Arbeitgeberverband

MAV-Chef: „Bei einigen Unternehmen geht es um die Existenz“

Viele Unternehmen im Gebiet des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV) nutzten aktuell die Kurzarbeit, um Personal trotz Absatzeinbrüchen halten zu können, sagt Özgür Gökce, seit August Geschäftsführer des MAV.

Viele Unternehmen im Gebiet des Märkischen Arbeitgeberverbandes (MAV) nutzten aktuell die Kurzarbeit, um Personal trotz Absatzeinbrüchen halten zu können, sagt Özgür Gökce, seit August Geschäftsführer des MAV.

Foto: Andreas Buck / FUNKE Foto Services

Hagen.  Der neue Geschäftsführer des Märkischen Arbeitgeberverbandes, Özgür Gökce, warnt mit Blick auf 2020 vor einem teuren Tarifabschluss.

Der Märkische Arbeitgeberverband (MAV) sieht viele der 460 Mitglieds-Unternehmen im Verbandsgebiet zwischen Märkischen Sauerland und dem südlichen Ennepe-Ruhrkreis in einer schwierigen Phase. „Die jüngsten Ankündigungen von Automobilherstellern, Arbeitsplätze abbauen zu wollen, sind keine guten Signale“, sagt Özgür Gökce, seit August dieses Jahres Geschäftsführer des MAV mit Sitz in Hagen und Iserlohn.

Zunehmend Kurzarbeit

Im Verband seien viele Automobilzulieferer vertreten, die jetzt in neue Technik, neue Geschäftsmodelle und die Digitalisierung investieren müssten, gleichzeitig sei aber ein Absatzrückgang von knapp fünf Prozent bundesweit und zunehmend Kurzarbeit im Verbandsgebiet zu verzeichnen. Der Strukturwandel mache einigen Unternehmen sehr zu schaffen: „Bei uns gibt es viele Unternehmen, die noch ganz am Anfang stehen“, habe Gökce auf seiner Antrittstour zu zahlreichen Mitglieds-Betrieben in den ersten einhundert Tagen im Amt als Geschäftsführer offenbar beeindruckt festgestellt. Vielleicht hat das den 44-Jährigen Wirtschaftswissenschaftler tatsächlich sogar ein wenig erschreckt, schließlich bleibt nicht mehr allzu viel Zeit, um alternative Geschäftsmodelle zu entwickeln, wenn die Produktion zu großen Teilen vom Verbrennungsmotor abhängig ist.

Während sich Strukturveränderungen in vielen Branchen rasant vollziehen, sieht der Verbandschef, der vor allem die Unternehmen der Metall- und Elektroindustrie vertritt, kurzfristig offenbar nur ein altbewährtes Mittel: Bei den anstehenden Tarifverhandlungen in der Metall- und Elektroindustrie kräftig auf die Bremse treten. Der vergangene Abschluss aus dem Jahr 2018 war hart – und somit teuer – erstritten und beinhaltete vor allem eine neue Qualität: den befristeten Arbeitnehmeranspruch auf Arbeitszeitverkürzung sowie die Wahl „freie Tage statt Geld“ (in begrenztem Maße). Aus Arbeitgebersicht aber auch die Möglichkeit, bei Bedarf deutlich über bis dato vereinbarte Quoten Beschäftigte 40 Wochenstunden arbeiten zu lassen.

Herausforderung in schwierigen Zeiten

Dieser komplexe wie moderne Tarifvertrag läuft im März kommenden Jahres aus. Gerade für kleinere bis mittelgroße Unternehmen sei der Abschluss schwierig gewesen, urteilt der neue MAV-Chef. Und mit Blick auf das Frühjahr warnt der Wirtschaftswissenschaftler Gökce: „Es muss moderate Verhandlungen geben. 2018 war ein teurer Abschluss. Jetzt geht es bei einigen Unternehmen um die Existenz.“ Hohe Entgeltabschlüsse könne es aus Sicht des MAV nicht geben, legt sich der neue Mann fest, dessen Karriere über die Bildungsbranche (zuletzt Geschäftsführer Südwestfalen des Bildungsanbieters ESO) zum Unternehmensverband führte. „So spannend und herausfordernd hatte ich es mir nicht vorgestellt“, räumt Özgür Gökce mit Blick auf konjunkturell schwierigere Zeiten ein.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben