Wirtschaftlichkeit

Standortranking: Deutschland verliert an Attraktivität

Auch wegen der Steuern wird Deutschland für Unternehmen laut einer Umfrage immer unattraktiver.

Auch wegen der Steuern wird Deutschland für Unternehmen laut einer Umfrage immer unattraktiver.

Foto: imago images / Chris Emil Janßen

Berlin  Hohe Steuern und Energiekosten: Für Unternehmen wird Deutschland immer unattraktiver. Wissenschaftler sehen enormen Handlungsbedarf.

Ob bei der Steuerlast, den Arbeitskosten oder der Produktivität: Deutschland fällt im internationalen Standortvergleich immer weiter zurück. In einem aktuellen Vergleich von 21 Industrienationen rutscht Deutschland um drei Punkte auf Platz 17 zurück. Dies hat der „Länderindex Familienunternehmen“ ergeben, der vom Zentrum für Europäische Wirtschaftsforschung (ZEW) im Auftrag der Stiftung Familienunternehmen während der Corona-Pandemie erstellt wurde. Auf den vorderen Plätzen liegen 2020 die USA, Großbritannien, die Niederlande, Kanada und Dänemark. Die Studie wird alle zwei Jahre erhoben.

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Einen Spitzenwert erreicht Deutschland nur beim Thema Finanzierung. Positiv fällt dabei ins Gewicht, dass sowohl die öffentliche als auch die private Verschuldung gering sind, heißt es in der Studie. Zudem seien die Finanzierungsbedingungen günstig. Schlechte Noten stellen die Wissenschaftler der Bundesrepublik jedoch „für ihre Passivität in der Steuerpolitik“ aus und in den Bereichen Arbeitskosten und Humankapital.

Schuld daran seien maßgeblich die vergleichsweise hohen Unternehmenssteuern. Auch in der Kategorie Energie landet Deutschland im Staatenvergleich nur im hinteren Drittel. Zwar sei die Energieversorgung sehr sicher, doch die Strompreise gleichzeitig sehr hoch. Die digitale Infrastruktur sei laut Studie unterdessen unzureichend.

„In den vergangenen Jahren haben wir uns sehr stark auf die Verteilung des Wohlstands konzentriert“, analysiert Rainer Kirchdörfer, Vorstand der Stiftung Familienunternehmen. „Jetzt kommt es dringend darauf an, Deutschland wettbewerbsfähiger zu machen. Wir müssen im Steuerwettbewerb wieder Anschluss gewinnen, Energiekosten reduzieren und in die unzureichende Infrastruktur investieren.“

USA belegen die Spitzenposition

Die USA haben sich unterdessen auf die Spitzenposition des Gesamtrankings vorgearbeitet. Verantwortlich dafür ist laut Studie maßgeblich die 2018 in Kraft getretene Steuerreform. Sie sah zum Beispiel eine Absenkung der Körperschaftssteuersätze auf Bundesebene von 35 auf 21 Prozent vor. Herausragend seien die Vereinigten Staaten auch in den Bereichen Regulierung, Finanzierung und Energie. Großbritannien leide unterdessen durch die Unsicherheiten durch den Brexit. Die Schwächung des Rechtsstaates schlage sich wiederum auf ein schlechteres Abschneiden von Polen und Ungarn nieder.

Die Wissenschaftler sehen einen enormen Handlungsbedarf. „Der Länderindex macht deutlich, dass Deutschland hinsichtlich der steuerlichen Belastung der Unternehmen inzwischen im Vergleich mit den europäischen und amerikanischen Wettbewerbern ins Hintertreffen geraten ist.“ Kurzfristig sei es geboten, die steuerliche Verlustverrechnung auszuweiten, um so die wirtschaftlichen Folgen der Corona-Krise abzumildern, heißt es in der ZEW-Studie weiter: „Um langfristig aus steuerlicher Sicht wettbewerbsfähig zu bleiben, wird eine umfassende Steuerreform Deutschlands unerlässlich sein.“

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