Jahresbilanz

Thyssenkrupp baut 11.000 Jobs ab – NRW stark davon betroffen

Thyssenkrupp befindet sich weiter in der Krise: Wie der Essener Konzern mitteilte, ist ein Arbeitsplatzabbau von 11.000 Stellen mitten in der Corona-Pandemie geplant. Thyssenkrupp spricht von dem „größten Restrukturierungsprozess seit Bestehen“.

Thyssenkrupp befindet sich weiter in der Krise: Wie der Essener Konzern mitteilte, ist ein Arbeitsplatzabbau von 11.000 Stellen mitten in der Corona-Pandemie geplant. Thyssenkrupp spricht von dem „größten Restrukturierungsprozess seit Bestehen“.

Foto: Guido Kirchner / dpa

Essen.  Thyssenkrupp steckt weiter in der Krise: Der Essener Konzern plant einen Arbeitsplatzabbau von 11.000 Stellen mitten in der Corona-Pandemie.

  • Thyssenkrupp in der Krise: Der Essener Konzern plant einen drastischen Abbau der Arbeitsplätze . 11.000 Stellen sind davon betroffen. Thyssenkrupp selbst spricht vom „ größten Restrukturierungsprozess seit Bestehen“.
  • Betriebsbedingte Kündigungen bei dem angeschlagenen Konzern Thyssenkrupp sollen aber das letzte Mittel sein, sagt Personalvorstand Oliver Burkhard. Es ginge darum, die jeweils „passenden Instrumente“ zu finden.
  • Von den 11.000 Arbeitsplätzen entfallen 7000 auf Deutschland, so Burkhard, 4000 auf Standorte außerhalb der Bundesrepublik. Etwa jede zweite der Stellen, die bundesweit wegfallen sollen, befinde sich in NRW . Die IG Metall betonte, die jetzt bekannt gegebenen Pläne für weiteren Stellenabbau seien „nicht mit der Arbeitnehmerseite vereinbart“.
  • Auch die Thyssenkrupp-Stahlsparte mit großen Werken in Duisburg, Bochum und Dortmund litt schwer unter den Folgen der Corona-Pandemie. In Summe lagen Auftragseingang und Umsatz Unternehmensangaben zufolge im Gesamtjahr um 17 beziehungsweise 20 Prozent unter den Vorjahreswerten.
  • Die Großaktionärin Krupp-Stiftung erklärte: „Thyssenkrupp ist in einer schwierigen Lage.“ Der Finanzinvestor Cevian macht Druck.

Der angeschlagene Essener Stahl- und Industriegüterkonzern Thyssenkrupp verschärft massiv sein Sparprogramm und will 11.000 Arbeitsplätze abbauen. „Wir befinden uns mitten im größten Restrukturierungsprozess seit Bestehen von Thyssenkrupp. Dazu gehört auch ein weiterer Stellenabbau, daran führt leider kein Weg vorbei“, sagte Oliver Burkhard, der Personalvorstand des Konzerns.

Krise bei Thyssenkrupp: 11.000 Stellen werden abgebaut

Das Unternehmen hatte im Mai 2019 einen Abbau von 6000 Stellen innerhalb von drei Jahren angekündigt, davon sei ein Abbau von etwa 3600 Stellen realisiert, berichtete der Konzern bei der Präsentation der Jahresbilanz. „Um den langfristigen Marktentwicklungen und den Auswirkungen von Corona gerecht zu werden, sieht Thyssenkrupp momentan weiteren Abbaubedarf von – gemessen an der Ausgangssituation – insgesamt 11.000 Stellen“, erklärte das Unternehmen in einer Mitteilung. „Diese zusätzlichen 7400 Stellen sollen in den kommenden drei Jahren reduziert werden.“

Personalvorstand Burkhard betonte, Ziel sei eine Umsetzung des Stellenabbaus „gemeinsam mit den Arbeitnehmervertretern vor Ort“, um – je nach Ausmaß und Härte der wirtschaftlichen Lage in den jeweiligen Betrieben – „passende Instrumente“ zu finden. Betriebsbedingte Kündigungen seien dabei nur „die Ultima Ratio“, also das letzte Mittel, falls es keine andere Lösung gebe, sagte Burkhard. „Wir können sie im Moment aber nicht ausdrücklich ausschließen.“

IG Metall: „Weiterer Stellenabbau nicht mit der Arbeitnehmerseite vereinbart“

Das Unternehmen müsse an weiteren Kostensenkungen arbeiten, hieß es in der Mitteilung, die der Konzern am Donnerstagmorgen (19. November) verschickte. Die Corona-Pandemie sei „eine gewaltige Belastungsprobe für Thyssenkrupp“, sagte Thyssenkrupp-Vorstandschefin Martina Merz.

