Digitalisierung

Olper Softwareschmiede hat internationales Vertrauen

Die Open-Xchange-Zentrale in Olpe, dem Gründungsort des Unternehmens. Die neue Zentrale wurde Ende 2016 bezogen. Ein Jahr später arbeiten hier 60 Mitarbeiter von weltweit 260.

Die Open-Xchange-Zentrale in Olpe, dem Gründungsort des Unternehmens. Die neue Zentrale wurde Ende 2016 bezogen. Ein Jahr später arbeiten hier 60 Mitarbeiter von weltweit 260.

Foto: Sinan Muslu

Olpe.   Italiener haben ihren kompletten E-Maildienst von den Sauerländern auf Vordermann bringen lassen – dabei scheint ihr Geheimrezept so simpel.

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Die Olper Softwareschmiede Open-Xchange (OX) hat eine Vision. „Wir wollen unseren Kunden etwas bieten, das besser ist als Outlook oder Gmail“, sagt Rafael Laguna.

Er ist Mitbegründer und Geschäftsführer des Unternehmens. Mehr als neun Millionen Italiener können sich seit kurzem davon überzeugen, dass dieser hohe Anspruch keineswegs utopisch ist. Sie vertrauen der „Open-Source“-Software von OX.

Italiaonline

Italiaonline, größter Internetanbieter zwischen Südalpen und Sizilien, hat seinen E-Mail-Dienst „Libero Mail“ von OX auf Vordermann bringen lassen.

Es ist ein schöner Erfolg für die Sauerländer, mit deren Software aktuell rund 240 Millionen Email-Konten funktionieren – rund 75 Prozent aller Accounts auf der Welt!

Übermächtige Konkurrenz

Und es ist in gewisser Weise auch die Ansage eines deutschen Unternehmens in Richtung der vermeintlich übermächtigen Konzerne wie Google, Facebook, Microsoft oder auch Amazon. Sie lautet: Es gibt keinen Grund, sich den Datensammlern und Monopolisten zu ergeben.

Die Philosophie des 2005 in Olpe gegründeten Unternehmens ist einfach: „Freiheit und Offenheit“. Darauf basiert die Idee von „Open-Source“-Entwicklungen.

Transparenz der Quellcodes

Und gerade diese Transparenz der Quellcodes für die Programme, die am Ende auf dem Rechner, dem Tablet oder Smartphone laufen, ist das große Pfund, mit dem auch OX aus Olpe wuchern kann, und das letztlich immer mehr nachgefragt wird.

„Ich möchte, dass jeder weiß, dass es so etwas gibt“, sagt Rafael Laguna im Gespräch mit unserer Zeitung, das er auf seiner Dienstreise von Paris aus führt. Die Olper sind weltweit erfolgreich. In Japan, den USA, beinahe überall, von China einmal abgesehen.

China und Frankreich

„China nimmt ja nicht am freien Internet teil“, erinnert Laguna. Aber Frankreich ist ein starker Markt. Und vielleicht noch mehr. Möglicherweise liegt es in der Geschichte der Grand Nation, jedenfalls ist man in Paris wohl schon ein paar Schritte weiter als anderswo bei der Daten-Emanzipation. Präsident Macron hat noch zu Zeiten als Minister eine Taskforce gegründet, die sich um dieses Thema kümmert.

Mit dem Ergebnis, dass Software auf Staatsrechnern in Zukunft „open-source“ sein muss, will man seine Freiheit und seine Geheimnisse bewahren. Auf den ersten Blick erscheint es paradox, dass ausgerechnet eine transparente Lösung wie die der Olper der beste Schutz sein soll. Auf den zweiten ist aber schon klar, dass dies ein heimliches Eindringen nahezu unmöglich macht.

US-Riesen Datenaufsauger

Erkenntnisse, die Zeit brauchen, auch weil es auf den ersten Blick so einfach und bequem erscheint, arglos die Angebote der US-Riesen zu nutzen, deren wesentliches Geschäft am Ende auf dem Besitz möglichst vieler Daten beruht. Für Google und Facebook sind wir Datenbatterien, die leergesaugt werden sollen“, versucht der OX-Chef, es dem Laien anschaulich zu erklären, worum es geht.

Dass mancher vermeintliche Digitalexperte meint, der Zug für die Europäer bei Angeboten für Endkunden sei abgefahren und an der Marktmacht der Monopolisten sei nicht mehr zu rütteln, bestreitet Laguna vehement.

Erfolg gibt Laguna Recht

Er sieht OX geradezu als Antithese zu dieser Annahme: „Wir werden, was unsere Internetnutzung angeht, erwachsener, sind nicht mehr so naiv.“ Offenbar keine Vision.

Der Erfolg von OX mit Sitz im kleinen Olpe bei Italiaonline erscheint wie ein Beleg.

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