Auszubildende

Unternehmen Kröger aus Attendorn baut Azubis ein Haus

Die Firma Kröger ist ein mittelständischer Schmiedebetrieb in Attendorn und hat es schwer, Nachwuchs zu finden. Um Auszubildende von auswärts anzulocken, wird unweit der Firma gerade ein schmuckes 7-Familienhaus gebaut. Foto: Ralf Rottmann/ Funke Foto Services

Die Firma Kröger ist ein mittelständischer Schmiedebetrieb in Attendorn und hat es schwer, Nachwuchs zu finden. Um Auszubildende von auswärts anzulocken, wird unweit der Firma gerade ein schmuckes 7-Familienhaus gebaut. Foto: Ralf Rottmann/ Funke Foto Services

Foto: Ralf Rottmann / FUNKE Foto Services

Attendorn.  Um Azubis aus dem Ruhrgebiet ins Sauerland zu locken baut der Mittelständler Kröger aus Attendorn ihnen ein eigenes Wohnhaus in Firmennähe.

Auszubildende sind im Sauerland wirklich rar. Ganz Südwestfalen gilt in puncto Ausbildungs- und Arbeitsmarkt als Indikatorregion. Hier schlägt der demografische Faktor besonders früh zu, weiß die Regionaldirektion der Arbeitsagentur NRW. „Südwestfalen ist so etwas wie ein Labor für die Zukunft“, sagte RD-Chefin Christiane Schönefeld bereits im vergangenen Jahr. Seitdem hat sich die Situation weiter verschärft.

Riesige Konkurrenz vor der Haustür

Die Konkurrenz zwischen den vielen prosperierenden Unternehmen ist groß, im Raum Attendorn vielleicht sogar riesig. Christian Hegener, kaufmännischer Geschäftsführer des Schmiedebetriebs Kröger Stahlumformung, nennt Attendorn „ein Haifischbecken“, wenn es um Fachkräfte geht. Verglichen mit den renommierten Namen wie Muhr&Bender, Kirchhoff, Viega oder Aquatherm, alle nur ein paar hundert Meter Luftlinie entfernt, sieht sich Kröger zwar als kleiner Fisch, ist aber keineswegs bereit, unterzugehen.

Gute Tariflöhne der Metall- und Elektrobranche zahlen hier nahezu alle, selbstverständlich auch Kröger. Um im Wettbewerb um neue Köpfe mit den Großen zu konkurrieren, braucht es daher besondere Ideen. Hegener hat mindestens eine außergewöhnliche, die zudem anschaulich macht, wie groß die Not aktuell tatsächlich ist: Das Unternehmen baut gerade ein 7-Familienhaus für potenzielle Azubis aus dem Ruhrgebiet oder woher auch immer.

„Hier in Attendorn herrscht nicht nur große Knappheit was Azubis und Fachkräfte angeht, sondern auch Wohnraummangel.“ Erst Ende vergangenen Jahres hat die Gemeinde beschlossen, aus dem eigenen Etat Wohnungsbau zu fördern, weil bezahlbarer Wohnraum in der Hansestadt definitiv Mangelware ist.

Erfahrungen damit machte der 38-jährige Chef des Schmiedebetriebs bereits vor zwei Jahren. Da ist ihm das seltene Kunststück gelungen, zwei junge Leute aus Mülheim an der Ruhr und Lünen an der Lippe über das Projekt „Azubis für Olpe“ in Richtung idyllische Ihne vor den Werkstoren zu bewegen – allein eine Wohnung fanden sie nicht.

Familiäre Atmosphäre

Eine Mitarbeiterin, deren Kind gerade flügge geworden war, nahm die beiden Jungs im Alter von 16 und 18 bei sich auf. Den Mittelständler zeichnet eben eine familiäre Atmosphäre aus. Die Hierarchien sind flach, der Chef kennt noch jeden beim Namen. Von den 93 Beschäftigten im Betrieb sind acht Auszubildende. Eine ziemlich ansehnliche Quote, aber aus Sicht des Unternehmens reicht die gerade, um die in den kommenden drei Jahren in den Ruhestand wechselnden Mitarbeiter zu ersetzen. „Wir wollen aber wachsen, deshalb bräuchten wir deutlich mehr Nachwuchs“, so Hegener. Dafür wird jeder Strohhalm ergriffen. Kröger ist eines der Unternehmen aus dem Kreis Olpe, das an der Initiative „Mobil zum Ziel“ der Arbeitsagentur NRW teilnimmt. Die Idee des Projektes: Die jungen Leute aus den Regionen, in denen sie es vergleichsweise schwer haben einen Ausbildungsplatz zu bekommen, gezielt mit Unternehmen aus Südwestfalen und dem Münsterland zusammenbringen, wo der größte Mangel an Bewerbern verzeichnet wird (siehe Infobox).

Es ist der zweite Anlauf, der unternommen wird – bislang ohne zählbaren Erfolg. „Mobil zum Ziel ist für mich dennoch interessanter als ,Azubis für Olpe’, weil ich die Chance habe, vor einer ganzen Klasse zu sprechen und die jungen Leute zu begeistern“, will Hegener noch längst nicht aufgeben. Beim Speeddating in Schulen des Kreises Recklinghausen hat der junge Geschäftsführer mächtig gepunktet, ein Dutzend Jugendlicher zeigte echtes Interesse von der Emscher ins Sauerland umzusiedeln. Zwei Topkandidaten kamen zum Bewerbungsgespräch, fanden dann aber doch vor der Haustür eine Lehrstelle. „Beide hätte ich sofort genommen. Einer war dabei, der den perfekten Schmiedekörper hatte und sogar Erfahrung im Schmieden. Jedenfalls, ich würde es definitiv noch einmal machen“, hofft Hegener, dass das Projekt trotz bisheriger Erfolglosigkeit nicht aufgegeben wird. Versprechen können das seine Ansprechpartner bei der Arbeitsagentur Siegen wohl nicht – verstehen können die Arbeitsvermittler Nina Appel und Michel Simon den Mittelständler aber bestens. Kleinere Unternehmen haben es noch deutlich schwerer als die großen Namen in der Region mit über 166 Weltmarktführern. Viele junge Leute suchten den Schutz eines großen Unternehmens, dabei könne man in kleineren Betrieben mehr Erfahrungen sammeln, sagt Simon. „Vom Azubi zum Chef – das ist bei Kröger möglich“, wirft der umtriebige und nahbare Geschäftsführer schnell noch ein.

Vom Lehrling zum Chef

Der technische Geschäftsführer, Dieter Lubowietzki, hat tatsächlich als Lehrling im Familienunternehmen begonnen. Der gelernte Bankkaufmann und studierte Betriebswirt Hegener hat innerhalb weniger Jahre eine steile Karriere vom Vertriebler an die Spitze des Unternehmens hingelegt. Das „Haus für Azubis“ ist nicht das einzige Projekt, das auf dem Zettel steht. 2020 soll der Bau einer rund 2700 Quadratmeter großen Produktionshalle begonnen werden. Das macht allerdings nur Sinn, wenn absehbar neue Beschäftigte gewonnen werden können. Die Arbeit in einer Schmiede hat für den Besucher etwas faszinierend archaisches – tagtäglich bedeutet es aber „dass es laut und dreckig und einfach schwere Arbeit ist“, sagt der Chef ganz offen. Weil Kröger spezielle Teile auch in Kleinststückzahlen schmiedet, brauche es an jeder Maschine auch den Menschen dahinter – heute wie vor 135 Jahren.

Leserkommentare (0) Kommentar schreiben