Die IG Metall äußerte sich kritisch zu den Plänen für zusätzlichen Arbeitsplatzabbau. „Die jetzt bekannt gegebenen Pläne für weiteren Stellenabbau sind nicht mit der Arbeitnehmerseite vereinbart“, sagte IG Metall-Vorstand Jürgen Kerner, der auch stellvertretender Aufsichtsratsvorsitzender von Thyssenkrupp ist. „Konzernweite Abbauprogramme lehnen wir ab“, betonte Kerner. „Vielmehr brauchen wir auf Ebene der Geschäfte Lösungsoptionen, die Investitionen in die Zukunft, nachhaltige Wirtschaftlichkeit, dezentrale Verantwortung und sichere Arbeitsplätze wieder ermöglichen. Kostenreduzierungen, die sich auf Personalabbau und Mitarbeiterbeiträge konzentrieren, sind kontraproduktiv.“

Finanzinvestor Cevian macht Druck

Auch der Finanzinvestor Cevian, der zweitgrößte Einzelaktionär von Thyssenkrupp, macht Druck. „Die Aufzugssparte wurde verkauft, um die Sanierung der anderen Geschäfte zu finanzieren. Bisher ist noch nicht genug passiert“, bemerkt Cevian-Partnerin Friederike Helfer, die auch Mitglied des Aufsichtsrats von Thyssenkrupp ist. „Thyssenkrupp verliert weiter Milliarden. Der finanzielle Spielraum schmilzt. Wettbewerber haben in der Corona-Krise massiv durchgegriffen und ziehen weiter davon. Es tut weh, das anzusehen, denn es müsste so nicht sein“, sagte Helfer. „Thyssenkrupp hat das Potenzial, erfolgreich zu sein. Martina Merz hat richtig erkannt: Es ist ein Sanieren gegen die Zeit. Nun müssen dringend weitere Taten und Ergebnisse folgen. Der Vorstand hat unsere volle Unterstützung dafür.“

Für das Geschäftsjahr 2019/2020, das am 30. September zu Ende ging, weist Thyssenkrupp einen Auftragseingang von 28,2 Milliarden Euro aus – 17 Prozent weniger als im Vorjahr. Auch der Umsatz verringerte sich deutlich um 15 Prozent auf 28,9 Milliarden Euro. Im laufenden Geschäft häuft der Konzern Verluste an – die entsprechende Bilanzkennziffer (bereinigtes Ebit) lag mit einem Minus von 1,6 Milliarden Euro erheblich unter dem Vorjahreswert, als bereits ein Verlust von 110 Millionen Euro anfiel.

Dividende bei Thyssenkrupp fällt abermals aus: Essener Konzern steckt in der Krise

Allerdings hatte das Management die Öffentlichkeit und die Aktienmärkte auf desaströse Zahlen vorbereitet. Eine im August angepasste Ergebnisprognose sah ein Minus zwischen 1,7 und 1,9 Milliarden Euro vor. Dank einer „Stabilisierung der Geschäfte“ im vierten Quartal und „strikter Maßnahmen zur Liquiditätssicherung und Kostensenkung“ sei dieser Negativwert nicht ganz erreicht worden, hob das Management hervor.

Thyssenkrupp in der Krise: Hier gibt es weitere Informationen zum angeschlagenen Essener Konzern

  • Die Bilanz von Thyssenkrupp fällt düster aus. Erste Zahlen zu milliardenschweren Abschreibungen sickern durch. Die Lage ist ernst .
  • Die Krupp-Stiftung hat ihren mit einer Million Euro dotierten Förderpreis erstmals abgesagt. Für das nächste Jahr läuft aber eine Ausschreibung .
  • Thyssenkrupp spricht mit der Bundesregierung und dem Land NRW über Staatshilfen für den Stahl. Konzernchef Merz deutet weitere Einschnitte an .
  • Der Stahlsparte von ThyssenKrupp geht es wirtschaftlich nicht gut. Arbeitsplätze sind in Gefahr. Sonja Bongers (SPD) .
  • SPD-Chef Walter-Borjans fordert den Einstieg des Landes NRW bei Thyssenkrupp Steel und erhöht damit den Druck auf Ministerpräsident Laschet.

Abermals soll die Dividende bei Thyssenkrupp ausfallen. Aufgrund der bestehenden Herausforderungen sei „für eine Dividende in diesem Jahr kein Raum“, heißt es in der Mitteilung des Unternehmens.

