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Studie: Primark hält versprochene Lohn-Standards nicht ein

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Berlin  In den Fabriken, in denen Primark seine Produkte fertigen lässt, verdienen die Arbeiterinnen zu wenig Geld. Das war anders versprochen.

Die Textilkette Primark präsentiert sich gerne als Alleskönner. Viele Kleidungsstücke kosten nur kleines Geld. Da gibt es Jeans für 14 Euro, Sweatshirts für sechs Euro oder T-Shirts für drei Euro. Gleichzeitig bekennt sich das Unternehmen öffentlich dazu, dass seine Produkte „mit Achtung vor dem Menschen und der Umwelt“ hergestellt werden: „Das Wohlergehen der Arbeitskräfte ist uns wichtig. Wir erwarten gerechte Löhne und sichere Arbeitsbedingungen.“

Dass niedrige Preise und gleichzeitig hohe Sozialstandards im Alltag jedoch nicht unbedingt zusammengehen, zeigt eine aktuelle Studie im Auftrag der Christlichen Initiative Romero (CIR), die unserer Redaktion vorliegt. Nach der Studie verdienen viele Arbeiterinnen in den Fabriken in Sri Lanka, in denen auch Primark fertigen lässt, weniger Geld, als sie für den Alltag brauchen.

Primark zahlt zwar über Mindestlohn, das reicht aber nicht

Die CIR ist Mitglied im Bündnis für nachhaltige Textilien, das von Bundesentwicklungsminister Gerd Müller (CSU) initiiert wurde und sich für bessere Produktionsbedingungen in den Herstellerländern einsetzt. Und auch Primark hat sich neben Adidas, KiK oder Otto diesem Textilbündnis angeschlossen.

Der Konzern ist zudem auch Mitglied der Ethical Trading Initiative (ETI), einem Zusammenschluss aus Gewerkschaften, Markenherstellern und Nichtregierungsorganisationen, der auf einem Verhaltenskodex basiert – von sicheren Arbeitsbedingungen bis hin zu gerechten Löhnen.

Lebenshaltungskosten durch Primark-Lohn nicht gedeckt

Die Studie bringt jedoch anderes zutage.

  • Untersucht wurden unter anderem die Arbeitsverhältnisse in mehreren Fabriken, in denen auch Primark seine Produkte fertigen lässt. Denn Primark selbst betreibt keine eigenen Fabriken.
  • Vielmehr lässt das Unternehmen fast alle Produkte in Fremdvergabe fertigen.
  • Die überwiegend weiblichen Arbeiterinnen erhalten laut Studie meistens keine Löhne, die die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten für Familien decken.
  • So liegt der staatlich festgesetzte Mindestlohn für Frauen auf Sri Lanka bei 79 Euro im Monat.

„Ich würde diese Arbeit keinem empfehlen“

Die Arbeiterinnen in den untersuchten Fabriken erhalten zwar mehr Geld – zwischen 100 bis 120 Euro. Doch die durchschnittlichen Lebenshaltungskosten für Familien in Sri Lanka liegen nach staatlichen Erhebungen bei rund 150 Euro monatlich. Die gewerkschaftliche Organisation Asia Floor Wage Campaign beziffert den Betrag für ein auskömmliches Leben sogar auf rund 300 Euro.

„Ich würde diese Arbeit keinem empfehlen. Unsere Löhne sind so niedrig, wir können nicht einmal genug Lebensmittel kaufen“, berichtete eine der Beschäftigten, die für die Studie befragt wurden.

Wer genug verdienen will, muss länger arbeiten

Wenn die Frauen ausreichende Gehälter erzielen wollen, müssten sie laut Studie sehr lange Arbeitszeiten in Kauf nehmen. Einige würden 60 Stunden pro Woche schuften, obwohl die maximale Beschäftigungszeit gesetzlich auf 57 Stunden beschränkt ist. Manche arbeiteten sogar bis zu 80 Stunden.

„In keiner der untersuchten Fabriken wird der Verhaltenskodex eingehalten, den Primark seinen Herstellern auferlegt“, fasst Isabell Ullrich, CIR-Referentin für Kleidung, zusammen. „Die Löhne und das Maß an Überstunden sind teils illegal.“ Unzureichende Bezahlung und zu lange Arbeitszeiten seien deshalb an der Tagesordnung, weil in den Fabriken meistens keine Gewerkschaften aktiv seien, die die Interessen der Beschäftigten vertreten.

Hintergrund:

Das sagt Primark zu der Untersuchung

Ein Unternehmenssprecher von Primark räumte ein, dass bei Überprüfungen der Fabriken an drei Standorten „eine kleine Anzahl von Problemen“ entdeckt worden seien, darunter ein „Arbeiter, der Überstunden machte und das Fehlen von Gewerkschaften“. Diese Proble­me werde man angehen „und die Fortschritte überwachen“. Grund­sätzlich seien die Arbeitsbedingungen aber in Ordnung, so der Sprecher.

Die Christlichen Initiative Romero macht für die Missstände unter anderem das Geschäftsmodell der „schnellen Mode“ („fast fashion“) verantwortlich, dem viele Filialketten folgen. So bringe Primark teilweise im Wochenrhythmus neue Kleidungsstücke heraus, um seiner jungen Kundschaft im schnellen Wechsel günstige Produkte anzubieten, erläutert Ullrich.

Die entsprechenden Aufträge müssten die Lieferanten kurzfristig abarbeiten. Überstunden am Abend nach den regulären Schichten oder zusätzliche Einsätze an Wochenenden seien dann nötig, meint Ullrich: „Durch ihr Einkaufsverhalten entsteht eine kurzfristige und unstete Auftragslage in den Fabriken und hoher Zeit- und Preisdruck.“

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Ethische Ziele spielen beim Einkaufen oft nicht die erste Rolle

Nicht zuletzt nach den verheerenden Unfällen in asiatischen Textilfabriken versuchen Konzerne – wie auch Primark – sich für bessere Arbeitsbedingungen einzusetzen. Doch wie auch die aktuelle Studie zeigt, kommen die Verbesserungen offenbar keineswegs bei allen Beschäftigten der Fabriken in Asien an – dasselbe gilt auch für Produktionsstandorte in Afrika und Lateinamerika.

„Bei der Auswahl der Fabriken schauen Primark und Co. nur auf Preis, Zeit und vielleicht noch Qualität“, zieht Ullrich Bilanz. „Die ethischen Ziele, die sie sich groß auf die Fahnen schreiben, spielen beim Einkauf keine Rolle.“

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