Unternehmensführung

Manager entdecken im Kloster Struktur und Grundsätze

Foto: WP

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Meschede. Mit einer ethischen Unternehmensführung lässt sich das Ergebnis von Firmen verbessern. Erfolgreiche Unternehmer vertrauen Grundsätzen, die aus dem Kloster stammen. Alt-Abt Stefan Schröer findet im Regelwerk des Benedektiner-Ordens das Anforderungsprofil für Führungskräfte.

Gestresste Manager - davon sind Alt-Abt Stefan schon einige untergekommen. Die Regeln des Ordens lassen sich nämlich gut auf die Führung einer Firma übertragen. Der Rat des Benediktiner-Mönches, Alt-Abt Stefan, ist bei Menschen in Führungspositionen sehr gefragt. Die Regeln des Ordens lassen sich nämlich gut auf die Führung einer Firma übertragen.

Strukturierter Tagesablauf hilft

Die Abtei Königsmünster beherbergt seit mehr als 75 Jahren den Benediktiner-Orden in Meschede. Die Priester legten zunächst ihr Augenmerk auf die gymnasiale Erziehung der Schüler aus Meschede und Umgebung.

Doch neben diesem Bildungsauftrag gesellte sich bald schon ein weitaus breiteres Themenfeld für Laien hinzu. Der Benediktiner-Orden, der seine Türen für interessierte Menschen ohnehin stets offenhielt, wurde im Laufe der Jahrzehnte Anlaufstelle für viele, die dem Alltag entfliehen wollten. Mit dem Ergebnis: Klösterliches Leben mit seinen Ordensregeln hat positive Auswirkungen auf Menschen und Firmen. Das hat Alt-Abt Stefan im Laufe der Jahre häufig erlebt.

Werteorientierung zahlt sich aus

Die Laien, die Königsmünster aufsuchen, seien oft Künstler, Pädagogen oder Betriebswirte, sagt er. Sie alle kämen mit bestimmten Erwartungen zum Kloster. „Manchen reicht es schon, für eine gewisse Zeit frei von Handy und Laptop zu sein”, schildert Alt-Abt Stefan. Als weiteren Vorzug genießen die gestressten Menschen die feste Tagesstruktur. „Manche entdecken zum Beispiel regelmäßige Mahlzeiten neu”, so der Priester. Das Fehlen einer solchen Tagesstruktur sieht der Abt als eigentlichen Grund für vielfachen Stress an. „Struktur entlastet”, erklärt der Geistliche. Er selbst etwa fühle sich frei, obwohl er im Kloster gebunden sei.

Das klösterliche Leben lässt sich nun schwerlich eins zu eins über die Grenzen der Abtei hinaus übertragen, aber die Grundsätze und -regeln des Ordens können auch im betriebswirtschaftlichen Alltag weiterhelfen. Darauf vertrauen mittlerweile viele Unternehmer. Und das hat positive Auswirkungen auf den Ertrag der Firmen. Das sei wissenschaftlich erwiesen. „Eine Werteorientierung zahlt sich für Unternehmen langfristig aus”, sagt Alt-Abt Stefan und ergänzt: „Das kann das betriebswirtschaftliche Ergebnis um 25 Prozent steigern.”

Grundsätze christlicher Ethik

Er selbst erörtert des Öfteren ethische Fragen vor Führungskräften mittelständischer Unternehmen. Dabei geht es insbesondere auch um das Verhältnis zwischen Chef und Mitarbeiter. „Mache ich nur meinen Job oder sehe ich die Aufgabe auch als Dienst mit Verantwortung für meine Mitarbeiter?”, hinterfragt Alt-Abt Stefan die Unternehmensführung. Für den Priester gehören Respekt und Wertschätzung beim alltäglichen Umgang genauso dazu wie Offenheit in Gesprächssituationen, die auch Widerspruch gestattet. Optimal sei zudem eine Gewinnbeteiligung. „Alles Grundsätze der christlichen Ethik”, wie der Alt-Abt findet.

Von Menschenführung hat Alt-Abt Stefan genaue Vorstellungen. Schließlich hat er selbst 25 Jahre lang die leitende Position in der Abtei Königsmünster eingenommen. Seiner Überzeugung nach charakterisiert das Kapitel 31 über den Cellerar - im Benediktinerorden für wirtschaftliche Belange zuständig - aus der Benediktsregel das Anforderungsprofil einer Führungspersönlichkeit treffend.

Offenheit gegenüber Neuerungen

Sie besagt: „Als Cellerar des Klosters werde aus der Gemeinschaft ein Bruder ausgewählt, der weise ist, reifen Charakters und nüchtern. Er sei nicht maßlos im Essen, nicht überheblich, nicht stürmisch, nicht verletzend, nicht umständlich und nicht verschwenderisch.” Eigenschaften, die einem Unternehmenschef gut zu Gesicht stehen.

Wenngleich Alt-Abt Stefan keine Allheilmittel verteilen möchte, so gibt er Menschen in leitenden Positionen den Rat, „immer wieder neu hinzuhören.” Es gelte, sich Herausforderungen immer wieder neu zu stellen. Denn wer nicht gewillt sei, Neues zu lernen, der solle zurücktreten, meint der Geistliche aus Meschede. Er warnt davor, nicht loslassen zu können. Denn: „Es tut einer Gemeinschaft immer gut, wenn neue Ideen umgesetzt werden.”

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (1) Kommentar schreiben