„Thyssenkrupp ist in einer schwierigen Lage, wie die Zahlen zeigen“, erklärte die Essener Krupp-Stiftung, die größte Einzelaktionärin des Konzerns. Im Interesse des Unternehmens und mit Blick auf das Potenzial von Thyssenkrupp trage die Stiftung den angekündigten Dividendenausfall für das abgelaufene Geschäftsjahr mit, „so wie sie auch in der Vergangenheit dividendenlose Geschäftsjahre mitgetragen hat“. Mittelfristig sei die Stiftung allerdings auf Dividenden angewiesen. „Wir sind von der Transformationsfähigkeit von Thyssenkrupp überzeugt“, betonte die Stiftung. „Das Unternehmen hat das Potenzial, wieder nachhaltig wettbewerbs- und damit dividendenfähig zu werden.“

Krise bei Thyssenkrupp: Stahlsparte massiv unter Druck

Die Thyssenkrupp-Stahlsparte mit großen Werken in Duisburg, Bochum und Dortmund litt schwer unter den Folgen der Corona-Pandemie. In Summe lagen Auftragseingang und Umsatz Unternehmensangaben zufolge im Gesamtjahr um 17 beziehungsweise 20 Prozent unter den Vorjahreswerten. Im laufenden Geschäft fiel aufgrund der schwachen Auslastung der Stahlwerke ein Verlust in Höhe von 946 Millionen Euro an.

Ein Sondereffekt führt dazu, dass Thyssenkrupp unter dem Strich keine schwarzen Zahlen schreibt: Durch den milliardenschweren Verkauf der Aufzugsparte an Finanzinvestoren sowie die Essener RAG-Stiftung verbucht Thyssenkrupp einen Jahresüberschuss in Höhe von 9,6 Milliarden Euro – im Vorjahr war ein Verlust von 260 Millionen Euro angefallen. Der erzielte Gewinn aus dem Verkauf des Aufzuggeschäfts betrage rund 15 Milliarden Euro, erklärte das Unternehmen.

Krise bei Thyssenkrupp: Hohe Abschreibungen und Kosten für die Sanierung

Stark negativ zu Buche schlagen die Folgen der Corona-Pandemie. Diese seien ein maßgeblicher Grund für Abschreibungen, die das Management nun vornimmt. Im abgelaufenen Geschäftsjahr habe das Unternehmen insgesamt rund drei Milliarden Euro auf langfristige Vermögensgegenstände abgeschrieben – insbesondere in der Stahlsparte und im Autozuliefergeschäft. Kosten in Höhe von rund 600 Millionen Euro fallen auch für die Sanierung an.

Durch den Jahresüberschuss habe sich das Eigenkapital des Konzerns zum Stichtag 30. September auf 10,2 Milliarden Euro erhöht (Vorjahr: 2,2 Milliarden Euro). Die bislang überaus magere Eigenkapitalquote von sechs Prozent im Vorjahr verbesserte sich damit auf 28 Prozent. „Mit einer gestärkten Bilanz schaffen wir die Basis für die zukünftige Aufstellung von Thyssenkrupp“, sagte Finanzvorstand Klaus Keysberg.

Krise bei Thyssenkrupp: Auch die Aussichten für das laufende Geschäftsjahr sind trübe

Bei den sogenannten „fortgeführten Aktivitäten“, also ohne die Aufzugsparte, verbuchte Thyssenkrupp in der Jahresbilanz einen Fehlbetrag von 5,5 Milliarden Euro. Die Lage bleibt zunächst einmal angespannt: Auch für das gerade angelaufene Geschäftsjahr erwartet der Konzern erneut rote Zahlen. Trotz Verbesserungen im operativen Geschäft und der bereits erfolgten Abschreibungen rechnet der Vorstand mit einem Jahresfehlbetrag von mehr als einer Milliarde Euro. Darin seien auch Aufwendungen für die weitere Sanierung im „mittleren dreistelligen Millionen-Euro-Bereich vorgesehen“.

„Wir sind noch nicht da, wo wir hin müssen“, sagte Vorstandschefin Merz . „Die nächsten Schritte können schmerzhafter werden als die bisherigen. Wir werden sie dennoch gehen müssen.“ Es gebe nach wie vor keine Sicherheit darüber, wie es mit der Corona-Pandemie weitergehe, fügte Merz hinzu. „Deshalb werden wir noch härter in allen Geschäftsbereichen an der Performanceverbesserung arbeiten.“

Weitere Nachrichten aus der Wirtschaft gibt es hier .

Leserkommentare (9) Kommentar schreiben