 508 Millionen Euro Bargeld und eigenen Aktien. Delivery Hero wird so mit rund 18 Prozent einer der größten Aktionäre bei den Niederländern, nach Groen mit rund 35 Prozent.

Mit dem Bargeld will Delivery Hero sein Geschäft in anderen Märkten ausbauen. Zum Weltmarktführer gewachsen ist das Unternehmen in den vergangenen Jahren vor allem im Ausland. Delivery Hero betreut von der Berliner Zentrale aus rund 40 Länder. Deutschland war schon länger nicht mehr der wichtigste Markt.

Anleger sind von dem Deal begeistert

Firmenchef Niklas ­Östberg kündigte an, das Umsatzziel für 2019 werde übertroffen – trotz des Verkaufs in Deutschland. Die Berliner sind vor allem im Nahen Osten und in Asien stark. Groens Takeaway konzentriert sich auf Europa. In ­Benelux, Österreich, Polen, Rumänien und Israel ist das Unternehmen schon Marktführer.

Die bisherigen Konkurrenten sind beide an der Börse notiert: Takeaway seit 2016, Delivery Hero seit 2017. Und die Anleger sind von dem Deal begeistert. Gewinnt doch der eine eine führende Marktposition, der andere verliert einen Verlustbringer.

Der Aktienkurs von Takeaway schoss in der Spitze um mehr als 36 Prozent nach oben und pendelte sich bei einem Plus von mehr als 33 Prozent ein. Delivery-Hero-Papiere gewannen gut 25 Prozent und notierten gut elf Prozent im Plus.

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