Autobranche

Mercedes meldet Rekordjahr. Aussicht für Zulieferer „diesig“

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und der Mercedes Benz AG, präsentiert auf der Technik-Messe CES das Konzeptfahrzeug „Vision AVTR", entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Regisseur Cameron und dem „Avatar"-Filmteam nach dem Vorbild des Films „Avatar".

Ola Källenius, Vorstandsvorsitzender der Daimler AG und der Mercedes Benz AG, präsentiert auf der Technik-Messe CES das Konzeptfahrzeug „Vision AVTR", entwickelt in Zusammenarbeit mit dem Hollywood-Regisseur Cameron und dem „Avatar"-Filmteam nach dem Vorbild des Films „Avatar".

Foto: Andrej Sokolow / dpa

Stuttgart/Hagen.  Die Branche klagt, aber: Mercedes scheint sich nicht in einer Krise zu befinden. Die Zulieferer wissen es gerade nicht so genau.

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Ola Källenius spricht durchaus vom „tiefgreifenden Wandel der Mobilität“. Dass Mercedes-Benz am Donnerstagmorgen die besten Absatz und Verkaufszahlen in der Unternehmensgeschichte verkündet, ist für den Schweden dabei nicht im geringsten ein Widerspruch: Das neunte Rekordjahr in Folge beim Stuttgarter Autobauer beweise lediglich „wie wertvoll unsere Marke ist“. Im Premiummarkt sei man in weiten Teilen der Welt die Nummer eins.

Entwarnung also in der Branche?

Die Prognosen für das laufende Wirtschaftsjahr sind bescheiden. Und die Erfolge und Rekordzahlen für 2019, die zu Beginn der Woche von Ford und gestern von Mercedes und Audi vermeldet wurden, bedeuten insbesondere für die zahlreichen Zulieferer in Südwestfalen noch längst nicht eitel Sonnenschein.

Die Teile für die Fahrzeuge, die bis zum Jahresende von den Bändern bei den Autoherstellern rollten, „haben wir bereits Ende 2018 und Anfang 2019 produziert“, schränkt der Präsident der Südwestfälischen Industrie- und Handelskammer, Ralf Stoffels, ein und nennt den „Konjunkturhimmel eher diesig“. Stoffels ist mit seinem Ennepetaler Unternehmen BIW Isolierstoffe selbst Zulieferer für die Autoindustrie. Mit Blick auf 2020 schätzt die Kammer die Situation so ein: Es gibt keinen Einbruch, aber es herrscht eine große Unsicherheit. Das liegt auch daran, dass die Autobauer selbst nicht mehr so weit in die Zukunft schauen und planen, wie in früheren Jahren. „Die Vorschauzyklen werden immer kürzer, die Prognosen schwanken stärker. Momentan wissen wir nicht, wo der Boden ist, ob es wieder sachte bergauf oder weiter runter geht“, erklärt Stoffels.

Dass Mercedes-Benz von Einbrüchen auf dem Chinamarkt im vergangenen Jahr nicht betroffen war und ein Plus von 6,2 Prozent verbuchte, hält der Branchenkenner für nicht repräsentativ. Mercedes ist eben eine Luxusmarke und daher im aufstrebenden Mittelstand in China besonders gefragt. Knapp 700.000 Mercedes-Pkw (plus 40.000) verkauften die Stuttgarter im vergangenen Jahr im Reich der Mitte. Mehr als drei Viertel der dort verkauften Fahrzeuge kam vergangenes Jahr auch direkt aus lokaler Produktion.

Hella startet in Zhenjiang

Was man in Südwestfalen merke: Zunehmend bevorzugten die chinesischen Autobauer heimische Zulieferer, so Stoffels: „Die Nachfrage aus China war abgeflaut – allerdings kommt mancher Kunde auch gerade wieder zurück. Qualität aus Südwestfalen setzt sich vielleicht doch durch.“ Wichtig, denn nicht jeder Zulieferer hat die Größe des Licht- und Elektronikspezialisten Hella. Die Lippstädter nahmen gestern eine Elektronik-Fabrik in Zhenjiang im Westen Chinas in Betrieb. Ein Joint-Venture mit BHAP, einem der größten Automobilzulieferer in China. Der Vorteil der Kooperation: hohe Technologiekompetenz gepaart mit unmittelbarem Marktzugang. Motto: „In China für China“.

Ähnlich wie bei Mercedes. China ist seit 2015 der größte Absatzmarkt von Mercedes-Benz: Von 2015 bis 2019 wurde dort der jährliche Gesamtabsatz nach Unternehmensangaben fast verdoppelt. Trotz aller Rekorde, tritt Källenius auf die Bremse, aber nur ein bisschen: „Die beiden kommenden Jahre werden mehr denn je von der Transformation unserer Branche geprägt sein. Durch Investitionen in neue Technologien ebnen wir den Weg, um mit Mercedes als Pionier für nachhaltigen Luxus den globalen Premiummarkt auch in der Ära der CO2-neutralen Mobilität anzuführen.“ Der neue Elektro-SUV EQC trägt zu den Rekorden noch nicht viel bei. Er wird aktuell in Europa ausgeliefert – aber bisher nur wenig nachgefragt.

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