Tierisches

Superfood aus dem Sauerland

Marsberg, 03.06.2019. Katrin Schütz und Christoph Willeke mit ihrer Wagyu Herde auf der Weide.

Marsberg, 03.06.2019. Katrin Schütz und Christoph Willeke mit ihrer Wagyu Herde auf der Weide.

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Marsberg.  Wagyu-Rindfleisch gilt als das beste und teuerste der Welt. Zwei junge Landwirte züchten die japanische Rasse jetzt in Marsberg.

Im Sauerland sind, das ist seit 1983 amtlich, die Mädchen wilder als die Kühe. Und normalerweise auch hübscher. Die schwarzen Rinder, die in Marsberg-Giershagen auf der Weide stehen, wirken allerdings ausgesprochen niedlich. Kleiner als die klassische Milchkuh. Auch charakterlich gibt es nichts zu meckern: Gutmütig und ruhig, sagen die Besitzer. Angeschafft wurden sie aber wegen ganz anderer innerer Werte: Ihr fein marmoriertes Fleisch gilt als das beste der Welt. Und als das teuerste.

Wer Wagyu-Rinder züchtet und vermarktet – das japanische Original ist als Kobe-Rind bekannt – bewegt sich also in einer kleinen, exklusiven Nische. Aber was sollte man sonst tun, wenn man mit einem eigenen landwirtschaftlichen Betrieb startet und nicht in die Immer-schneller-immer-größer-immer-billiger-Falle tappen will. Katrin Schütz (28) und Christoph Willeke (31) haben sich jedenfalls für einen anderen Weg entschieden.

Begegnung in Australien

Beide haben Agrarwissenschaften studiert. Sie in Soest, er in Göttingen. Oft gehen Absolventen hinterher in die Verwaltung, Beratung oder Industrie. Willeke hat einen Job bei einem Zuchtunternehmen in Münster, Schütz an der Fachhochschule Südwestfalen. Aber beide wollen mehr: Praxis, Natur, Selbstständigkeit. Nur kennt Christoph Willeke auch die Probleme. Er ist auf einem konventionellen Milchviehbetrieb in Giershagen aufgewachsen. Aber in Australien, wo er nach dem Studium als Erntehelfer arbeitete, lernte er die Wagyus kennen. In den 1990er Jahren waren einige hundert Tiere in die USA und nach Australien exportiert worden. Von denen stammen die heutigen Herden dort ab, weil Japan einen strikten Exportstopp verhängt hat. Christoph Willeke gefielen die Tiere. Er erfuhr, dass es in Europa nur wenige Exemplare gibt. Und zusammen mit seiner Partnerin feilte er an der Idee einer eigenen Marke: Wagyu Sauerland.

2017 startete das Projekt. Willeke besorgte für den Start tiefgefrorene Embryonen, die Mutterkühen eingepflanzt wurden. Die ersten 15 Kälber sind jetzt neun Monate alt. Geschlachtet werden sie, wenn sie drei Jahre alt sind – doppelt so alt wie „normale“ Rinder. „Das ist der größte Kostenfaktor“, sagt Willeke. Das Fleisch der eigenen Tiere wird also erst in mehr als zwei Jahren verfügbar sein. Der Online-Shop startet aber im Juli. Und zwei Verkaufsveranstaltungen in Giershagen gab es auch schon. „Wir arbeiten mit einem Nachbarbetrieb zusammen, der schon ein paar Wagyus hat“, erklärt der Jung-Landwirt.

Katrin Schütz freut sich auf die Arbeit mit den Tieren als Ausgleich zum Sitzen am Schreibtisch. Aber das bleibt ihr auch bei Wagyu Sauerland nicht erspart. Sie ist verantwortlich für Marketing und Vertrieb. Sie hat die Homepage aufgebaut (wagyu-sauerland.de), kümmert sich um Facebook und Instagram, hält Kontakte zu Foodbloggern, organisiert Events. „Wichtig ist es uns, nicht nur den unvergleichlichen Fleischgeschmack bekannt zu machen, sondern auch zu zeigen, dass Qualität in der Region entsteht, dass es den Tieren gut geht“, sagt sie. „Wir nehmen uns Zeit für Besucher.“ Die können die Tiere sehen und anfassen.

Und wer sind die Kunden, wer zahlt 180 Euro pro Kilo Rumpsteak, 100 für die Hüfte und 300 fürs Filet? „Menschen aus der Region mit Sinn für gutes Fleisch“, erzählt Willeke. „60 bis 70 Prozent Männer“, ergänzt Schütz. Grillfreaks mit Geld? „Das Fleisch ist nicht für jeden Tag“, betont Christoph Willeke. „Wir können und wollen nicht die Welt ernähren.“

Nische mit Potenzial

Wagyu-Zucht wird eine Nische bleiben. Aber eine wachsende, hoffen die beiden. Derzeit suchen sie einen Hof. Noch stehen die Tiere bei der Familie. Aber die Herde wächst. Ende August um 20 Tiere. Wenn jede Woche ein Tier vermarktet werden soll, bräuchte man 150, rechnet Willeke vor. Die könnten auch von anderen Betrieben aufgezogen werden, die an der Milch zu wenig verdienen.

Das sind Zukunftsvisionen. Aber Gründer brauchen Optimismus. „Wir glauben an die Rasse und die regionale Marke, an die Chancen der Digitalisierung und das sich ändernde Konsumverhalten“, erklärt Katrin Schütz. „Und zusätzlich ist das Fleisch wegen des hohen Anteils an ungesättigten Fettsäuren und an Omega 3 und 6 noch sehr gesund.“

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben