Wirtschaft

Südwestfalen und die China-Zwickmühle des Mittelstands

Automobilhersteller verlangen zunehmend, dass ihre Zulieferer in den Märkten wie China vor Ort präsent sind. Große Unternehmen, die sogenannten Tier1-Zulieferer, sind im vermeintlich wichtigsten Absatzmarkt präsent. Für Mittelständler ist dies aber schwieriger.

Automobilhersteller verlangen zunehmend, dass ihre Zulieferer in den Märkten wie China vor Ort präsent sind. Große Unternehmen, die sogenannten Tier1-Zulieferer, sind im vermeintlich wichtigsten Absatzmarkt präsent. Für Mittelständler ist dies aber schwieriger.

Foto: Str / AFP

Hagen.  Für Mittelständler ist der Aufwand nach China zu gehen enorm hoch. Sind sie aber nicht dort, drohen Aufträge auch in Europa verloren zu gehen.

Der deutsche Mittelstand befindet sich in einer Zwickmühle. Das gilt insbesondere für die Automobilzulieferer, von denen etliche in Südwestfalen sitzen. Für die Autokonzerne ist China zum entscheidenden Markt geworden. Das erzwingt nach Ansicht des SIHK-Präsidenten Ralf Stoffels zunehmend Entscheidungen: „Der Druck ist für Zulieferer seit Jahren hoch, auch nach China zu gehen.“

SIHK-Präsident: „Als Einzelner ist man aufgeschmissen!“

Für Mittelständler eine enorme Herausforderung, da ihnen im Gegensatz zu großen Konzernen die Strukturen fehlen, um im Alleingang den Schritt nach Asien zu unternehmen. „Als einzelner Mittelständler ist man da aufgeschmissen“, betont Stoffels aus eigener Erfahrung. Mit seinem Unternehmen BIW Isolierstoffe (rund 600 Beschäftigte) mit Sitz in Ennepetal unterhält er mittlerweile selbst eine Produktion in Kunshan zwischen Shanghai und Suzhou im „German Industrial Park“. Betrieben wird das Industriegebiet von der „Startup-Factory“, die sich darauf spezialisiert hat, mittelständischen deutschen Firmen den Zugang zum chinesischen Markt zu ermöglichen, ohne ein zu hohes finanzielles Risiko einzugehen. Ein Hallenplatz für eine Produktionslinie ist mietbar. Die Serviceleistungen reichen von der Geschäftsführung vor Ort, über Klärung von Formalitäten bis hin zur Personalsteuerung.

Ob es sich am Ende für heimische Unternehmen rechnet, ist ungewiss. Nur schreitet die Globalisierung in alle Richtungen voran. Längst geht es nicht mehr nur darum, dass europäische Firmen in China präsent sind, um dort Geschäfte zu machen. „Wer es sich nicht leisten kann oder will, riskiert auch das Europageschäft an andere Zulieferer, etwa aus China zu verlieren“, warnt der SIHK-Präsident.

Langer Atem und Finanzkraft notwendig

Auf der Suche nach geeigneten Möglichkeiten, auf dem chinesischen Markt Fuß zu fassen, hilft vor allem die Auslandshandelskammer (AHK). „Es ist schon wichtig, gut vorbereitet zu sein und einen langen Atem zu haben. Zirka 300 Unternehmen aus dem Kammerbezirk sind dort aktuell auf dem Markt“, sagt Frank Herrmann, Außenhandelsexperte der SIHK. Etwa zehn Prozent produzieren auch dort.

In der jüngeren Vergangenheit seien die Einstiegshürden etwas niedriger geworden, so Stoffels. Allerdings machten die Behörden es ausländischen Firmen nach wie vor nicht leicht. Es dürfen nur neue Anlagen mit neuster Technologie installiert werden. Die Behörden erzwingen Einblicke in alle Geschäftsbereiche, die Umweltauflagen seien mitunter höher als in der EU. Und aktuell sei es schwierig, überhaupt ins Land zu kommen. Europäer gelten im angeblich weitgehend coronafreien China als „Superspreader“ und müssen bei Anreise zehn Tage in Quarantäne, was abschreckend wirkt.

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