Foodwatch-Studie

Süße Getränke: Das sind die schlimmsten Zucker-Fallen

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Berlin  Die Organisation Foodwatch hat 600 Erfrischungsgetränke untersucht. Deren Zuckergehalt ist in den vergangenen Jahren kaum gesunken.

Die Kritiker betrachten dieses Getränk als Angriff – auf die Gesundheit von Kindern und Jugendlichen. Die Halbliter-Dose des Energiegetränks Monster Assault, das Coca-Cola vertreibt, enthält 83 Gramm Zucker. So steht es auf dem schwarzen Alubehälter. Umgerechnet sind das gut 28 Stück Würfelzucker, wie Foodwatch ermittelt hat.

Diese Organisation setzt sich für gute Ernährung ein, in sozialer, ökologischer und gesundheitlicher Hinsicht. Am Freitag veröffentlichte sie ihre neue Studie zum Zuckergehalt in Erfrischungsgetränken – unter anderem Limonaden, Colas, Energydrinks, Schorlen und Eistees. Untersucht wurden insgesamt 600 Produkte. Das Ergebnis: Seit der Vorgängeruntersuchung 2016 ist der Zuckergehalt insgesamt kaum gesunken. Über die Hälfte der geprüften Getränke sei massiv überzuckert, sagt Foodwatch-Sprecherin Sarah Häuser.

Erfrischungsgetränke von Edeka, Rewe und Lidl

Als Überraschungsgast, auf dem Weg vom Berliner Hauptbahnhof zu einer Veranstaltung, stieß Fernseharzt und Moderator Eckart von Hirschhausen zur Präsentation hinzu. Er teilt die Kritik der Organisation. „Was passiert, wenn man aus Versehen ein Glas Cola umkippt?“, fragt Hirschhausen ins Mikrofon. „Schwer abzuwaschen. Es klebt.“ So ähnlich wirke die schwarze Brause auch im Körper.

Als Basis ihrer Studie haben die Zucker-Kritiker Erfrischungsgetränke bei den Einzelhandelsketten Edeka, Rewe und Lidl eingekauft. Damit, so glauben sie, haben sie einen guten Überblick über den gesamten Markt für solche Produkte. Reine Fruchtsäfte, Wasser und alkoholische Getränke wie Bier und Wein wurden nicht untersucht.

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Lichtblicke bei PepsiCo und Lidl

Den Spitzenplatz auf der nach Zuckerkonzentration organisierten Liste hält Monster Assault im Coca-Cola-Vertrieb. Danach folgen Getränke weiterer namhafter Hersteller und Marken wie PepsiCo, Schweppes, Rewe, Gerolsteiner und Red Bull. Die Liste der nach Ansicht von Foodwatch zu stark gezuckerten Getränke ist lang: 58 Prozent aller untersuchten Produkte enthalten mehr als vier Stück Würfelzucker pro Glas (250 Milliliter). 2016 waren es 59 Prozent.

Bei einzelnen Unternehmen gebe es aber Lichtblicke, gibt Foodwatch zu. Beispielsweise PepsiCo und Lidl hätten den Zuckergehalt verringert. Im Schnitt enthalten die 600 Produkte rund sechs Würfel Zucker – genauso viel wie bei der Untersuchung 2016.

Die zehn größten Zucker-Fallen (in g/100 ml)

  • Monster Assault Energy (Coca-Cola): 17,0

  • Rockstar Energy + Guava Tropical Guava Flavor (PepsiCo): 16,0

  • Rockstar Juiced Mango Orange Passion Fruit (PepsiCo): 15,0

  • Grape Soda (Teemtum): 15,0

  • AA Drink High Energy (United Soft Drinks): 14,5

  • 28 Black Sour Cherry (Calidris): 14,0

  • Rockstar Super Sours Blue Raspberry (PepsiCo): 14,0

  • Rockstar Super Sours Green Apple (PepsiCo): 14,0

  • Rockstar Xdurance Blueberry Pomegranate Acai Flavor (PepsiCo): 14,0

  • Thomas Henry Spicy Ginger (Thomas Henry): 14,0

Zu viel Zucker verursacht Diabetes und Fettleibigkeit

Die Grenze von vier Stück Zucker pro Glas haben die Kritiker der Lebensmittelindustrie aus Großbritannien übernommen. Dort wird auf Getränke, die diese Menge oder mehr enthalten, seit April dieses Jahres eine Sondersteuer erhoben. Ein Grund sind die Gesundheitsschäden.

Mediziner Andreas Pfeiffer, Professor an der Berliner Charité, erklärt, zu viel Zucker verursache beispielsweise Fettleibigkeit und Diabetes. Besonders für Kinder sei das problematisch. „Der zugesetzte Zucker trägt in erheblichem Maße dazu bei, dass Menschen täglich zu viele Kalorien aufnehmen“, sagt Kai Kolpatzik vom Bundesverband der AOK-Krankenkassen.

Einer Studie des bundeseigenen Robert Koch-Instituts zufolge nehmen besonders männliche Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren zu viele gesüßte Erfrischungsgetränke zu sich.

Coca-Cola will Zuckergehalt deutlich reduzieren

Coca-Cola Deutschland reagiert umgehend. „Wir nehmen unsere Verantwortung als Getränkehersteller wahr“, sagt eine Sprecherin. „Insgesamt enthält heute bereits rund ein Drittel unserer 80 verschiedenen Getränke keinen oder nur wenig Zucker.“ Zudem werde der Konzern „den Zuckeranteil des Sortiments bis 2020 um weitere zehn Prozent reduzieren“.

Der Verband der deutschen Lebensmittelwirtschaft betont die Autonomie der Verbraucher: „Jeder hat die freie Wahl zu entscheiden, wie viel Zucker er zu sich nehmen möchte. Gerade im Bereich der Erfrischungsgetränke gibt es eine unglaubliche Vielfalt von Getränken mit und Getränken ohne Zucker.“ Nahezu jedes klassische Produkt existiere auch in einer Light- oder Zero-Variante, heißt es vom Verband.

Nachfrage in Großbritannien durch Zuckersteuer gesunken

Foodwatch fordert die Bundesregierung auf, eine „Limo-Steuer“ einzuführen, wie Großbritannien es bereits getan hat. Halbliter-Dosen würden dadurch beispielsweise um 20 Cent teurer. Wie sich in Großbritannien zeigte, sank wegen des höheren Preises die Nachfrage, was die Hersteller zur Änderung der Rezepturen veranlasste.

Bundesernährungsministerin Julia Klöckner (CDU) verhandelt derzeit mit der Lebensmittelindustrie über eine einvernehmliche Lösung zur Verringerung des Zuckergehaltes, die keine Steuer vorsieht.

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