Konzernkrise

Ratingagentur stuft Kreditwürdigkeit von Thyssenkrupp herab

Thyssenkrupp hat mit Problemen zu kämpfen. Die Aktie steht massiv unter Druck.

Thyssenkrupp hat mit Problemen zu kämpfen. Die Aktie steht massiv unter Druck.

Foto: Rolf Vennenbernd / dpa

Essen.  Der Druck auf Thyssenkrupp steigt. Die Ratingagentur Moody’s bewertet die Kreditwürdigkeit schlechter als bisher. Aktie fällt erneut.

Die Ratingagentur Moody’s hat die Kreditwürdigkeit von Thyssenkrupp herabgestuft und so den Druck auf den kriselnden Revierkonzern erhöht. Damit rangiert der Konzern noch tiefer im sogenannten „Ramschbereich“. Eine schlechtere Bonitätsnote kann bei Unternehmen zu höheren Refinanzierungskosten führen.

Ein Sprecher des Konzerns verwies darauf, dass Thyssenkrupp über ausreichend finanzielle Mittel verfüge: „Mit der strategischen Neuausrichtung sollen die Leistungsfähigkeit und die Kapitalbasis nachhaltig verbessert werden.“

Moody’s stufte das Rating für Thyssenkrupp nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters vom sogenannten Ramschniveau Ba2 auf den noch niedrigeren Wert Ba3 herab und begründete dies mit den schwachen Quartalszahlen, die der Revierkonzern am 8. August vorgelegt hatte. Angesichts der Konjunktureintrübung und der nachlassenden Nachfrage der wichtigen Kunden aus der Autoindustrie geht Moody’s davon aus, dass eine Verbesserung der Profitabilität länger als erwartet dauern werde. Die Ratingagentur erklärte, dass die Rahmenbedingungen für den Konzern wohl in den kommenden zwölf bis 18 Monaten schwierig blieben.

Aktie von Thyssenkrupp massiv unter Druck

Die ohnehin auf ein 16-Jahrestief gefallene Aktie verlor am Donnerstag (15. August) erneut an Wert und lag zwischenzeitlich bei nur noch 9,41 Euro.

Thyssenkrupp droht zudem der Abstieg aus dem Deutschen Aktienindex (Dax). Uwe Streich, Indexspezialist der Landesbank Baden-Württemberg, kommt zu dem Urteil, dass „die Chancen für Thyssenkrupp äußert schlecht stehen“, auch weiterhin in der ersten Börsenliga des Landes zu bleiben, wie das „Handelsblatt“ berichtet. Eine Entscheidung der Deutschen Börse soll am 4. September fallen, wirksam werden die Veränderungen voraussichtlich am 23. September. „Um im Dax zu bleiben, müsste Thyssenkrupp einen deutlichen Kurssprung machen, um so wieder auf eine höhere Marktkapitalisierung zu kommen“, sagte Streich.

Abstieg aus dem Dax gilt als wahrscheinlich

Bei der Präsentation der Quartalszahlen hatte Thyssenkrupp-Chef Guido Kerkhoff bereits vor wenigen Tagen zu einem möglichen Dax-Abstieg gesagt: „Die Zugehörigkeit zu einem Index ist deutlich nachrangig zu dem, was wir als Aufgabe vor uns haben.“

Ein wichtiger Faktor bei der Dax-Zusammensetzung ist die Frage, welchen Wert ein Unternehmen am Aktienmarkt hat. Mit einer Marktkapitalisierung von rund 5,97 Milliarden Euro (Stand: 15. August) lag Thyssenkrupp zuletzt auf dem letzten Platz der 30 Dax-Konzerne.

Tafelsilber Aufzugsparte soll Geld in die Kasse bringen

Potenzielle Dax-Aufsteiger nach einem möglichen Abstieg von Thyssenkrupp sind laut „Handelsblatt“ der Triebwerkshersteller MTU Aero Engines und der Immobilienkonzern Deutsche Wohnen.

Thyssenkrupp ist aktuell wieder tief in die roten Zahlen gerutscht. Kerkhoff musste bei der Präsentation der aktuellen Quartalszahlen erneut die Gewinnprognose nach unten korrigieren. Geld in die Kasse soll durch die Aufzugsparte (Elevator) kommen, die als Tafelsilber von Thyssenkrupp gilt.

Je nach Kapitalmarktumfeld strebt Thyssenkrupp einen Börsengang im Laufe des Geschäftsjahres 2019/2020 an, wobei der Konzern den derzeitigen Planungen zufolge die Mehrheit der Anteile behalten will. Als potenzielle Käufer kommen aber auch Konkurrenten wie der Aufzugkonzern Kone oder Finanzinvestoren in Betracht. Kerkhoff erklärte dazu bei der Vorlage der Quartalszahlen: „Wir bereiten den Börsengang für Elevator vor, prüfen aber auch die vorliegenden Interessensbekundungen potenzieller Interessenten.“

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