Medienmacher

Wie lange gibt es Netflix in seiner jetzigen Form noch?

Kai-Hinrich Renner schreibt in seiner wöchentlichen Medienmacher-Kolumne über Köpfe und Veränderungen der Branche.

Kai-Hinrich Renner schreibt in seiner wöchentlichen Medienmacher-Kolumne über Köpfe und Veränderungen der Branche.

Foto: Reto Klar

Hamburg.  Netflix bekommt bald Konkurrenz von Apple, Disney und Warner. Und: Der NDR bekommt wohl eine Informations- und Unterhaltungsdirektion.

Als Ende 2018 das Haus 11 auf dem Gelände des NDR-Fernsehens in Hamburg-Lokstedt wegen Asbestbelastung geschlossen wurde, ließ sich kaum absehen, dass dieser Schritt zumindest mittelbar zu einer Beschleunigung der Modernisierung der Senderstrukturen führen würde. Doch genau darauf deutet alles hin.

Im Januar beschloss der NDR-Verwaltungsrat wegen der hohen Sanierungskosten Haus 11 abreißen und an anderer Stelle auf dem Gelände einen Neubau errichten zu lassen. Wie sich nun zeigt, hat diese Entscheidung weitreichende Konsequenzen: Mittelfristig will der NDR seine mit der Produktion von redaktionellen Inhalten befassten Direktionen nicht länger nach Ausspielwegen, sondern inhaltlich sortieren: Anstelle von Fernseh- und Hörfunkdirektion würden also Direktionen treten, die medienübergreifend für Information, Unterhaltung und womöglich auch Kultur verantwortlich wären.

Möglichkeiten für eine crossmediale Zusammenarbeit werden geprüft

Hintergrund: In Zeiten der Digitalisierung wachsen alle Medien zusammen. Die Neuausrichtung der Direktionen, die dem NDR noch bevorsteht, haben der SWR und der Bayerische Rundfunk bereits vollzogen. Auch beim NDR könnte es jetzt schneller gehen, als geplant: In Haus 11, das nun abgerissen wird, residierten ausschließlich TV-Redaktionen. Im Neubau wird dies wegen der bevorstehenden Umstrukturierung definitiv nicht der Fall sein. Aber wie soll er dann genutzt werden?

Diese Frage kann erst beantwortet werden, wenn die neue Struktur der Direktionen steht. Und damit bei der Planung des Neubaus nicht irgendetwas herauskommt, mit dem später keiner etwas anfangen kann, sollte die Neuordnung der Direktorien schnell erfolgen. Offiziell heißt es dazu, im Zusammenhang mit dem Neubau werde „geprüft, ob sich Möglichkeiten für eine crossmediale Zusammenarbeit ergeben“.

Informations- und eine Unterhaltungsdirektion ist geplant

Wie gut, dass dem designierten neuen NDR-Intendanten Joachim Knuth nachgesagt wird, er habe diesbezüglich einen Masterplan in der Schublade liegen. Gesetzt wären demnach eine Informations- und eine Unterhaltungsdirektion. Ob die Kultur ebenfalls eine eigene Direktion bekommt, die womöglich im Funkhaus in Hamburg-Rotherbaum angesiedelt wird, ist unklar.

Informationschefin könnte die designierte Hörfunkdirektorin Katja Marx werden. Als Leiter einer möglichen Unterhaltungsdirektion ist Fernsehdirektor Frank Beckmann im Gespräch.

Hintergrund:

• Asbest! NDR räumt Hochhaus und richtet Krisenstab ein

• Beschlossen: Asbest-Hochhaus des NDR wird abgerissen

Ungewiss ist noch, wer Knuth als stellvertretender Intendant nachfolgt. Der NDR-Verwaltungsrat hat bei seiner Sitzung an diesem Freitag das Thema jedenfalls nicht auf der Tagesordnung.

Netflix bekommt Konkurrenz von Apple, Disney und Warner

Bei der TV-Messe Mipcom in Cannes war es diese Woche das Tuschelthema: Wie lange wird es Netflix in der jetzigen Form noch geben? Zwar hat der Streaming-Dienst im dritten Quartal 2019 die Zahl seiner Abonnenten weltweit um 6,8 Millionen auf 158 Millionen steigern können.

Doch weil Apple und die beiden Hollywoodstudios Disney und Warner demnächst eigene Plattformen starten, rechnen die in Cannes versammelten Produzenten mit einer Konsolidierung des Marktes, der Netflix zum Opfer fallen könnte. Zitiert werden will mit einer solchen Aussage aber niemand. Denn noch laufen die Geschäfte der Branche mit Netflix bestens.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben