Professor der Fern-Universität

Ökonom: Mauritius und China Vorbilder für hunderte Länder

Die Landwirtschaft - hier eine Teepflückerin bei der Arbeit - war die wirtschaftliche Keimzelle für Mauritius.

Die Landwirtschaft - hier eine Teepflückerin bei der Arbeit - war die wirtschaftliche Keimzelle für Mauritius.

Foto: 123luftbild/Das Fotoarchiv

Hagen.  Prof. Dr. Helmut Wagner von der Fern-Uni Hagen über die Parallelen zweier unterschiedlicher, aber aufstrebender Volkswirtschaften am Scheideweg.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >

Es wirkt kurios – im ersten Moment. Kann man die wirtschaftliche Entwicklung des kleinen afrikanischen Inselstaates Mauritius tatsächlich mit China vergleichen? Der Ökonom Professor Dr. Helmut Wagner sieht jedenfalls gewisse Parallelen zweier aufstrebender Schwellenländer, die in den vergangenen Jahrzehnten durch hohe Wachstumsraten aufhorchen ließen.

Dass China zu einer wirtschaftlichen Macht geworden ist, ist gemeinhin bekannt. Die zentralistisch geführte Volksrepublik ist der bevölkerungsreichste Staat der Erde und hat sich mit Fünf-Jahresplänen kontinuierlich Wohlstand erarbeitet. China gilt auch deshalb als der aktuell attraktivste Markt für viele Branchen, weil sich dort immer mehr Menschen westliche Produkte leisten wollen und es auch können. Während man im Reich der Mitte an fleißige Fabrikarbeiter denkt, denen der Schweiß im Akkord von der Stirn tropft, denkt man bei Mauritius eher an das Paradies im indischen Ozean, in das es gemeinhin vor allem gut betuchte Touristen zieht.

Auf dem Niveau von Kroatien

Tatsächlich fußt die Wirtschaft des Inselstaates zunächst auf der Landwirtschaft. Mit Zuckerrohrplantagen, auf denen Sklaven aus Afrika ackerten, fingen die Franzosen Anfang des 18. Jahrhunderts an. Sklaven mussten schon deshalb sein, weil Mauritius bis vor 400 Jahren gar nicht besiedelt war. Hier unterscheiden sich der afrikanische Inselstaat und China, das auf rund 5000 Jahre Hochkultur zurückblicken kann, so sehr es nur geht. Für die wirtschaftliche Entwicklung spielt dies laut Ökonom Wagner allerdings nur eine untergeordnete Rolle.

Was den Professor der Fernuniversität Hagen reizt, ist der Vergleich des totalitären China mit einem höchst demokratischen afrikanischen Staat. Beide erzielen hohe Wachstumsraten. „Beim Bruttoinlandsprodukt pro Kopf bewegt sich Mauritius mittlerweile auf dem Niveau von Kroatien“, erklärt Wagner. „China und Mauritius seien zwar völlig unterschiedlich, aber beide haben das gleiche Ziel.“ Den Sprung vom Schwellenland zu einer Hochtechnologie-Nation zu werden. Mauritius verfügt über eine eigene Hochschule, zu der Wagner kürzlich Kontakt aufnahm.

Welches System verspricht Erfolg?

Das Spannende an den beiden Staaten sei, dass sie für hundert andere Länder eine Vorbildfunktion hätten, „deshalb sind sie auch so wichtig“, glaubt Wagner. Kann wirtschaftlicher Aufschwung in kommunistischen Zusammenhängen genauso gut gelingen wie in demokratischen Strukturen? „Die südostasiatischen und afrikanischen Länder fragen sich: Wen soll ich kopieren, welches System verspricht mehr Wohlstand?“, ist Wagners Vermutung.

Mauritius ist aufgrund seiner stabilen Gesellschaftsverhältnisse bei gleichzeitig großer Freiheit attraktiv für Investoren. Man versuche dort, moderner Dienstleistungsstandort zu werden und die IT- und Softwarebranche ebenso anzuziehen wie den Finanzsektor.

Für ein stetiges wirtschaftliches Wachstum müssen Staaten eine hohe Innovationskraft entwickeln, glaubt Wagner. Auch dies gilt im kleinen Mauritius mit rund 1,3 Millionen Menschen wie im großen China mit rund eintausend Mal mehr Bevölkerung gleichermaßen – auch wenn der Vergleich noch so kurios erscheint.

Inhalt 
ARTIKEL AUF EINER SEITE LESEN >
Leserkommentare (0) Kommentar schreiben