Arbeitsmarkt

No-Deal-Brexit könnte 100.000 deutsche Jobs kosten

Wolfsburg und VW könnten stark von einem ungeordneten Brexit betroffen sein.

Wolfsburg und VW könnten stark von einem ungeordneten Brexit betroffen sein.

Foto: Julian Stratenschulte / dpa

Berlin  Einer Studie zufolge könnte ein No-Deal-Brexit Zehntausende Arbeitsplätze in Deutschland gefährden. Theresa May bittet um mehr Zeit.

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Deutsche Wissenschaftler des Leibniz-Instituts für Wirtschaftsforschung in Halle (IWH) haben einen ungeordneten Brexit simuliert – mit deutlichen Folgen auch für die deutsche Wirtschaft. Ein ungeordneter Brexit könnte nach neuen Berechnungen die Arbeitsplätze von 100.000 Menschen in Deutschland gefährden. Die „Welt am Sonntag“ berichtete zuerst über die Ergebnisse.

Ob es eine Einigung über die Art des Brexit gibt und vor allem wann, ist weiter unklar. Am Sonntag bestätigte eine Sprecherin der britischen Regierung der Deutschen Presse-Agentur, dass Premierministerin Theresa May das Parlament in London noch einmal um mehr Zeit für Nachverhandlungen mit der EU bitten wolle. Es gibt auch Forderungen an die EU, nachzuverhandeln, da zu viel auf dem Spiel stehe.

May bittet um mehr Zeit – die Opposition sagt: Zeitschinderei

Für eine Abstimmung über das weitere Vorgehen soll nun der 27. Februar vorgesehen werden. Die Opposition wirft May vor, Zeit zu schinden, um die Abgeordneten kurz vor dem Brexit-Datum am 29. März in einer Friss-oder-stirb-Abstimmung vor die Wahl zwischen ihrem Vertrag mit der EU und einem ungeregelten Brexit zu stellen.

Dass es überhaupt ein Abkommen Großbritanniens mit der EU gibt, dürfte auch für deutsche Arbeitnehmer von Interesse sein, wenn man der Untersuchung aus Halle folgt: „In keinem anderen Staat ist der Effekt auf die Gesamtbeschäftigung so groß wie in Deutschland“, sagte einer der Studienautoren, Oliver Holtemöller.

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Nach Brexit drohen Zölle auf Exporte

Nach einem ungeregelten Brexit würden wieder Zölle auf Importe nach Großbritannien erhoben. Die Simulation der Wissenschaftler erfasse nur Jobeffekte, die auf den daraus folgenden Exporteinbruch zurückzuführen seien. Weitere Brexit-Gefahren für den Arbeitsmarkt, etwa sinkende Investitionsbereitschaft, bildeten die Zahlen nicht ab.

In Deutschland sei demnach von einem Exportrückgang vor allem die Autoindustrie betroffen. Die größten Auswirkungen gäbe es – gemessen an der Gesamtzahl der Beschäftigten – am VW-Standort Wolfsburg und am BMW-Standort Dingolfing-Landau in Niederbayern. Für Wolfsburg habe die Formel ergeben, dass 500 Arbeitnehmer potenziell betroffen seien, für Dingolfing-Landau seien es 265. In beiden Fällen entspräche das rund 0,4 Prozent der gesamten Beschäftigten.

Stellen in Baden-Württemberg, Bayern und Westfalen in gefahr

Viele Arbeitnehmer (726 oder rund 0,3 Prozent) müssten demnach auch im Landkreis Böblingen bei Stuttgart um ihre Stellen fürchten. Dort sitzen Technologiekonzerne wie IBM oder Siemens, auch Daimler hat ein Werk. Ähnlich sei die Situation im Märkischen Kreis im südlichen Westfalen, wo viele mittelständische Unternehmen mit Auslandsgeschäft sitzen. Laut der Formel sind hier 703 Stellen oder 0,3 Prozent der Beschäftigten potenziell bedroht.

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Zusammengefasst: Gefahren sehen die Wissenschaftler vor allem für Landkreise in Baden-Württemberg, Bayern und Nordrhein-Westfalen. Jobs in Ostdeutschland seien dagegen kaum gefährdet.

Es wäre bereits die zweite Verlängerung

Wie geht es nun weiter und warum sind London und Brüssel derart auf Kollisionskurs? May will spätestens am Mittwoch eine Erklärung im Parlament über den Stand der Verhandlungen abgeben. Sollte das Parlament May am Donnerstag mehr Zeit gewähren, wäre das bereits die zweite Verlängerung seit der krachenden Niederlage für ihren Brexit-Deal Mitte Januar. Bisher lehnt die EU jegliche Änderung am Brexit-Abkommen kategorisch ab. (dpa/aba)

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