Interview

Uniper-Chef Schierenbeck: Konzern setzt auf Gelsenkirchen

In Gelsenkirchen befindet sich die Konzerneinheit Uniper Technologies (UTG) mit rund 400 Mitarbeitern alleine an dem Ruhrgebietsstandort. Uniper-Chef Andreas Schierenbeck sieht „große Wachstumspotenziale“, wie er in unserem Interview betont.

In Gelsenkirchen befindet sich die Konzerneinheit Uniper Technologies (UTG) mit rund 400 Mitarbeitern alleine an dem Ruhrgebietsstandort. Uniper-Chef Andreas Schierenbeck sieht „große Wachstumspotenziale“, wie er in unserem Interview betont.

Foto: Olaf Ziegler / Funke Foto Services GmbH

Essen.  Der Energiekonzern Uniper will seine Ingenieur-Einheit in Gelsenkirchen ausbauen. Konzernchef Schierenbeck sieht „große Wachstumspotenziale“.

Der Düsseldorfer Energiekonzern Uniper will den Standort Gelsenkirchen stärken. Die dortige Konzerneinheit Uniper Technologies (UTG) spiele eine wichtige Rolle in der Unternehmensstrategie, betont Uniper-Chef Andreas Schierenbeck im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es gibt große Wachstumspotenziale. Das zeigt auch, dass wir für den Stromnetzbetreiber Tennet die Projektleitung beim Bau einer rund 100 Kilometer langen Höchstspannungsleitung in Niedersachsen übernehmen“, sagt Schierenbeck mit Blick auf die Einheit UTG. An den Klimazielen des Konzerns will der Uniper-Chef trotz der Corona-Krise festhalten. „Bis zum Jahr 2035 wollen wir in Europa als Unternehmen CO2-neutral sein“, bekräftigt Schierenbeck. Das neue Kohlekraftwerk Datteln wolle Uniper aber „so lange wie möglich betreiben“. Hier lesen Sie das Interview im Wortlaut:

Herr Schierenbeck, in der Corona-Krise kämpfen viele Unternehmen gegen den wirtschaftlichen Absturz. Wird diese Entwicklung die Diskussion über den Klimaschutz und seine Kosten verändern?

Schierenbeck: Natürlich sind wir gerade in einer ganz besonderen Situation, aber damit verschwinden nicht die Themen, mit denen wir uns auch vor der Corona-Krise zu Recht beschäftigt haben. Die Herausforderungen werden nicht kleiner, wenn es uns als Gesellschaft wirtschaftlich gerade schlechter geht. Und der Klimawandel endet ja nicht, weil es Corona gibt.

Die CO2-Emissionen sind in der Corona-Krise erheblich zurückgegangen. Wie dauerhaft wird dieser Effekt sein?

Schierenbeck: Machen wir uns nichts vor: Wenn die Wirtschaft wieder anspringt, werden auch wieder die CO2-Emissionen steigen. Weltweit bleibt der Trend einer wachsenden Energienachfrage ungebrochen – trotz Corona. Entscheidend ist aber nicht die Nachfrage, sondern ob sie klimaschonend bedient werden kann.

Der Staat steckt gerade viel Geld in Rettungspakete. Besteht die Gefahr, dass zu wenig für den Klimaschutz übrig bleibt?

Schierenbeck: Ich hoffe nicht, dass es zu einem Verteilungskampf um knapper werdende Mittel kommt. In jeder Krise steckt bekanntlich auch eine Chance. Auch wenn gerade staatliches Krisenmanagement gefragt ist: Der Staat allein wird es nicht richten können. Er muss den passenden Rahmen schaffen für privatwirtschaftliche Aktivitäten. Wenn es in der Corona-Krise gelingt, insbesondere in Nachhaltigkeit zu investieren, ist der volkswirtschaftliche Nutzen besonders groß.

NRW-Wirtschaftsminister Pinkwart fordert eine Senkung der Stromsteuer und der EEG-Umlage, um die Verbraucher in der Corona-Krise zu entlasten. Was halten Sie davon?

Schierenbeck: Das Erneuerbare-Energien-Gesetz ist ebenso wie die Stromsteuer ein sehr starres Instrument, das der Verbraucher sehr teuer bezahlt. Wir setzen auf Preisanreize aus dem Markt, die CO2 teurer machen,

also ein straffes CO2-Preisregime möglichst auf viele Sektoren und Staaten ausgebreitet, marktwirtschaftlich organisiert und transparent. Das macht die Energie nicht notwendigerweise billiger, aber die Steuerungswirkung im Sinne des Klimaschutzes ist deutlich größer und nachhaltiger.

In Kürze wollen sie in Datteln ein neues Steinkohlekraftwerk ans Netz bringen. Vor Ausbruch der Coronavirus-Pandemie waren die Proteste lauter und haben mehr Aufmerksamkeit erzeugt. Jetzt ist es stiller geworden. Freut Sie das?

Schierenbeck: Wir stellen uns dieser Diskussion und hoffen, dass unsere Argumente Gehör finden. Wir haben uns eigene Klimaziele gesetzt, an denen wir trotz Corona festhalten. Bis zum Jahr 2035 wollen wir in Europa als Unternehmen CO2-neutral sein. Und klar ist auch, dass wir eine Reihe von Kohlekraftwerken vom Netz nehmen und damit trotz des Betriebsbeginns in Datteln in Summe weniger Kohlendioxid ausstoßen. Dass wir beispielsweise in Gelsenkirchen-Scholven von Kohle auf Gas umstellen, hat einen erheblichen Effekt für den Klimaschutz. Richtig ist aber auch: Wir wollen das Kraftwerk Datteln so lange wie möglich betreiben. Das modernste Kraftwerk ersetzt so ein halbes Dutzend alter Meiler. Das hat insgesamt eine positive Klimawirkung.

In Gelsenkirchen befindet sich Ihre Konzerneinheit Uniper Technologies (UTG) mit rund 400 Mitarbeitern allein an diesem Standort. Welche Pläne verfolgen Sie?

Schierenbeck: Angesichts des anstehenden Umbaus der Energiewirtschaft spielt Uniper Technologies eine wichtige Rolle in unserer Konzernstrategie. Es gibt große Wachstumspotenziale. Das zeigt auch, dass wir für den Stromnetzbetreiber Tennet die Projektleitung beim Bau einer rund 100 Kilometer langen Höchstspannungsleitung in Niedersachsen übernehmen. Ingenieurskompetenz, um energieintensive Anlagen effizienter zu machen, ist gefragt. Wir stellen auch neue Mitarbeiter ein, was insbesondere Gelsenkirchen und dem nördlichen Ruhrgebiet zu Gute kommt. Wir planen, den Standort Gelsenkirchen auszubauen und zu stärken.

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