IHK-Befragung

Studie bescheinigt NRW ein schlechtes Gründerklima

Frauen sind beim Thema Gründen in NRW unterrepräsentiert. Beim  Stipendienprogramm der Landesregierung wächst die Zahl aber offenbar kontinuierlich.

Frauen sind beim Thema Gründen in NRW unterrepräsentiert. Beim Stipendienprogramm der Landesregierung wächst die Zahl aber offenbar kontinuierlich.

Foto: imago stock / imago/photothek

Hagen.  Laut Studie der IHK NRW und der IHK Arnsberg hatte sich das Gründerklima in NRW ein Jahr nach Regierungswechsel verschlechtert.

„Vergesst das Silicon Valley, verlasst Berlin und Hamburg, geht in die Provinz“, hatte Steven Hill, US-amerikanischer Wissenschaftler und Autor des Buches „Die Start-up-Illusion“ jungen Menschen vor zwei Jahren nach einem Besuch im Sauerland geraten. Womöglich ein guter Tipp, der aber allenfalls mit Verzögerung ankommt. „Die Zahl der Gründungen geht weiter zurück“, meldet die Industrie- und Handelskammer Arnsberg am Freitag das durchaus überraschende Ergebnis einer gemeinsamen Studie mit der IHK NRW. Und: Das Gründungsklima in Nordrhein-Westfalen habe sich zum Befragungszeitraum 2018 verschlechtert, heißt es weiter. „Hier handelt es sich um gefühlte Aussagen“, räumt André Berude, Experte der IHK Arnsberg ein.

Keine Nachfolger für Babyboomer

Seit Jahren gebe es gute Wirtschaftsdaten, nur die Gründerzahlen bereiten den Experten in Kammern und Politik seit ebenso vielen Jahren Kopfzerbrechen. Dabei hatte sich die neue Landesregierung 2017 auf die Fahne geschrieben, NRW zum Gründerland zu machen.

Ergebnis der IHK-Studie: Immer weniger Menschen wagen den Sprung in die Selbstständigkeit und gründen ein eigenes Unternehmen. Diese Mutlosigkeit macht der IHK im Kammergebiet Hellweg-Sauerland auch deshalb Sorgen, weil in den kommenden zehn Jahren über 2000 Unternehmen mit aktuell knapp 39.000 als übernahmefähig gelten. Hintergrund: Die Generation der Babyboomer steuert auf die Rente zu – und damit auch viele Inhaber von Familienunternehmen.

Bürokratie schreckt ab

Die IHK befragte nach 2017 nun zum zweiten Mal rund 10.000 Zielpersonen, die den Schritt zur Gründung gewagt haben. Und zwar danach, welche Rahmenbedingungen aus ihrer Sicht förderlich, welche sie für kontraproduktiv halten und wie lange es von der Idee bis zur Gründung gedauert? Im IHK-Bezirk Arnsberg waren die Gründer demnach etwas schneller als im Landesdurchschnitt und hatten die Gründung in weniger als einem halben Jahr über die Bühne. Als größte Hürden sahen die Befragten den enormen bürokratischen Aufwand (44 Prozent) und die komplizierte Steuergesetzgebung (37 Prozent). Im Vergleich zu Studie aus dem Jahr 2017 hat sich nach den neuesten Ergebnisse das Gründerklima verschlechtert.

Gründerstipendium ein Renner

Aber: „Die Landesregierung hat eine Menge getan, das muss man offen zugeben“, sagt IHK-Experte Berude. Und: Die Befragung fand im ersten Halbjahr 2018 statt, also noch bevor Pinkwart und Co. die Förderung für Unternehmensgründer vereinfacht und beispielsweise das Gründerstipendium eingeführt haben. Mit 1000 mal 1000 bewarb das Wirtschaftsministerium die Stipendienidee, die Gründern ein Jahr lang ein Grundeinkommen von 1000 Euro pro Monat garantiert, gesponsert vom Land. Tatsächlich ein populäres Instrument. Am 1. Juli 2018, war das Volumen von 1000 Stipendien nach einem Jahr beinahe ausgeschöpft. 1359 interessierte Gründer hatten sich bis dahin beworben, 983 bekamen nach Prüfung der Geschäftsidee die Förderempfehlung, über 900 hatten bis dahin ein Stipendium beantragt. Ein offenbar gutes Instrument, um die Gründerszene in NRW zu beleben und weiblicher zu machen.

Während die 2018er-IHK-Studie ergab, dass der typische Gründer in der Region Hellweg-Sauerland zwischen 35 und 55 Jahre alt und männlich ist, steige der Anteil an Stipendiatinnen kontinuierlich an, wie es vonseiten der Landesregierung jüngst in der Antwort auf eine kleine Anfrage der Opposition hieß. „Ich glaube, es wird insgesamt im kommenden Jahr bessere Ergebnisse zum Gründerklima in NRW geben“, sagt IHK-Experte Berude. Auch hier sei die Nachfrage nach dem populären Gründerstipendium hoch, allerdings lägen noch keine konkreten Zahlen vor. Zudem sei das neue Gewerbe-Service-Portal.NRW für Gründer eine deutliche Hilfe.

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