Interview

Vonovia-Chef Buch wirbt für Europa – aber ohne Wahlaufruf

Vonovia-Chef Rolf Buch wirbt für Europa, verzichtet aber auf einen Wahlaufruf.

Vonovia-Chef Rolf Buch wirbt für Europa, verzichtet aber auf einen Wahlaufruf.

Foto: Marcel Kusch

Essen.   Der Chef des Bochumer Dax-Konzerns Rolf Buch wirbt für Europa, verzichtet aber auf einen Wahlaufruf: „Entscheidung den Mitarbeitern überlassen.“

In unserem Interview erläutert Rolf Buch, der Chef von Deutschlands größtem Immobilienkonzern, warum er für Europa wirbt, aber auf einen aktiven Wahlaufruf an die Mitarbeiter verzichtet.

Herr Buch, rufen Sie die Vonovia-Mitarbeiter auf, zur Europawahl im Mai zu gehen?

Rolf Buch: In den vergangenen Jahren haben wir unser europäisches Engagement ausgebaut und informieren unsere Mitarbeiter darüber. Grundlage unserer Aktivitäten in Österreich, Schweden und Frankreich bildet ein wirtschaftlich starkes und demokratisches Europa. Auch wenn wir versuchen, nach innen ein Bewusstsein dafür zu schaffen, dass Europa für unser Handeln eine relevante Bedeutung hat, rufen wir nicht aktiv zur Teilnahme an der Wahl auf. Diese Entscheidung überlassen wir unseren Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.

Wie wichtig ist Europa für Vonovia?

Buch: Vonovia ist ein deutsches Unternehmen, agiert aber auch über die Landesgrenzen hinaus, so zum Beispiel in Österreich, Schweden und Frankreich. Entsprechend wichtig ist für uns die wirtschaftliche Zusammenarbeit, die die Europäische Union eint. Sie ist heute Garant für Frieden, Stabilität, Sicherheit und Wohlstand in Europa. Viele unserer Mitarbeiter sind direkt in die Zusammenarbeit mit unserem schwedischen Unternehmen Victoria Park und der österreichischen Buwog sowie mit unseren internationalen Dienstleistern eingebunden. Es herrscht ein entsprechend starkes Bewusstsein dafür, wie schwierig diese Beziehungen ohne einen europäischen Binnenmarkt mit seinem freien Waren, Personen- und Kapitalverkehr wären.

Was sind aus Ihrer Sicht die entscheidenden Themen in Europa?

Buch: Ob Einwanderung, Urbanisierung, Demografie, Klimaschutz: Alle Länder in Europa stehen vor ähnlichen Herausforderungen. Die Wohnungswirtschaft ist in Europa noch sehr fragmentiert. Was liegt da näher, als etwa einen Blick nach Österreich oder Schweden zu werfen, voneinander zu lernen und gemeinsam nach Lösungen zu suchen? Voneinander lernen und am gemeinsamen Wohlstand arbeiten – das sind Kern-Ideen Europas. Dass wir das mittlerweile in einem offenen und friedlichen Europa tun können, ist eines der größten Verdienste der europäischen Idee. Umso wichtiger, dass wir uns immer wieder dafür einsetzen, diese Werte zu erhalten – egal, ob als Unternehmer, Mitarbeiter oder Bürger.

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